Rechtsextremist verlässt das Ruhrgebiet

Michael Brück: Neonazi-Kopf aus Dortmund wird Azubi in Chemnitz

Einer der bekanntesten Neonazis von Dortmund verlässt die Stadt: Michael Brück.
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Einer der bekanntesten Neonazis von Dortmund verlässt die Stadt: Michael Brück.

Dortmund ist um eine Neonazi-Figur „ärmer“ – was viele freuen wird. Die Szene ist mit dem Umzug von Michael Brück aber lange nicht tot.

Dortmund – Die Dortmunder Neonazi-Szene verliert einen ihrer Rädelsführer: Michael Brück (30), der stellvertretende NRW-Landesvorsitzender der Kleinpartei „Die Rechte“, verlässt sogar das Bundesland. Das dürfte viele in der Stadt freuen. Die Szene ist damit aber lange nicht tot.

NameMichael Brück
Alter30 (Jahrgang 1990)
ParteiDie Rechte

Dortmund: Neonazi Michael Brück verlässt die Stadt

Bei der Dortmunder Antifa etwa zeigt man sich wenig beeindruckt. Der Abgang Brücks sei nicht überraschend. Längst hätten sich andere Personen in den Vordergrund gespielt. Etwa Mathias Deyda (28), der jüngst das Ratsmandat von Brück übernahm.

Neben Deyda soll laut Insider-Kreisen auch Alexander Deptolla zunehmend eine führende Rolle in Dortmunds Neonazi-Szene einnehmen. Letzterer fand zuletzt immer wieder Erwähnung im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW, trat zudem als Organisator vom „Kampf der Nibelungen“ in Erscheinung, der größten Kampfsport-Veranstaltung der rechtsextremen Szene in Deutschland.

Michael Brück: Neonazi aus Dortmund arbeitet für Rechtsanwalt in Chemnitz

Dass der Wegzug Brücks nach Chemnitz - er wird laut Tag24.de Azubi in einer Rechtsanwaltskanzlei des Chefs der rechtsextremistischen Gruppierung Pro Chemnitz - nun also für Ruhe in Dortmund sorgt, damit rechnet derzeit niemand. Zumal die Neonazi-Szene seit den 80er Jahren gefestigte Strukturen in der Stadt hat.

Zuletzt jedoch hatten es die Neonazis mit einer Reihe scharfer Repressionen seitens der Polizei zu tun. Führende Köpfe wanderten ins Gefängnis - etwa Sascha Krolzig, Bundesvorsitzender der Partei „Die Rechte“, oder Christoph D. Krolzig hatte unter anderem gegen den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Detmold gehetzt. D. hatte im Juli 2015 bei einer Versammlung in der Kampstraße volksverhetzende Aussagen getätigt.

Sascha Krolzig, ein führender Rechtsextremist aus Dortmund, musste nach zahlreichen Verurteilungen in Haft.

Seit 2015 ermittelt in Dortmund die Sonderkommission (Soko) „Rechts“ und versucht der Neonazi-Szene das Leben möglichst schwer zu machen. Die Bilanz seitdem: 105 Verurteilungen von 46 rechtsextremistischen Straftätern. Unter den Verurteilten befinden sich mehrere führende Köpfe der rechtsextremistischen Szene um die Partei „Die Rechte“ in Dortmund.

Polizei Dortmund sieht Strategie gegen Neonazis als Erfolg

„Wenn immer wieder Intensivtäter und Bewährungsversager aus dem Verkehr gezogen werden, schwächt das auf Dauer die rechte Szene. Und Anführer, die hinter Gittern sind, haben auch nur eine begrenzte Sogwirkung“, ließ sich Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange im Sommer 2020 in einer Mitteilung zitieren.

Nach den Attentaten von Hanau und Halle weiß man aber auch bei der Polizei in Dortmund, dass die Gefahr durch den Rechtsextremismus längst nicht gebannt ist.

Neonazis in Dortmund durch starke Zivilgesellschaft in Schach gehalten

Dennoch sieht die Polizei in Dortmund Erfolge und positive Tendenzen. Es gäbe eine starke Zivilgesellschaft in der Stadt, die es der Szene in Dorstfeld und Marten schwer mache.

Das Ergebnis scheinen resignierte Ausstiege wie jene von Michael Brück und weiterer führender Köpfe in den vergangenen Jahren zu sein. Repressions- und Kontrolldruck auf Rechtsextremisten scheinen in Teilen ihre Wirkung zu zeigen.

Neonazi Michael Brück war in Dortmund unzufrieden

Jetzt versucht es Michael Brück also in Chemnitz, wohin die Dortmunder Neonazi-Szene seit Jahren enge Kontakte pflegt. Dortmund, das sagt er in seinem eigenen Telegram-Kanal, habe ihm schon länger nicht zugesagt. Die Stadt habe sich „sehr, sehr negativ verändert.“

Video: Rechtsextreme „Revolution Chemnitz“ in Dresden vor Gericht

In Dortmund mache es der „hohe Überfremdungsanteil“ laut Brück „biologisch unmöglich, dass man breite Bevölkerungsteile erreicht“. Die junge Bevölkerung sei zudem durch die Erfolge der Grünen „völlig verzogen“. In Sachsen sei das laut dem Neonazi noch anders.

In einem Interview auf seinem Telegram-Kanal äußert sich Brück zudem dazu, ob das „Dortmunder Model“ - also das Zusammenrotten vieler Neonazis in einem Stadtteil - auch in Chemnitz funktionieren könnte. Nein, sagt Brück, in Sachsen, da seien die Menschen empfänglicher für rechte Positionen. Es würde sich daher viel mehr anbieten, „in der Fläche anzugreifen.“

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