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Dortmund: 400-Kilo-Kolosse sorgen für Erstaunen bei Archäologen

In Dortmund haben Bauarbeiter massive Funde aus dem Mittelalter freigelegt. Archäologen haben geheimnisvolle Markierungen entdeckt und schon eine Theorie.

Dortmund – Seit März 2021 laufen Bauarbeiten am Schwanenwall in Dortmund. Es geht im Detail um eine Verbesserung des Radverkehrs in der Stadt. Aus gutem Grund sind auch stets Mitarbeiter der Denkmalbehörde anwesend.

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Dortmund: Mittelalterliche Stadtmauer – Steinquader begeistern Archäologen

Jetzt sind bislang nicht dokumentierte und kartografierte Teile der mittelalterlichen Stadtmauer gefunden worden. Und die haben es in sich, wie schon am Freitag (27. August) berichtet wurde.

Es handelt sich, wie am Montag (30. August) in einer Pressekonferenz der Stadt Dortmund mitgeteilt wurde, um massive Strebepfeiler aus Ruhrsandstein. Bislang wurden an keiner anderen Stelle der Stadtmauer vergleichbare Elemente gefunden.

Der Nutzen der Strebepfeiler ist bislang nicht eindeutig geklärt. Die Vermutung liegt nahe, dass diese der Stabilisierung oder dem Abstützen der Stadtmauer in Dortmund dienten. Doch warum? Das ist unklar.

Dortmund: Archäologen rätseln über Sinn und Zweck der massiven Steinquader

Die Archäologen der Stadt Dortmund haben die Theorien, dass das Gelände womöglich nicht tragfähig gewesen sein könnte. Es sei außerdem möglich, dass es durch eine Entwässerung zu einer Aufweichung des Bodens in dem Bereich gekommen war.

Fakt ist aber, dass es sich bei den 300 bis 400 Kilogramm schweren Quadern aus Ruhrsandstein um Material handelt, das extra für die Stadtmauer angefertigt worden ist.

Dortmund: Geheimnisvolle Markierungen auf den Steinquadern könnten Aufschluss geben

Woher wissen die Experten der Stadt Dortmund das? Auf den Steinquadern sind geheimnisvolle Markierungen gefunden worden. Diese Markierungen sind für den Laien wahrscheinlich so verständlich wie Altgriechisch. Aber im Zusammenhang mit dem Steinquader der Stadtmauer ergeben sie Sinn wie ein Puzzle.

Ingmar Luther von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Dortmund.

Es handelt sich um Versatz- und Steinmetzzeichen. „Versatzmarken hatten eine rein bautechnisch orientierte Aufgabe und dienten der Kennzeichnung zusammengehöriger Steine“, heißt es von der Stadt Dortmund.

Bei Steinmetzmarken handelt es sich um Marken, die sowohl bei der Abrechnung sowie Kontrolle und Sicherung der Qualität der Ausführung dienten. Interessanter Zusatz: Steinmetze kennzeichneten die bearbeiteten Quader auch mit dem eigenen Zeichen – quasi als „Unterschrift“.

Dortmund: Wissenschaftliche Methoden sollen Zeitraum der Entstehung der Steinquader eingrenzen

Die Steinquader der mittelalterlichen Befestigung der Stadt Dortmund könnten beweisen, dass gleich mehrere Steinbrüche und Steinmetze als Lieferanten dienten.

Aus welcher Zeit genau die Quader stammen, müssen weitere Forschungen ergeben. Zum einen wollen die Experten nun die Markierungen untersuchen und vergleichen. Zum anderen sollen naturwissenschaftliche Analysen Antworten geben. Ob die Funde, wie am 27. August gemutmaßt wurde, wirklich etwas mit der baulichen Epoche der Gotik zu tun haben, ist unklar.

Steinquader der mittelalterlichen Stadtbefestigung sollen in Dortmund erhalten bleiben

Die gute Nachricht für alle Enthusiasten der Geschichte der Stadt Dortmund: Die Relikte der Befestigung können wohl erhalten bleiben. In den vergangenen Jahren sind bei Bauarbeiten im Boden immer wieder Relikte aus der Geschichte der Stadt Dortmund gefunden oder freigelegt worden.

Rubriklistenbild: © Roland Gorecki/Stadt Dortmund, RUHR24; Collage: RUHR24