Mord in Dortmund

Adressen-Chaos um „verschwundenen“ Schalla-Mörder – jetzt spricht die Polizei Münster

Im Prozess um den Mord an Nicole Schalla vor 27 Jahren zieht sich die Schlinge um den Angeklagten weiter zu.
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Im Prozess um den Mord an Nicole Schalla vor 27 Jahren zieht sich die Schlinge um den Angeklagten weiter zu.

Ärger um den mutmaßlichen Mörder der Schülerin Denise Schalla aus Dortmund – es geht um Adressen-Chaos und gegenseitige Vorwürfe. Jetzt spricht die Polizei Münster.

Update, Dienstag (30. März), 15.47 Uhr: Dortmund/Münster – Im Fall des angeblich verschwundenen mutmaßlichen Mörders (55) der Dortmunder Schülerin Denise Schalla meldet sich jetzt die Polizei Münster zu Wort. Der Anwalt des Verklagten hatte der Behörde vorgeworfen, dem Amtsgericht eine falsche Adresse für die Vorladung vor Gericht genannt zu haben. So sei es zu dem Missverständnis gekommen, dass der angeklagte Mörder verschwunden sei. Die Polizei Münster hatte die Anlegung einer Fußfessel beantragt.

Jetzt widerspricht die Behörde der Darstellung des Anwalts. Sie haben dem Gericht zwei Adressen für den Versand der Vorladung genannt: die offizielle Adresse und jene der Lebensgefährtin. Sogar den Hinweis, der Verklagte könne sich in einer Kleingartenanlage in Münster aufhalten, habe die Polizei dem Gericht mitgeteilt.

Nachdem eine erste Vorladung zur offiziellen Wohnadresse ohne Antwort blieb, habe die Polizei die zwei weiteren Adressen aufgesucht, ohne den 55-Jährigen dort zu finden. „Auf den polizeilichen Hinweis, dass jedenfalls der Name des Betroffenen an der Anschrift seiner Lebensgefährtin angebracht sei, hat das Amtsgericht den Betroffenen schließlich unter dieser Anschrift geladen“, heißt es jetzt in einer Stellungnahme der Polizei Münster.

Dortmund/Münster: Anwalt von Schalla-Mörder – Ralf H. ist gar nicht verschwunden

Update, Montag (29. März), 20.30 Uhr: Dortmund/Münster – Offenbar ist der mutmaßliche Mörder der Dortmunder Schülerin Nicole Schalla doch nicht spurlos verschwunden. Wie der WDR berichtet, erklärte der Verteidiger von Ralf H., dass das Gericht den Brief mit der Vorladung zu einem Gerichtstermin an eine alte Adresse schickte. Die Vorladung habe Ralf H. nie erreicht, daher erschien der Angeklagte nicht zu dem Prozesstag in Münster. Das Amtsgericht habe demnach den Fehler eingeräumt. Am kommenden Mittwoch wird H. zum nächsten Prozesstermin erscheinen.

Erstmeldung, Montag (29. März), 12.24 Uhr: Der mutmaßliche Mörder der Dortmunder Schülerin Nicole Schalla ist plötzlich verschwunden. Der Mann war im Januar 2021 vom Landgericht Dortmund des Mordes schuldig gesprochen worden.

OpferNicole Denise Schalla
TatortDortmund
Tag der Tat14. Oktober 1993

Dortmund/Münster: Mutmaßlicher Schalla-Mörder untergetaucht – Polizei schlägt Alarm

Weil die Justiz keine Fluchtgefahr sah und das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, blieb der Mann nach dem Schuldspruch frei. Dennoch wollte die Polizei Münster ihm nach dem Prozess eine Fußfessel umlegen lassen.

Doch jetzt ist der Verurteilte der Tat von Dortmund nicht mehr auffindbar. Gesucht werden könne nach ihm aber erst, sollte das Gericht dem Antrag auf polizeiliche Beobachtung mittels Fußfessel stattgeben. Das sagte ein Sprecher der Polizeibehörde in Nordrhein-Westfalen am Sonntag (28. März) der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Mutmaßlicher Mörder von Nicole Schalla: Lebenslange Haft 27 Jahre nach gewaltsamem Tod in Dortmund

Der mutmaßliche Mörder der Dortmunder Schülerin Nicole Schalla war am 25. Januar 27 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der damals 16-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 2018 hatten nachträgliche DNA-Analysen von Tatortspuren zu dem Urteil geführt.

Die Polizei in Münster, wo der Verurteilte wohnt, schlägt längst Alarm. Sie könne nicht ausschließen, dass von dem Mann eine Gefahr für andere ausgehe. Daher habe sie bereits vor dem Untertauchen des Mannes einen Antrag auf Umlegung der Fußfessel gestellt. Damit hätte der Standort des mutmaßlichen Mörders nachverfolgt werden können.

Polizei Münster sucht nach mutmaßlichem Schalla-Mörder von Dortmund – „Nach wie vor freier Mann“

Die Polizei in Münster betont trotz des unbekannten Aufenthaltsorts des verurteilten Schalla-Mörders: „Er ist nach wie vor ein freier Mann“ (hier mehr Blaulicht-News aus Dortmund auf RUHR24.de lesen).

Der mutmaßliche Gewalttäter war 2020 nach einem wegen der Erkrankung einer Richterin geplatzten ersten Prozess aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Aus Sicht des Oberlandesgerichts Hamm hatten sich die Dortmunder Richter zu viel Zeit gelassen hatten, um den Prozess wieder neu zu beginnen. Ein Verstoß gegen das Beschleunigungsgebot in Haftsachen, hieß es damals. Seitdem ist der 56-Jährige auf freiem Fuß. Zuletzt hatte das Oberlandesgericht seine Auffassung Ende Februar erneut bestätigt. mit dpa-Material

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