Steigende Fallzahlen

Kriminalität in Dortmund sinkt – mit einer furchtbaren Ausnahme

Dortmund ist so sicher wie nie. Allein: Kinder werden immer häufiger Opfer schlimmster Verbrechen.

Dortmund – Es klingt nicht nur wie eine, es ist eine Warnung an alle, die sich den schlimmsten denkbaren Verbrechen schuldig machen: Die Aufklärungsquote im Bereich der sexualisierter Gewalt gegen Kinder stieg 2021 in Dortmund auf deutlich über 90 Prozent. Doch auch die Fallzahlen in diesem Bereich steigen. Und so sind bei der Polizei immer mehr Ermittler im Einsatz.

StadtDortmund
Einwohner602.713
Straftaten gesamt 202155.206 (Entwicklung zum Vorjahr: minus 10,63 Prozent)

Kriminalität in Dortmund sinkt – doch sexualisierte Straftaten gegen Kinder werden häufiger registriert

Während die Kriminalität in allen anderen Bereichen in Dortmund im vergangenen Jahr gesunken ist, gab es deutlich mehr Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und auch mehr registrierte Fälle, bei denen es um die Herstellung oder Verbreitung von Kinderpornografie ging.

Laut Statistik der Polizei stiegen die Fallzahlen im Deliktsfeld „Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften“ jedoch nicht erst im Jahr 2021. Schon von 2019 bis 2020 stieg die Zahl der von der Polizei registrierten Fälle von 53 (2019) auf 226 (2020). Im vergangenen Jahr (2021) kletterte die Zahl schließlich auf 280 registrierte Fälle.

Wie aus einem Bericht der Polizei Dortmund zur Kriminalitätsentwicklung 2021 hervorgeht, hat sich die Fallzahl seit 2019 damit mehr als vervierfacht.

Die Dortmunder Polizei setzt nach eigenen Angaben aufgrund der steigenden Fallzahlen so auch einen Schwerpunkt bei der Bekämpfung der sexualisierten Gewalt gegen Kinder. So wurden Täter in den vergangenen Jahren durch Razzien der Polizei gegen Kinderpornografie in NRW massiv unter Druck gesetzt. Viele Terabyte an Daten wurden beschlagnahmt und anschließend von den Ermittlern zu Aufklärungszwecken gesichtet.

Dortmund: Polizei setzt Schwerpunkt in der Bekämpfung der sexualisierten Gewalt gegen Kinder

Der leitende Kriminaldirektor Jörg Ziegler unterstreicht: Das sei eine zum Teil psychisch hoch belastende Tätigkeit, die die Polizei mit besonders geschulten Expertinnen und Experten vorantreibe. Die Arbeit trage „wesentlich dazu bei, Kinder aus einem teils lang anhaltenden Martyrium zu befreien“, ist sich der Kriminaldirektor sicher.

„Die Dortmunder Polizei hat die Ermittlungsarbeit zum Schutz von Kindern deutlich intensiviert“, heißt es in einer Erklärung des Polizeipräsidenten. Unter anderem sind inzwischen deutlich mehr Ermittler im Deliktsbereich der Kinderpornografie und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Einsatz, als noch vor wenigen Jahren.

Das Ergebnis der intensivierten Ermittlungsarbeit sei jedoch nicht nur, dass mehr Straftäter überführt worden seien, es seien auch deutlich mehr Straftaten überhaupt erkannt und aufgedeckt worden – die Fallzahlen stiegen. Denn gerade, wenn es um die Verbreitung von Kinderpornografie kommt, werden zunehmend auch Kinder zu Tätern.

Kriminalität in Dortmund: Polizeipräsident hat schlechte Nachrichten für Rechte

Wer nach wie vor glaube, er sei im Netz anonym unterwegs, der irre, so Lange. Deutlich macht dies auch die um knapp 24 Prozent gestiegene Anzahl an registrierten Straftaten im Bereich der Kinderpornografie – Fälle, die ohne die intensive Ermittlungsarbeit der Polizei wohl unentdeckt geblieben wären.

Doch in der Pressekonferenz zur Kriminalitätsentwicklung in Dortmund hat die Polizei noch mehr schlechte Nachrichten zu überbringen – allerdings diesmal für alle „Rechtspopulisten und Demokratiefeinde, die sich mit der Angst der Menschen vor Kriminalität einen Vorteil verschaffen wollen“, so der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange.

Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange hat eine deutliche Warnung für Verbrecher in Dortmund und verweist auf die überdurchschnittlich hohe Aufklärungsquote.

Denn Dortmund sei laut Lange insgesamt „so sicher, wie seit vielen Jahren nicht mehr“. Straßen- und Gewaltkriminalität, Raubdelikte, Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle sind laut Polizeistatistik im Jahr 2021 deutlich zurückgegangen, nämlich um 10 Prozent.

Kriminalität in Dortmund auf historisch nidrigem Wert

Ein nach Angaben der Polizei „fast schon historisch niedriger Wert“. Gleichzeitig sei auch in diesen Bereichen die Aufklärungsquote immer weiter gestiegen und liege mit 57 Prozent auf einem – im NRW-weiten Vergleich – sehr hohen Niveau.

Die in den sozialen Medien wiederholte Behauptung „man könne sich nicht vor die Haustür trauen“, entsprächen demnach nicht der Realität, freut sich der Dortmunder Polizeipräsident. Wie die Statistiken zeigen, liege die Anzahl der Straftaten in Dortmund aktuell sogar auf dem niedrigsten Wert seit 1986 (mehr Nachrichten aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24).

Und trotzdem ist sich der Polizeipräsident bewusst, dass er mit den vorgelegten Zahlen Rechtspopulisten und -extremisten kaum wird überzeugen können. Es sei ihm aber wichtig, „diejenigen zu überzeugen, die der Fachexpertise ihrer Polizei vertrauen“.

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