Streit entfacht

Dortmund: Horror-Plakat Fall für Jugendschutz – Vater: „Tochter in Panik“

Ein Plakat der Stadt Dortmund sorgt derzeit für Aufregung. Der Vater eines Mädchens (7) attackiert die Stadt. Der Hintergrund ist ernst.

Dortmund – Das Plakat für eine Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte ist derzeit ein Fall für den Jugendschutz. Konkret geht es um den „Rosaroten Panther“, einen abgeschlagenen Kopf und reichlich Blut.

MuseumMuseum für Kunst- und Kulturgeschichte
AdresseHansastraße 3, 44137 Dortmund
Name der betroffenen AusstellungWeltgeist

Dortmund: Plakat für Ausstellung zeigt abgeschlagenen Kopf – Vater entsetzt

Marco Schmitz, Vater eines behinderten, siebenjährigen Mädchens, wohnt im Dortmunder Kreuzviertel und brodelt wegen des Plakats. Es zeigt einen Mann mit einem abgeschlagenen „Paulchen Panther“-Kopf in der Hand. Der Mann blutet zudem aus dem Hals.

„Meine Tochter kriegt regelrecht Panik, wenn sie an der Litfaßsäule vorbeimuss“, ärgert sich der Dortmunder. Hinter dem Plakat steckt das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte. Es wirbt derzeit damit an vielen Litfasssäulen in der Stadt für die Ausstellung „Weltgeist“, die noch bis zum 9. Januar 2022 in Dortmund zu sehen ist.

Das Plakat zur Ausstellung „Weltgeist“ hängt in Dortmund an vielen Litfasssäulen – wie hier am Westentor.

Blut, abgeschlagene Köpfe, ein blutiges Schwert: Ist das zu viel des Guten? Müssten unsere Kinder nicht vor solchen Bildern in der Öffentlichkeit geschützt werden? Marco Schmitz findet: Ja. Der Vater wandte sich deshalb an das Museum und an das Dortmunder Jugendamt. Indes ging er mit seiner Tochter Umwege, um zur Schule und zu den Therapien zu kommen – bloß nicht mehr an den Plakaten vorbei.

Dortmund: NSU Morde sind Thema in Ausstellung – Plakat provoziert

Das Museum bot Schmitz in der Folge ein Gespräch mit dem Kurator der Ausstellung an, Kunsthistoriker Christian Walda. Doch das sagte Schmitz ab. Darin sollte er die Zusammenhänge für das Paulchen-Panther-Motiv des Künstlers René Schoemakers erfahren. Den die haben tatsächlich einen ernsten Hintergrund.

So liegt der Schwerpunkt der Ausstellung „Weltgeist“ auf der Beschäftigung mit der rechten Szene. In Dortmund sind Neonazis seit Jahren ein leidiges Thema. Zentrales Motiv der Ausstellung: Der rosarote Panther. Die Comicfigur tauchte in den Bekennervideos des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) an allen dort gezeigten Tatorten auf, ist also nicht zufällig gewählt. Der NSU war es, der in Dortmund 2006 für den Mord an Mehmet Kubasik verantwortlich war.

NSU-Morde sind Thema auf Plakat-Motiv für Ausstellung in Dortmund

In der Ankündigung zur Ausstellung heißt es zu dem Motiv, das Schoemakers „Der böhse Paul“ nennt: „Schoemakers schlägt Paulchen Panther den Kopf ab und sitzt mit Trophäe samt bluttriefendem Schwert auf dem Thron der Selbstermächtigung.“ Alles Kunst, alles gut also?

Der Dortmunder Jugendschutz, der dem Jugendamt untergeordnet ist, nahm inzwischen, nachdem sich RUHR24 eingeschaltet hat, Stellung zu der Angelegenheit. Anhaltspunkte dafür, dass das Plakat gesetzliche Grenze überschreite, seien in diesem Fall nicht ersichtlich, so Fachreferentin für den erzieherischen Jugendschutz.

„Das Plakat richtet sich zudem auch nicht vorrangig an Kinder und Jugendliche“, heißt es weiter. Marco Schmitz nennt diese Begründung eine „Frechheit“ und meint: „Die Nicht-Zielgruppe wird aber auf dem Schulweg genötigt, diese verstörende ‚Kunst‘ visuell konsumieren zu müssen.“

Stadt Dortmund stellt Kunstfreiheit vor Wohl von Kindern

Die Stadt führt zudem an, dass das Wohl von Kindern und Jugendlichen mit anderen Interessen in Einklang gebracht werden müsse. Dazu gehöre auch die Freiheit der Kunst, die Förderung der Kultur und ein offener künstlerischer Austausch in einer freiheitsorientierten Gesellschaft zählt. 

Und was sagt Marco Schmitz dazu? „Mir ist die Kunst an dieser Stelle egal, ich wollte einfach nur meine Tochter beschützen.“ Dafür muss der Dortmunder nun wohl weiterhin Umwege gehen.

Rubriklistenbild: © Victoria Maiwald/RUHR24

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