Wegen Minus-Temperaturen

Dortmund: Flüchtlingsunterkünfte für Obdachlose in geöffnet – doch drei Probleme bleiben

Die Stadt Dortmund will Wohnungen in Flüchtlingsunterkünften für Obdachlose öffnen.
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Die Stadt Dortmund will Wohnungen in Flüchtlingsunterkünften für Obdachlose öffnen.

Der krasse Wintereinbruch macht den vielen Obdachlosen in Dortmund zu schaffen. Die Stadt will nun Flüchtlingsheime öffnen. Die Probleme sind damit aber nicht beseitigt.

Dortmund - Temperaturen im zweistelligen Minusbereich sorgen in Dortmund in dieser Woche dafür, dass die vielen Obdachlosen wortwörtlich ums Überlegen kämpfen müssen. Die Stadt sieht sich in der Versorgung der hilfsbedürftigen Menschen gut aufgestellt und gibt an, genug Platz für alle Obdachlosen der Stadt zu haben. Probleme gibt es dennoch.

StadtDortmund
SozialdezernentinBirgit Zoerner
OberbürgermeisterThomas Westphal

Harter Winter in Dortmund: Obdachlose sollen auch in Flüchtlingsunterkünften schlafen

Problematisch für die Obdachlosen ist derzeit nicht nur die bittere Kälte, sondern auch die Corona-Pandemie (hier alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen). Wer sich in einer Unterkunft mit dem Virus ansteckt, muss aufgrund von Schwäche und Krankheit mit dem Tod rechnen. Auch für die Stadt Dortmund ist das eine neue Situation, gab Sozialdezernentin Birgit Zoerner bei einer Pressekonferenz am Dienstag (9. Februar) zu.

Grundsätzlich gäbe es bei der Stadt Dortmund aber bereits ein Obdachlosen-Konzept für besonders harte Winter. Sinken die Temperaturen tagsüber und nachts unter den Gefrierpunkt, öffnet die Stadt weitere Unterkünfte für Obdachlose - sofern die Plätze in der Männer- oder der Frauenübernachtungsstelle ausgeschöpft sind.

Dortmund: Plätze für männliche Obdachlose in städtischer Unterkunft komplett belegt

Zumindest für die Übernachtungsstelle der Männer sei das, so Zoerner, aktuell der Fall. Als Lösung sieht die Stadt Dortmund die Öffnung von Flüchtlingsunterkünften für Obdachlose vor. Diese könnten dann mit sogenannten Blanko-Taxischeinen in das Flüchtlingsheim an der Mergelteichstraße in der Nähe des Dortmunder Zoos fahren.

Video: Schneechaos und Kältetod: Mit dieser App kannst du Leben retten

Am Montag (8. Februar) hatten von diesem Service neun Menschen Gebrauch gemacht, gibt Zoerner an. 90 Plätze sind dort für Obdachlose vorhanden. Weitere 100 Plätze wären als Backup sogar noch möglich.

Obdachlose in Dortmund haben Angst, sich mit Corona zu infizieren

Und was ist mit der Gefahr durch das Coronavirus? Die Bedingungen vor Ort, so Zoerner, böten einen ausreichenden Schutz vor dem Virus. Man wolle als Stadt unbedingt verhindern, dass sich die Krankheit von dort aus ausbreite.

Sollten die Plätze an der Mergelteichstraße komplett ausgebucht sein, sei die Stadt sogar in der Lage, Plätze in zwei weiteren Flüchtlingsunterkünften der Stadt bereitzustellen. Zoerner resümiert: „Wir haben ein vollkommen ausreichendes Angebot für die Menschen, die bei der aktuellen Wetterlage untergebracht werden möchten.“

Geflüchtete Obdachlose haben Angst, „entdeckt“ zu werden

Ganz so einfach stellt sich der Sachverhalt aber dennoch nicht dar. Hinzu komme das Problem, so Andreas Sellner von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Freie Wohlfahrtspflege auf dpa-Anfrage, dass geflüchtete Obdachlose Angst davor hätten, nach einer Übernachtung in einer Notunterkunft „entdeckt“ und in ihr Heimatland abgeschoben zu werden. Andere Obdachlose mieden die Übernachtungsstellen, weil sie dort in der Regel nicht mit ihren Tieren übernachten dürfen.

Indes appellieren die Städte in NRW an die Bürger, hilflose Obdachlose bei der Stadt oder der Polizei zu melden. Pragmatische Lösungen werden danach offenbar nicht gescheut. In Dortmund sind zwischenzeitlich Teile des Hauptbahnhofs für Übernachtungen im geschützten Raum bereitgestellt worden. Vor Ort hat das Diakonische Werk indes kostenlose Hilfsgüter, wie etwa heiße Getränke, eine warme Suppe, warme Kleidung, Schlafsäcke oder Isomatten, verteilt.

Ende Januar startete in Dortmund zudem ein Pilotprojekt, welches es Obdachlosen ermöglicht, eine Nacht in einem Hotel in der Innenstadt zu verbringen. Zudem steht seit Anfang November am U-Turm ein großes Zelt zur Verfügung, in dem sich Bedürftige bis Ende März aufwärmen und Essen zu sich nehmen können. mit dpa-Material

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