Konkurrenz auf dem Westenhellweg

Obdachlose in Dortmund: Immer mehr Bettler kommen aus Bochum – warum das so ist

In Dortmund betteln Obdachlose in der Innenstadt um Kleingeld - aus Bochum kommen aktuell noch mehr dazu.
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In Dortmund betteln Obdachlose in der Innenstadt um Kleingeld - aus Bochum kommen aktuell noch mehr dazu.

Immer mehr Obdachlose aus Bochum machen sich auf den Weg nach Dortmund. Doch warum betteln sie dort? Die Corona-Krise soll dabei ein Faktor sein. 

Dortmund - Obdachlose und Bettler prägen schon lange das Bild auf dem Westenhellweg in Dortmund. Vor vielen Geschäften und in der Nähe von Mülleimern sitzen Menschen auf dem Boden, einen Becher vor sich stehend, die fragen: "Hast du mal nen Euro?" Nun macht es den Anschein, als würden sich immer mehr bettelnde Personen in der Fußgängerzone aufhalten.

Stadt

Dortmund

Einwohner

588.250 (2019)

Fußgängerzone

Westenhellweg

Länge

900 Meter

Ortsteil

Innenstadt

Obdachlose in Dortmund: Es kommen mittlerweile mehr Bettler aus anderen Städten dazu

Auch der 52-jährige Michael sitzt jeden Tag in der Dortmunder Innenstadt und bettelt die vorbeigehenden Leute um ein bisschen Geld an. Doch in den vergangenen paar Wochen hat der Wohnungslose eine Veränderung festgestellt.

"Anfangs lief es besser. Mittlerweile sind hier viel mehr Leute, die betteln - auch aus anderen Städten. Und das ist für uns Dortmunder natürlich schlecht", so Michael im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten (Bezahlinhalt).

Lage für Odbachlose in Dortmund hat sich verschlechtert – Konkurrenz aus Bochum

Nach Einschätzung des 52-Jährigen kommen die anderen Bettler vor allem aus Bochum und Witten. Ihn würde es nerven, dass nun noch mehr Personen als eh schon, in seinem Gebiet nach Geld fragen würden. Er sei schon glücklich, wenn er sich an einem Tag zehn Euro und ein paar Zigaretten zusammen schnorren könnte, heißt es in dem Bericht weiter.

Generell habe sich die Lage auf der Straße verschlechtert. "Wir hatten es früher schon schwer. Aber für ein paar Euro sitze ich mittlerweile oft den ganzen Tag hier. Man kriegt ja kaum noch was", so der Obdachlose. Dass nun auch noch Konkurrenz aus Bochum hinzukommt, mache die Sacher nicht leichter.

Mehr Obdachlose aus Bochum in Dortmund: Ein Grund ist die Corona-Pandemie

Doch stimmt es wirklich, dass Menschen aus umliegenden Städten oder gar aus dem Ausland nach Dortmund kommen, um sich dort ein wenig Geld zu erbetteln? Bastian Pütter, Leiter des Straßenmagazins "Bodo" kann die Wahrnehmung des 52-jährigen Michaels nur bestätigen.

Gegenüber den Ruhr Nachrichten sagt er, dass tatsächlich vor allem aus Bochum die Wohnungslosen nach Dortmund gekommen sind. Das habe in erster Linie mit der Corona-Situatiuon zu tun. In Bochum waren zu Beginn der Pandemie fast alle Versorgungshilfen für Obdachlose eingestellt worden.

Obdachlosen (wie hier in Koblenz) macht die Corona-Krise schwer zu schaffen.

Mehr Obdachlose kommen nach Dortmund – Angebote waren aufgrund von Corona in Bochum rar

Zwar hätten auch die Einrichtungen in Dortmund ihre Angebote eingeschränkt, vielerorts habe es aber trotzdem immer warmes Essen für Bedürftige gegeben. "In Zeiten, in denen das Geld extrem knapp war, waren die Menschen wirklich froh, etwas auf die Gabel zu kriegen. Wir haben in dieser Zeit viel Dankbarkeit erlebt, so Pütter.

Ein weiterer Grund für die Abwanderung aus Bochum sei außerdem die Übernachtungssituation in Dortmund gewesen. Diese soll laut Pütter zwar nicht unbedingt besser sein, in der Nachbarstadt hätten allerdings Regeln gegolten "wie beispielsweise in einem Seniorenheim."

Quarantäne war für Obdachlose in Bochum keine Option – dann lieber nach Dortmund

In einer 24-Stunden-Herberge der Diakonie Ruhr mussten die Übernachtungsgäste während des Lockdowns in Quarantäne. Sprich: Wer dort eine Nacht verbracht hatte, durfte das Gebäude zum Schutz vor einer Corona-Infektion über mehrere Tage nicht mehr verlassen. 

Diese Zustände unter Corona-Auflagen seien für viele Obdachlose keine Alternative gewesen. "Die haben sich dann wohl gedacht: Wenn ich in Bochum eh draußen schlafen muss, dann kann ich auch nach Dortmund oder nach Essen gegen", so der Leiter des Straßenmagazins.

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