Verkehr im Ruhrgebiet

Luisa Neubauer reagiert auf Tweet der Polizei Dortmund und verteidigt Kinder

Die Dortmunder Polizei hat Eltern vor dem Verkehr zum Schulbeginn gewarnt. Luisa Neubauer sieht das Problem aber an ganz anderer Stelle.

Dortmund – Die Dortmunder und ihre Autos, keine Liebe scheint größer. Während in anderen Großstädten in Deutschland das 9-Euro-Ticket für leere Straßen sorgt, brausen die Dortmunder und Dortmunderinnen weiter munter mit ihren Schlitten durch die Innenstadt. Zum Schulbeginn hat die Polizei Dortmund deshalb Tipps an alle Schüler über den Umgang mit Autos veröffentlicht. Umwelt-Aktivistin Luisa Neubauer passt das gar nicht.

Umwelt-AktivistinLuisa Neubauer
Geboren21. April 1996 (Alter 26 Jahre), Hamburg
Bücher„Gegen die Ohnmacht: Meine Großmutter, die Politik und ich“ (2022), „Noch haben wir die Wahl - Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen“ (2021), „Vom Ende der Klimakrise: Eine Geschichte unserer Zukunft“ (2019)

Autos in Dortmund werden zum Problem: Polizei warnt Eltern auf Twitter

Dass Dortmund seit Jahren ein Auto-Problem hat, ist bekannt: Schon auf den Zubringer-Autobahnen, wie der A2 oder der A1, schiebt sich Gefährt an Gefährt. Und in der Innenstadt sieht es nicht besser aus: Staus, wohin das Auge reicht, volle Parkplätze und Raser auf dem Dortmunder Wall prägen das Stadtbild. Auch die zwei bekanntesten Tuner Deutschlands, JP Kraemer und Sidney Hoffmann, sind in der Ruhrmetropole beheimatet.

Abgesehen von der Umweltbelastung, die Autos mit sich bringen, bergen die vielen Fahrzeuge auch eine große Gefahr – vor allem für Kinder. Zum Schulbeginn in der vergangenen Woche hat die Polizei Dortmund deshalb auf Twitter Tipps an Eltern gegeben, für mehr Sicherheit im Straßenverkehr: „Wussten Sie schon, dass Kinder vor einem Unfall häufig zu spät gesehen wurden, weil sie z.B. hinter geparkten Autos nicht so gut erkennbar waren? Bitte üben Sie mit Kinder das Überqueren der Straße. Fragen Sie Ihr Kind, welcher Ort dafür am sichersten ist“, lautet der Tweet.

Zusätzlich wird eine Polizistin mit den Worten zitiert, ihre Kinder seien im „Walking-Bus“ zur Schule gegangen und mit Leuchtwesten ausgestattet gewesen. Außerdem appelliert die Polizistin: „Achten Sie auf Ihr Tempo. Achten Sie auf die Kinder. Denn ein Schulweg ist nur dann sicher, wenn alle Verantwortung übernehmen.“ Umwelt-Aktivistin Luisa Neubauer ist daraufhin der Kragen geplatzt.

Autostadt Dortmund? Luisa Neubauer reagiert auf Tweet der Polizei Dortmund

Die Aktivistin, welche auf Twitter knapp 400.000 Follower vereint, hat auf den Tweet der Polizei geantwortet – und kritisiert augenscheinlich, dass Stadt und Polizei das eigentliche Problem offenbar aus den Augen verloren haben. Luisa Neubauer schreibt: „Autos werden immer größer, viele überragen Kinder. Jetzt könnte man blind immer größere Parkflächen bauen & Kinder weiter einschränken & abschrecken. Oder fragen, warum die Kinder den Autos Platz machen müssen und nicht die Autos den Kindern?“

Die 26-Jährige setzt sogar noch eine Schippe drauf und wirft die Themen „Spielstraßen“ und „autofreie Innenstädte“ in den Raum. Zustimmung für ihre Vorschläge und ihr Statement erhält Luisa Neubauer von knapp 8000 Fans, knapp 900 Mal wurde der Tweet zudem bereits retweetet.

Während die Umwelt-Aktivistin stets auch Gelächter für ihre Statements erhält, wird sie von vielen Fans für ihren Konter an die Dortmunder Polizei gefeiert: „Wie ignorant und polemisch kann man sein? Luisa gar vollkommen Recht“, schreibt beispielsweise ein Follower.

Verkehr in Dortmund: Stadt kämpft mit RS1 und 30er-Zonen gegen Auto-Problem

„Autofreie Innenstädte“ – davon ist das Ruhrgebiet derzeit noch weit entfernt. Erst vor wenigen Wochen wurde in Dortmund beispielsweise ein Test-Projekt für einen Lastenradverleih im Kreuz- und Unionsviertel wieder beendet – Zukunft ungewiss.

Umwelt-Aktivistin Luisa Neubauer hat auf einen Tweet der Polizei Dortmund reagiert.

Immerhin: Im September soll die Entscheidung über 30er-Zonen in weiten Teilen der Dortmunder Innenstadt fallen und vor kurzem wurde im Kreuzviertel der erste Abschnitt der Fahrradautobahn „RS1“ eröffnet. Doch um es mit den Worten Luisa Neubauers zu sagen: „In der Klimakrise trifft Ferrari auf Bobbycar. Das Tempo der Zerstörung ist so dermaßen viel höher als das Tempo des Schutzes, dass man sich so niemals annähern kann, versteht ein Kind.“

Rubriklistenbild: © Rüdiger Wölk/Imago, Future Image/Imago, Collage: RUHR24

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