Polizist schießt mit Maschinenpistole

Nach Tod eines 16-Jährigen: Staatsanwaltschaft schweigt „drei bis vier Wochen“

Bei einem Polizeieinsatz in der Nordstadt in Dortmund ist ein mit einem Messer bewaffneter 16-Jähriger erschossen worden.

Update, Mittwoch (10. August), 17.15 Uhr: Die Staatsanwaltschaft hat bekannt gegeben, dass sie vorerst keine „Zwischenergebnisse“ mehr vorlegen wolle, wie die Ruhr Nachrichten berichten. Stattdessen wolle man „drei bis vier Wochen“ aufwenden, um sich „ein Gesamtbild zu verschaffen“.

Dann könnte es auch Neuigkeiten zu Videoaufzeichnungen der Body Cams geben, die die Polizisten mit sich geführt haben sollen. „Wir müssen schauen, ob es Videoaufzeichnungen gibt, die aus diesen Kameras stammen könnten“, wird Oberstaatsanwalt Carsten Dombert zitiert.

StadtDortmund
BezirkNördliche Innenstadt
Thema16-Jähriger erschossen

Menschenmenge protestiert nach Tod des 16-Jährigen gegen Polizeigewalt in Dortmund

Update, Dienstag (9. August), 21 Uhr: Nur einen Tag nach den schrecklichen Vorfällen in der Dortmunder Nordstadt und dem Tod eines 16-Jährigen haben circa 200 Personen protestiert – gegen Polizeigewalt. Wie die Kollegen der Ruhr Nachrichten berichten, haben sich am frühen Abend um die 150 bis 200 Menschen auf dem Kurt-Piehl-Platz, der ungefähr 200 Meter vom Ort des Geschehens entfernt ist, versammelt.

Die Stimmung habe man als friedlich, aber wütend wahrgenommen. Nach Angaben der Zeitung haben mehrere Menschen in offenen Reden über ihre eigenen Erfahrungen mit der Polizei berichtet. Die Beamten der Polizei Dortmund seien ebenfalls vor Ort gewesen, hielten sich aber im Hintergrund.

Mit Messer bewaffneter 16-Jähriger stirbt nach fünf Schüssen im Kugelhagel

Update, Dienstag (9. August), 13.20 Uhr: Fast einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf einen 16-jährigen Jugendlichen in der Dortmunder Nordstadt kommen immer mehr Details ans Licht. Demnach seien die Schüsse aus einer Maschinenpistole abgefeuert worden.

Laut vorläufigen Obduktionsbericht sei der junge Mann von fünf Schüssen getroffen worden, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Carsten Dombert. Die Schüsse trafen den 16-Jährigen demnach in den Bauch, in den Kiefer, in den Unterarm und zweimal in die Schulter. 

Es seien 11 Polizisten vor Ort gewesen, heißt es weiter.

Warum die Polizei einen Messerangriff mit Schüssen aus einer Maschinenpistole erwidert hat

Frank Schniedermeier, Vorstand der Gewerkschaft der Polizei NRW, hat sich zu dem Vorfall in der Innenstadt in Dortmund gegenüber der dpa geäußert. Messerangriffe gehören zu den gefährlichsten Situationen, mit denen sich Polizisten auseinandersetzen müssen. Wenn Arterien getroffen werden, verblute man innerhalb von weniger Minuten, so Schniedermeier.

Gefahrensituationen entwickeln sich oft innerhalb von Sekunden, sodass ein Rückzug dann meist nicht mehr möglich sei. Messerangriffe müsse man auf Distanz abwehren. Wenn ein Angreifer erst neben einem stehe, habe man keine Chance mehr. Polizeibeamte haben in der Regel nur wenige Sekundenbruchteile, um zu entscheiden.

Nicht immer habe man noch Zeit für einen Warnschuss. Dann müsse man schießen, so Schniedermeier, um den Angreifer „angriffsunfähig“ zu machen. Laut LKA habe es in NRW im Jahr 2020 mehr als 50 Messerangriffe auf Polizisten gegeben.

Laut einer Statistik des auf polizeilichen Schusswaffengebrauch spezialisierten Professors an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit, Clemens Lorei, setzten Polizisten in Deutschland 2020 insgesamt 159 Mal die Waffe gegen Personen ein. 49 davon waren Warnschüsse. In dem Jahr starben demnach 15 Menschen an den Folgen von Polizeischüssen, 41 wurden verletzt. In NRW starben laut Innenministerium 2021 drei, 2020 vier und 2019 fünf Menschen.

Dortmunder Nordstadt: Reizgas und Taser vor tödlichen Schüssen auf Jugendlichen eingesetzt

Update, Dienstag (9. August), 10.30 Uhr: Die Leiche des 16-Jährigen wird seit Dienstagmorgen (9. August) obduziert. Offenbar seien mehrere Schüsse abgegeben worden, sagt der zuständige Oberstaatsanwalt Carsten Dombert.

Zuvor seien auch Reizgas und der Elektro-Taser von den Polizeibeamten eingesetzt worden. Möglicherweise scheinen die aber keine Wirkung gezeigt zu haben, so Dombert weiter.

Warum wurden die Polizeibeamten zur Holsteiner Straße gerufen? Der Jugendliche sei in einer dortigen Jugendhilfeeinrichtung betreut worden. Ein Betreuer habe das Messer bei dem Jugendlichen gesehen und die Polizei gerufen, heißt es bei der DPA.

Polizeibeamte sichern einen Einsatzort in der Holsteiner Straße. Ein 16-Jähriger ist durch einen oder mehrere Schüsse von Polizisten tödlich verletzt worden.

Ein Toter bei Schusswaffeneinsatz in der Nordstadt in Dortmund

Erstmeldung, Montag (8. August), 20.04 Uhr: Noch sind die offiziellen Berichte rar. Doch die Puzzleteile des schrecklichen Vorfalls in der Nordstadt fügen sich nach und nach zusammen. Ein 16-Jähriger ist von Beamten der Polizei Dortmund erschossen worden.

Zunächst bestätigte die Polizei Dortmund via Twitter einen Polizeieinsatz an der Holsteiner Straße in der Nordstadt. Dabei „kam es zu einem Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte“, heißt es. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit habe nicht bestanden (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Wohl aber für die Beamten der Polizei. Wie die Ruhr Nachrichten, die mit einem Reporter vor Ort waren, berichten, soll sich ein 16-Jähriger auf dem Gelände der dortigen Kirche befunden haben. Er soll mit einem Messer auf die Beamten der Polizei losgegangen sein.

16-Jähriger geht auf Beamte der Polizei Dortmund mit einem Messer los

Daraufhin seien Schüsse gefallen. Der 16-Jährige habe sich Verletzungen zugezogen und sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Dort sei er angeblich verstorben. Die Ursache des Einsatzes der Polizei Dortmund ist aktuell nicht bekannt.

Gegenüber RUHR24 hat ein Sprecher der Polizei den Schusswaffeneinsatz in der Dortmunder Nordstadt, sowie den Tod des 16-Jährigen bestätigt. Aus Neutralitätsgründen übernimmt das Polizeipräsidium Recklinghausen die Ermittlungen.

Rubriklistenbild: © Markus Wüllner/news4 Video-Line

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