Tier- und Artenschutz

„Jagd und Hund“ in Dortmund: Partei will Trophäenjagd verbieten lassen

Die Messe Dortmund muss wegen der Corona-Pandemie weitere Veranstaltungen absagen.
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Die Messe „Jagd und Hund“ in Dortmund steht seit Jahren in der Kritik.

„Die Grünen fordern ein Verbot von Jagdreise-Angeboten auf der Dortmunder Messe „Jagd & Hund“.

Dortmund – Der Dortmunder Stadtrat hat am Donnerstag (17. Februar) über einen Antrag der Grünen Fraktion abgestimmt. Diese forderte ein vorübergehendes Verbot für das Anbieten von Trophäenjagdreisen auf der alljährlichen Messe „Jagd & Hund‘“ in den Westfalenhallen Dortmund. Auch die UN-Friedensbotschafterin Dr. Jane Goodall wandte sich wie etliche Tierschutzorganisationen erneut an den Dortmunder Stadtrat, das Verbot umzusetzen.

Dortmund: „Jagd & Hund“ in den Westfalenhallen – über 100 Jagdreise-Anbieter

Allein in Afrika würden jedes Jahr mehr als 120.000 Tiere von Großwildjägern getötet, wie aus einer Pressemitteilung von Pro Wildlife e.V und dem Jane Goodall Institut Deutschland e.V hervorgeht. Neben den USA gehöre vor allem Deutschland zu den Spitzenreitern: Deutsche Trophäenjäger tragen somit besonders zur Tötung seltener und streng geschützter Tierarten bei.

Die Grünen fordern ein Verbot von Jagdreise-Angeboten auf der Dortmunder Messe ,,Jagd & Hund‘‘.

Allein zwischen 2017 und 2020 seien Trophäen von 2.674 international geschützten Tieren nach Deutschland eingeführt worden. Darunter 93 Leoparden, 77 Flusspferde, 102 Braunbären, 71 Elefanten, 71 Löwen, sechs Eisbären und zehn Nashörner. Solche Jagdreisen werden durch 150 Anbieter auf der Dortmunder Messe „Jagd & Hund‘‘ jährlich angeboten – einem der wichtigsten Umschlagplätze in ganz Europa.

Dortmund: Jagdreiseanbieter bei „Jagd & Hund“ – Appelle für ein sofortiges Verbot

Bereits in der Vergangenheit hatten sich Tierschutzorganisationen, Parteien und auch Prominente für ein klares Verbot dieser Angebote ausgesprochen. Diese unnatürliche Selektion würde die genetische Gesundheit der Populationen schwächen und zum Aussterben der Arten beitragen. „Wir bitten die Ratsmitglieder eindringlich, dem Antrag der Grünen-Fraktion zuzustimmen und ein Zeichen für den Tier- und Artenschutz zu setzten“, erklärt Mona Schweizer von Pro Wildlife.

Nun appellierte auch Jane Goodall an die Ratsmitglieder der Stadt Dortmund und fand deutliche Worte: „Bitte stimmen Sie gegen den Verkauf organisierter Trophäenjagd-Reisen im Rahmen der ‚Jagd & Hund‘-Messe in Dortmund“. Die Tatsache, dass das Jagen von Trophäen gefährdeter Tierarten immer noch legal sei, wäre absolut schockierend, so Goodall.

Dortmund: Entscheidung über ein Verbot der Jagdreisen bei „Jagd & Hund“ – OB Westphal hält an Ethikkommission fest

Bereits 2020 hatte Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal angekündigt, eine Ethikkommission einzurichten, in der derartigen Fragen entschieden würden. Dies ist bislang nicht geschehen.

Der gestellte Antrag der Grünen, für ein sofortiges Verbot, bezieht sich daher auch nur auf den Zeitraum bis die angekündigte Ethikkommission einen Beschluss fassen kann. Doch diesem wurde am Donnerstag (17. Februar) nicht stattgegeben. Die Mehrheit der Ratsmitglieder stimmte dagegen (mehr Nachrichten aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24).

Stattdessen wurde beschlossen, auf Antrag von OB Westphal (SPD) die Ethikkommission so schnell wie möglich einzurichten, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. „Diese soll künftig aus einer rund achtköpfigen Kommission bestehen, die sich mit ethischen Fragen beruflich, wissenschaftlich und konzeptionell beschäftigt“, so der Oberbürgermeister. Die Ratsmitglieder könnten ihre Anträge an die Kommission stellen, diese würden anschließend „neutral“ darüber „forschen und urteilen“, erklärte Westphal bei der Ratssitzung.

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