Angebot im ÖPNV

Dortmund: 9-Euro-Ticket für immer – DSW21 hält Dauer-Rabatt für möglich

Das 9-Euro-Ticket ist nur für drei Monate geplant. Und danach? Kann es ein „ewig“ günstiges Ticket geben? Die DSW21 in Dortmund ist nicht abgeneigt.

Dortmund – Von Juni bis August kann man pro Monat für 9 Euro alle Busse und Bahnen im Nahverkehr nutzen. 120.000 dieser Monatstickets haben die DSW21 in Dortmund davon bereits verkauft. Müsste man angesichts dieses Erfolgs nicht dauerhaft solche günstigen Preise anbieten?

Name des Tickets9-Euro-Ticket
Gültigkeit der AktionJuni bis August 2022
Kosten pro Monat 9 Euro

Dortmund: 9-Euro-Ticket für immer – DSW21 hält es für „organisatorisch möglich“

Die Dortmunder Verkehrsbetriebe zeigen sich gar nicht so abgeneigt, wie man denken könnte. „Organisatorisch wäre das sicherlich möglich“, heißt es von DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung gegenüber RUHR24. Das Problem sei das Geld, denn finanzieren ließe sich der Nahverkehr in Dortmund mit diesem Preis nicht.

Die Frage nach der Finanzierung, so Jung weiter, könne „einzig und allein die Politik beantworten.“ Für die drei Monate der laut Jung „absolut außergewöhnliche Rabatt-Aktion“ übernimmt die Bundesregierung die Rechnung – und damit der Steuerzahler.

9-Euro-Ticket in Dortmund: DSW21 verliert im Monat mittleren Millionen-Euro-Betrag

In Dortmund müsse aufgrund der Einführung des 9-Euro-Tickets ein mittlerer, einstelliger Millionen-Beitrag durch Steuergelder ausgeglichen werden – pro Monat, heißt es von der DSW21. So viel weniger verdiene die DSW21 durch das Billig-Ticket.

Klar scheint also: Soll es in Dortmund ein ewiges 9-Euro-Ticket geben, müsste es aus Steuergeldern dauerhaft subventioniert werden. „Gleichzeitig müsste massiv in die Infrastruktur investiert werden – und zwar über viele Jahre“, so Hubert Jung.

Wien als Vorbild für ewiges 9-Euro-Ticket in Dortmund

In Wien, wo es seit 2012 ein Ticket für 365-Euro pro Jahr gibt, mit dem man in der Stadt unbegrenzt den Nahverkehr nutzen kann, habe man 15 Jahre lang den Nahverkehr ausgebaut, bis der Ticketpreis so gesenkt werden konnte. Dort werde der Nahverkehr zudem anders finanziert als in Dortmund. Es fließe unter anderem eine Bürgerabgabe sowie die Parkgebühren in den ÖPNV.

DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung hält ein „ewiges“ 9-Euro-Ticket für „organisatorisch sicherlich möglich“.

Auch die DSW21 finanziert den ÖPNV in Dortmund nicht nur durch Fahrkarteneinnahmen, sondern erhält Gelder von Stadt und Land. Außerdem fließen Gewinne aus anderen Geschäftsfeldern in den Nahverkehr. Doch um ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket zu finanzieren, bedarf es weiterer Gelder aus öffentlicher Hand.

DSW21: Dortmund bräuchte für ewiges 9-Euro-Ticket mehr Busse und Bahnen sowie mehr Personal

Mit günstigen Tickets ist es allerdings nicht getan, denn mehr Fahrgäste brauchen mehr Platz in Bussen und Bahnen – und die müssen wiederum gefahren werden.

Hubert Jung befürchtet ungeahnte Konsequenzen, sollte ein „ewiges“ 9-Euro-Ticket kommen: „Bei den Fahrzeugen gibt es einen erheblichen Vorlauf in den Bestellungen, beim Personal müssen Nahverkehrsunternehmen wie wir immer größere Anstrengungen unternehmen, um qualifizierte Mitarbeitende zu finden.“ Kurzum: Die Sache ist nicht so einfach, wie sie klingt.

Dortmunder Verkehrsexperte Hubert Jung über 9-Euro-Ticket: „Wer die Musik bestellt, muss sie bezahlen“„

Hubert Jung spielt den Ball also zurück an die Bundespolitik, wo die Entscheidung für dauerhaftes 9-Euro-Ticket getroffen werden müsste „Wer die Musik bestellt, muss sie bezahlen“, fordert der Verkehrsvorstand.

Volker Wissing (FDP), Bundesminister für Verkehr und digitale Angelegenheiten, muss entscheiden, wie es mit dem 9-Euro-Ticket in Deutschland weitergeht.

Dass ein niedriger Ticketpreis der alleinige Grund dafür ist, dass mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen, glaubt Jung allerdings nicht. Entscheidend für den Umstieg seien schnelle Verbindungen, attraktive Takte, moderne Fahrzeuge, gute Fahrgastinformationen und insgesamt ein gutes Gefühl, etwa bei Sicherheit und Sauberkeit.

Dortmund: Im ersten Monat bereits 120.000 9-Euro-Tickets verkauft

Doch in Dortmund kommt das 9-Euro-Ticket schon jetzt an, ohne dass die DSW21 auch nur einen Finger rühren musste. 120.000 verkaufte Tickets bereits im ersten Monat der Aktion, plus die bereits 82.000 Abonnenten, die ihre Monatsabos aktuell als 9-Euro-Ticket nutzen – über 200.000 DSW21-Kunden fahren aktuell also mit dem Billig-Ticket.

In einer Umfrage des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gaben über 70 Prozent der Befragten an, der niedrige Preis hätte sie zum Kauf des Tickets bewogen. 50 Prozent kauften das 9-Euro-Ticket auch, um auf das Auto zu verzichten.

9-Euro-Ticket: Kein Chaos in Dortmund

Von Chaos in Bussen und Bahnen, das gibt selbst die DSW21 zu, war bisher nicht viel zu sehen: „Die Resonanz ist bisher überwiegend positiv, die Fahrgäste verteilen sich gut im Netz“, so DSW21-Sprecherin Britta Heydenbluth gegenüber RUHR24.

Aktuell allerdings nutzten die meisten neuen Fahrgäste das 9-Euro-Ticket für Freizeitfahrten, nicht aber für die täglichen Wege zur Arbeit oder zum Einkauf. Sollte das der Fall sein, könnte der Dortmunder Nahverkehr an seine Grenzen kommen – und ein Großteil der Neukunden würde sich wieder verabschieden. (Lest hier unseren Kommentar: Das 9-Euro-Ticket-Chaos in NRW ist das Beste, was uns passieren konnte)

Rubriklistenbild: © Sabrina Wagner/RUHR24; Sven Simon/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24

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