Landgericht Dortmund

27 Jahre nach Mord an Nicole Schalla in Dortmund: Schlinge zieht sich um mutmaßlichen Täter zu

Im Prozess um den Mord an Nicole Schalla vor 27 Jahren zieht sich die Schlinge um den Angeklagten weiter zu.
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Im Prozess um den Mord an Nicole Schalla vor 27 Jahren zieht sich die Schlinge um den Angeklagten weiter zu.

Ralf H. soll 1993 die 16-jährige Nicole Schalla vergewaltigt und getötet haben. Er kam überraschend frei. Doch eine DNA-Analyse belastet ihn schwer.

  • Der Angeklagte im Mord-Prozess Nicole Denise Schalla ist auf freiem Fuß.
  • Er soll die Schülerin 1993 in Dortmund vergewaltigt und getötet haben.
  • Der Prozess am Landgericht wurde wieder aufgenommen.

Update, Dienstag (15. September), 9.30 Uhr: Noch immer gibt es zu dem 27 Jahre zurückliegenden Mordfall Schalla kein Urteil. Inzwischen wurden die Verhandlungen gegen den mutmaßlichen Mörder der Schülerin Nicole - Denise Schalla aber wieder aufgenommen.  

Der Angeklagte ist dringend verdächtig, die Schülerin 1993 getötet zu haben. Seit 2018 saß er in Untersuchungshaft. Im Juli dieses Jahres war er jedoch überraschend freigelassen worden, nachdem sich der Prozess wegen einer langen Krankheit der Richterin zu lang hingezogen hatte.

Dortmund: DNA-Analyse weist auf den Angeklagten im Mordfall Schalla hin

Am Montag (14. September) wurde am Landgericht Dortmund erneut ein DNA-Sachverständiger des Landeskriminalamts Düsseldorf vernommen. Wie die Ruhr Nachrichten berichten, war der Experte damit beauftragt worden, eine Speichelprobe des Angeklagten zu analysieren und die Ergebnisse mit der DNA zu vergleichen, die aus einer Hautschuppe gewonnen werden konnten, die man 1993 auf der Leiche fand.

Der Experte ordnete die Hautschuppe eindeutig dem Beschuldigten Ralf H. zu. Eine Verunreinigung, wie es sie im Mordfall Schalla zuvor gegeben hatte - damals wurde Genmaterial sichergestellt, welches später einem LKA-Mitarbeiter zugeordnet wurde - schloss er aus: Das DNA eines fremden Straftäters übertragen worden sei, könne er sich nicht vorstellen.

Update, Dienstag (4. August), 9.18 Uhr: Dortmund – Der Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole Denise Schalla vor 27 Jahren hat heute neu begonnen. Vor dem Landgericht in Dortmund ist weiterhin Ralf H. angeklagt. Der erste Prozess musste Anfang des Jahres wegen einer langen Krankheit der Richterin abgebrochen werden. Inzwischen wurde der Angeklagte freigelassen.

Dortmund: Angeklagter im Mordfall Denise Schalla aus Haft entlassen - Prozess erneut gestartet

Ursprungsmeldung, Montag (27. Juli), 16 Uhr: Der Angeklagte im Mord-Prozess Nicole-Denise Schalla ist Ende vergangener Woche aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Eltern des Opfers sind schockiert. Doch bald beginnt der Prozess in Dortmund von Neuem.

Nach rund zwei Jahren in Untersuchungshaft kam Ralf H. am Donnerstag (23. Juli) frei. Ohne Auflagen konnte er das Gefängnis verlassen. Er soll 1993 die damals 16-jährige Denise Schalla in Dortmund verfolgt, vergewaltigt und getötet haben.

Der angeklagte Ralf H. verbirgt sein Gesicht im Landgericht Dortmund hinter einer Pappe.

Grund für seine Freilassung waren etliche Verzögerungen in Mord-Prozess vor dem Landgericht Dortmund. Zuletzt war die Richterin so lange erkrankt, dass der Prozess nun sogar komplett neu aufgerollt werden muss.

Das Oberlandesgericht Hamm entschied deshalb, dass man den Angeklagten Ralf H. nicht länger festhalten dürfe. Er saß bereits seit Ende Juni 2018 in U-Haft. Deshalb hätte das Verfahren besonders zügig weitergeführt werden müssen. Sprich: Bereits am 20. April hätte die Hauptverhandlung weitergehen müssen. Doch auch diese Frist war bereits verstrichen.

Fall Nicole Denise Schalla: Eltern sind über Freilassung "schockiert"

Dass der mutmaßliche Mörder von Denise nun wieder frei herumläuft, ist für die Eltern des Opfers ein schwerer Schock. Sie seien "vollkommen fertig mit den Nerven", zitiert der WDR die Anwältin der Eltern.

Die Eltern von Denise Schalla sind fassungslos.

Sie hatten nach der brutalen Tat am 14. Oktober 1993 in Dortmund-Huckarde jahrelang darauf gewartet, dass die Polizei einen Verdächtigen fasst. Erst 25 Jahre später nahm die Polizei Dortmund Ralf H. fest. Er beteuert seither jedoch seine Unschuld.

Dortmund: Prozess am Landgericht beginnt erneut - und soll besser laufen

Doch wie geht es nun weiter? "Das gesamte Verfahren beginnt von Neuem", sagt Nasrin Öcal, Pressesprecherin am Landgericht Dortmund. Überführen wollen die Ermittler den Angeklagten weiterhin mit einer Hautschuppe, die sie bei einer späteren Untersuchung an der Kleidung des Opfers fanden. Die DNA darin stimmte mit der des Angeklagten überein.

Auch dieses Hauptbeweismittel wird in dem neuen Prozess bewertet werden und eine wichtige Rolle spielen. Dieser soll am 4. August (Dienstag) neu beginnen. Auch dann ist Ralf H. vorerst ein freier Mann. Er muss jedoch zum Prozess erscheinen.

Landgericht Dortmund: Prozess im Fall Nicole Denise Schalla soll zügiger werden

Erneut in Haft kommen könnte er laut Strafprozessordnung nur dann, wenn er etwa versuchen würde, zu flüchten. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Ralf H. verbringt seine freie Zeit offenbar in seinem Schrebergarten, berichtet die Bild.

Auch am Landgericht Dortmund soll es im neuen Prozess zügiger gehen, als bisher: "Wir sind bestrebt, so ein Verfahren effizient durchzuführen", sagt Öcan. Dazu seien mittlerweile auch die Prozessakten, von denen einige vorübergehend als vermisst galten, digitalisiert worden.

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