Vermieter unter Beschuss

Ärger um Badewanne: Familie aus Dortmund ist mit den Kräften am Ende - "das ist pure Schikane"

Miethäuser im Ordalweg in Dortmund Brackel
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In Dortmund streitet ein Mieter seit einem Jahr mit seinem Vermieter. Es geht um eine neue Badewanne. Jetzt fallen massive Vorwürfe.

  • Der 74-jährige Mieter eines Wohnhauses in Dortmund-Brackel benötigt ein barrierefreies Bad.
  • Weil er gehbehindert ist, kann der Senior seine Badewanne nicht mehr nutzen.
  • Seit einem Jahr gibt es keine Einigung mit Mon-Real, der Verwaltergesellschaft der Mietwohnung, über die Umbauarbeiten im Badezimmer.

Dortmund - In Dortmund- Brackel kämpft ein Mieter seit einem Jahr um ein barrierefreies Bad. Der Vermieter will zahlen, sogar für mehr als das unbedingt Notwendige. Und trotzdem liegen beide Parteien in einem heftigen Clinch miteinander - "Pure Schikane!" nennen es die Mitstreiter des Mieters.

Barrierefreies Bad in Dortmund: Streit um ein paar Fliesen?

Am Ende scheint sich der Streit mehr oder weniger um ein paar Fliesen zu drehen, die im Bad verlegt werden müssen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Im Gegenteil: Die Situation scheint festgefahren, seit mehr als einem Jahr bewegt sich in der Sache nichts mehr. Dabei bräuchte der 74-jährige Bewohner der Mietwohnung im Ordalweg in Dortmund-Brackel dringend ein barrierefreies Bad. Ein Bad, das er auch nutzen kann.

Doch von Anfang an: Seit 35 Jahren lebt der 74-Jährige in seiner Wohnung. Sein Mietvertrag ist ebenso alt, was dem Senior eine sehr günstige Miete beschert. Ein riesiges Glück für den Dortmunder. Eine Wohnung wie er sie derzeit in Brackel bewohnt, könnte er sich bei den aktuellen Mietpreisen in Dortmund sonst nicht mehr leisten. Ein Umzug ist daher nahezu ausgeschlossen.

Video: Wie sich Mieter gegen teure Mieten wehren

Doch im vergangenen Jahr merkte auch der Dortmunder mehr als deutlich, wie der Zahn der Zeit an ihm nagt. Laufen, größere Höhenunterschiede überwinden - für den Gehbehinderten sei das alles nicht mehr so einfach. Seine Badewanne kann er daher eigentlich nicht mehr benutzen. Eine bodentiefe Dusche würde ihm den Alltag deutlich erleichtern, so sein Fürsprecher Marco Krieg vom von Mieter Netzwerk Dortmund e.V.

Dortmund: Pflegeversicherung zahlt Umbau zu barrierefreiem Bad

Und weil der 74-Jährige längst eine Pflegestufe hat, willigte sogar seine Pflegeversicherung ein, den Ausbau der Badewanne und den Einbau einer bodengleichen Dusche zu bezahlen. Rund 4000 Euro dürfte der Umbau kosten. Selbst die Fliesen, die nach dem Umbau im Bereich der ehemaligen Badewanne fehlen würden, darf der Fliesenleger legen - alles bezahlt von der Versicherung. 

Doch bisher hat kein Umbau stattgefunden. Denn: Der Eigentümer, die faktum-b Real estate GmbH & Co. KG mit Sitz in Frankfurt, wünschte im Zuge des Umbaus eine sogenannte Neuverfliesung des gesamten Badezimmers - und nicht nur eine nachträgliche Verfliesung im Bereich der Badewanne. Drei Wochen soll dieser Umbau dauern. Eine Hürde für den gehbehinderten Mieter: Wo soll er in der Zeit auf die Toilette? Wo duschen und seine Zähne putzen? Der bloße Einbau einer Badewanne würde gerade einmal zwei Tage in Anspruch nehmen. 

Dafür, dass alles so läuft, wie es sich der Eigentümer der Wohnung wünscht, ist die Verwaltung der Häuser, die Mon-Real GmbH, zuständig. Die Verwaltung ließ deshalb eigene Kostenvoranschläge erstellen, die sich auf mehr als die von der Pflegeversicherung freigegebenen 4000 Euro belaufen. Rund 7100 Euro soll ein komplett neues Bad kosten. Die Mehrkosten, so die Verwaltung in einem Statement gegenüber RUHR24, trage der Eigentümer.

Dortmund: Von Mon-Real angebotener Deal bisher nicht schriftlich 

"Perfekt!" - Könnte man jetzt denken. Doch genau hier fängt es für die Mitstreiter des betagten Mieters an, kritisch zu werden. "Auf unserer Seite glaubt keiner daran, dass Mon-Real einfach knapp 4000 Euro verschenkt", so Marco Krieg.  Er vermutet, dass die Kosten im Nachhinei n auf den Mieter umgelegt würden, in Form einer Mieterhöhung beispielsweise.

Doch auch dem stellt sich Mon-Real entgegen. So heißt es in einem Statement: "Die Maßnahme hat für Herrn B. selbstverständlich keine Mieterhöhung zur Folge. Die Erweiterung der Maßnahme ist der Wunsch des Eigentümers. Es handelt sich hierbei nicht um eine Modernisierung, sondern um eine Sanierung." Im persönlichen Gespräch mit RUHR24 wird eine Sprecherin des Verwalters sogar noch deutlicher: "Wir haben doch nichts davon, einem Mieter, der auf ein barrierefreies Bad angewiesen ist, Knüppel zwischen die Beine zu werfen."

Eine Familie aus Dortmund-Westerfilde hat mit einer Rattenplage in der Wohnung zu kämpfen. Der Vermieter macht derweil fassungslos und auch das Mieter Netzwerk ist schon eingeschaltet. Doch die Geschichte ist noch nicht beendet.

Sanierung ohne höhere Miete? Mon-Real vergibt keine schriftliche Zusage

Schriftlich habe der Mieter aber bisher nicht bestätigt bekommen, dass der Umbau keine Mieterhöhung zur Folge habe, erklärt Krieg gegenüber RUHR24. "Und meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass sich in der Verwaltung von Mon-Real später keiner mehr an solche Deals erinnern kann."

Dieser Eindruck sei im vergangenen Jahr oft bekräftigt worden - mal sei der Verwalter, mal der eigentliche Eigentümer der Ansprechpartner für Herrn B. gewesen. Auch die Einholung neuer Kostenvoranschläge durch die Verwaltung hätte viel Zeit in Anspruch genommen. Ganze acht Monate brauchte die Verwaltung dafür. "Hinhaltetaktik" nennt es Marco Krieg. Doch es müsse dringend eine Lösung her. "Die Familie ist mit ihren Kräften am Ende!"

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