Ein Einzelhändler berichtet

Corona-Lockdown: Dortmunder Einzelhandel fürchtet Schließungen im Februar

Der aktuelle Corona-Lockdown setzt dem Einzelhandel in Dortmund zu. Ein Einzelhändler aus dem Kreuzviertel südlich der Innenstadt berichtet. 

Dortmund – Matthias Hülsebus ist Inhaber des Einzelhandelsgeschäfts Unterhaltung Lieblingsstücke“ in Dortmund und hat auch eine Filiale in Düsseldorf. Während der Coronavirus-Pandemie musste der Inhaber sein Geschäft im Kreuzviertel und in Düsseldorf-Flingern schließen.

EinzelhändlerUnterhaltung Lieblingsstücke
StandortDortmund
ViertelKreuzviertel

Corona-Lockdown in Dortmund: Einzelhändler aus dem Kreuzviertel berichtet über schwieriges Jahr

Gegenüber RUHR24.de berichtet er, wie es dem Geschäft und der Belegschaft in den beiden Corona-Lockdowns ergangen ist, warum vielen das Bewusstsein dafür fehlt, wie schwierig es ist, sich digital aufzustellen und wie wichtig das Weihnachtsgeschäft wirklich für den Einzelhandel ist (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

„Der erste Lockdown hat uns richtig durchgeschüttelt. Es war sehr schwer. Tränen sind geflossen und für ein paar Tage waren wir wie gelähmt. Dann ist eine gewisse Energie entstanden und wir haben Ideen entwickelt, versucht über Social-Media auf uns aufmerksam zu machen. Ostern lag im ersten Corona-Lockdown und wir haben Oster-Überraschungstüten kreiert und verkauft.

Die Umsätze waren zwar nicht vergleichbar mit der normalen Zeit. Aber es war schön zu sehen, dass das ganze Viertel uns das Gefühl gegeben hat, dass wir wichtig sind. Viele haben uns geschrieben: Bitte überlebt das.

Corona-Lockdown im Einzelhandel: Dortmunder Geschäft konzentriert sich auf das Kreuzviertel

Durch den ersten Lockdown sind wir dann auch irgendwie durchgekommen. Und im Sommer war dann viel los. Generell haben sowohl die Corona-Hilfen des Landes NRW als auch die Stiftung von BVB-Spieler Marco Reus geholfen (alle News zu Corona im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Der zweite Lockdown hat mich dann richtig getroffen. Ich glaube, es kann sich kaum jemand vorstellen, wie viel Umsatz Einzelhändler in den letzten acht Tagen vor Weihnachten machen. Das hat mich extrem niedergeschlagen und damit versuche ich immer noch klar zu kommen.

Das Einzelhandelsgeschäft „Unterhaltung Lieblingsstücke“ in Dortmund hat mit dem Corona-Lockdown zu kämpfen.

Unser Problem: Wir haben uns vor acht Jahren bewusst gegen einen Online-Shop entschieden. Unser Konzept ist eigentlich gut, richtig und passt ins Viertel. Doch das ist natürlich gerade jetzt im zweiten, längeren Corona-Lockdown schwierig. Unser aktueller Online-Shop ist nicht so konzipiert worden, wie es in der aktuellen Phase nötig wäre.

Einzelhandel im Corona-Lockdown: Geschäft aus Dortmund ist primär vor Ort präsent

Das nächste Problem: Viele sagen immer, dass wir uns doch jetzt einfach online bewegen können. Doch um einen richtig guten Online-Shop inklusive funktionierender Social-Media aufzubauen, brauche ich zwei, drei Leute, die durcharbeiten. Die müssen bezahlt werden. Doch sowohl der Dezember- als auch der Januarumsatz fehlen wegen der Corona-Schließungen. Das ist sehr schwer auszuhalten.

Es wird uns verboten zu arbeiten und erwartet, dass wir uns mal eben online aufstellen. Doch so einfach ist das nicht. Unser Umsatz liegt aktuell bei 5 Prozent von normalen Zeiten. Zudem konkurrieren wir in normalen Zeiten nur mit einer begrenzten Zahl von anderen Geschäften. Online konkurrieren wir mit allen.

Die aktuellen Corona-Hilfen sind eher ein Tropfen auf dem heißen Stein und werden uns nicht lange helfen. Es ist schwer zu sehen, dass Industrie und Handwerk normal im Lockdown weitermachen dürfen. Wir aber nicht.

Aber bitte nicht falsch verstehen: Ich will nicht, das andere Branchen ebenfalls schließen. Nur fehlt einigen das Bewusstsein, wie schwierig es wirklich für Einzelhandel und auch Gastronomie während Corona ist.

Corona-Lockdown in Dortmund: Wenn keine Hilfen kommen, könnte es im Februar schwierig werden

Die Corona-Maßnahmen finde ich richtig. Es ist eine bedrohliche Situation. Das Gute: Aktuell scheint das Thema der Probleme des Einzelhandels im Wirtschaftsministerium angekommen zu sein. Ich hoffe es.

Denn wir brauchen Hilfe. Wenn nicht etwas kommt, dann nähern wir uns Mitte Februar der Zahlungsunfähigkeit.“ (Protokolliert von RUHR24.de)

Rubriklistenbild: © Unterhaltung Lieblingsstücke

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