Nicht genug Wasser zu trinken

Obdachlose in Dortmund in Not – warum die Trinkbrunnen trocken bleiben

In Dortmund laufen die Trinkbrunnen in der Innenstadt in diesem Sommer nicht. Besonders an den heißen Tagen eine Pein für Obdachlose.

  • In Dortmund blieben die Trinkbrunnen in diesem Jahr aus.
  • Für Obdachlose war es an heißen Sommertagen so schwieriger, genügend Trinkwasser zu bekommen.
  • Die Stadtwerke ließen die Brunnen allerdings aus gutem Grund ausgeschaltet.

Dortmund – Überall in der Innenstadt von Dortmund sprudelt normalerweise Trinkwasser aus etlichen kleinen Brunnen. Doch in diesem Sommer liegen die Brunnen trocken – und bringen vor allem Obdachlose in Not. Denn besonders an heißen Tage ist es oft schwierig für sie, an genügend Trinkwasser zu kommen. Doch warum plätschern die Brunnen nicht mehr?

Stadt

Dortmund

Einwohner

588.250

Obdachlose

400 - 600

Dortmund: Obdachlose vermissen Trinkwasserbrunnen

"Die Trinkbrunnen sind immer noch nicht angeschaltet, obwohl alle anderen Brunnen laufen", wundert sich ein Obdachloser aus Dortmund, der sich gegenüber RUHR24 als Marc vorstellt. "Für mich ist das ein Unding", beschwert sich der Mann, der seit mehreren Jahren in Dortmund auf der Straße lebt.

Noch im letzten Jahr hatte der Obdachlose aus Dortmund die Trinkbrunnen kritisch beäugt und meistens gemieden, obwohl auch da die Hitze den Menschen auf der Straße schon schwer zu schaffen machte. "Da spülen sich manche den Mund aus und spucken das dann dahin. Da frag ich mich: Was kann ich mir da noch holen?" Damals dachte er an Hepatitis A und andere Krankheiten, vor denen er Angst hat. 

Dortmund: Brunnen blieben im Corona-Sommer trocken

Die heißen und trockenen Sommertage der vergangenen Wochen ließen die Not offenbar aber so groß werden, dass der Obdachlose selbst das Wasser aus den Brunnen schmerzlich vermisste. Denn mit der Hitze wird besonders für Menschen die auf der Straße leben die Frage drängend: Woher sie genug Trinkwasser bekommen können.

An solchen Trinkbrunnen können sich auch Obdachlose kostenlos Trinkwasser zapfen.

Und tatsächlich ist genau diese Gefahr – die Gefahr einer Ansteckung – im Sommer 2020 der Grund, warum die Trinkwasserspender trocken bleiben. "Aufgrund des Coronav irus, zum Schutz der Bürger sowie unserer Mitarbeiter verzichten wir bis auf Weiteres auf die Inbetriebnahme der Trinkwasserbrunnen in unserem Stadtgebiet", heißt es von der Betreiberin der Brunnen, der DEW21 (Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH).

Weiter heißt es in einer Mitteilung an RUHR24, dass auch aus Vorsorge so gehandelt würde: Um eine "weitere Verbreitung des Virus durch unsachgemäßen Gebrauch und Entnahme des Wassers zu verhindern". 

Brunnen beliebter Treffpunkt in Dortmund

Die Trinkwasserbrunnen seien, wenn sie im Betrieb sind, immer auch ein beliebter Treffpunkt für die Menschen in Dortmund. Das sei ein weiterer Grund, die Trinkwasserbrunnen derzeit ausgeschaltet zu lassen. Und zwar bis sich die allgemeine Situation wieder entspannt habe (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de).

Doch auch bis dahin brauchen Obdachlose besonders an heißen Sommertagen Zugang zu Trinkwasser. In vielen Städten im Ruhrgebiet kümmerten sich Hilfsorganisationen auch in diesem Sommer darum, dass die Menschen auf der Straße genug zu trinken bekamen. So deponierte der Essener Verein Fairsorger laut WDR am Kassenhäuschen des Kinos Lichtburg zum Beispiel Getränke

Dortmund: Gerüchte beunruhigen Obdachlose

Doch noch ein Gerücht beunruhigt den Obdachlosen: "Alle Cityklos sollen abgerissen werden!" Dabei seien die öffentlichen Toiletten für Obdachlose eine gute Möglichkeit ihr Geschäft zu verrichten, oder sich mal zu waschen. 

Auf Nachfrage von RUHR24 kann Stadtsprecher Maximilian Löchter aber in dieser Hinsicht beruhigen: Die Fortführung der Toiletten sei geplant. Davon, dass sie abgerissen werden sollen, ist keine Rede.

Rubriklistenbild: © Arno Burgi/dpa

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