Klinischen Diagnostik

Sensation in Dortmunder Krankenhäusern: Roboter-Diagnose kommt

Röntgenuntersuchung der Lunge: Erstmals Künstliche Intelligenz in der klinischen Diagnostik
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AI Rad Companion_Monitor - Bild2.jpg

Röntgen-Diagnose auf Knopfdruck: Was nach Science-Fiction klingt, ist in zwei Dortmunder Krankenhäusern ab sofort möglich. Lungen-Krankheiten lassen sich damit zuverlässiger erkennen.

Dortmund - Die Lunge ist eines der wohl gefährdetsten Organe der Menschen - nicht nur, weil das Coronavirus seit Monaten wütet und es auf unser Atemorgan abzielt. Lungenentzündungen, Tumore, krankhafte Flüssigkeits- und Luftansammlungen oder Verletzungen der Lunge beschäftigen Mediziner regelmäßig.

MethodeRöntgen
benannt nachWilhelm Conrad Röntgen
Entdeckung der Strahlen1895

Dortmund: Weltneuheit - Künstliche Intelligenz wertet Röntgen-Aufnahmen in Krankenhäusern aus

Passend zur Covid-19-Pandemie gibt es in Dortmund nun eine Weltneuheit, die die Diagnostik von Lungen-Krankheiten in der Form noch nicht kannte. So ist es zwei Dortmunder Krankenhäusern ab sofort möglich, Röntgenaufnahmen von Lungen per Knopfdruck analysieren und durch Künstliche Intelligenz (KI) etwaige Krankheiten erkennen zu lassen.

In den Genuss der neuen Software kommen künftig das St.-Josephs-Hospital in Dortmund-Hörde, sowie das Katholische Krankenhaus Dortmund-West. Bisher wurde die Technik nur in wenigen radiologischen Spezialabteilungen genutzt. Die Dortmunder Häuser gehören zum Verbund der Katholischen St. Lukas-Gesellschaft. Mit dieser wiederum kooperiert das MVZ Prof. Dr. Uhlenbrock und Partner aus Dortmund, das die Software zusammen mit Siemens entwickelt hat.

Dortmund: Künstliche Intelligenz kann bei Lungen-Krankheiten Alarm schlagen

Ärzte können damit anonymisierte Röntgenaufnahmen der Lunge analysieren lassen. Das Programm namens „AI-Rad Companion Chest X-ray“ gibt in wenigen Minuten eine Rückmeldung über Auffälligkeiten. Laut Programmierern soll die Software die fünf häufigsten Lungen-Krankheiten erkennen. Es sind Pathologien, die ein Handeln sofort erforderlich machen. Konkret geht es darum:

  • Rundherde (Gewebeknoten in der Lunge)
  • Pneumothorax (Ansammlung von Luft zwischen Lunge und Brustwand)
  • Pleura-Erguss (Ansammlung von Flüssigkeit zwischen innerer Wand des Brustkorbs und Lunge)
  • Atelektase (Belüftungsdefizit der Lunge oder von Teilabschnitten der Lunge)
  • Konsolidierung (Ansammlung von Gewebe in den Lungenbläschen)

Zusätzlich zum „Befund“ gibt die Software eine Einschätzung, wie sicher sie sich ist. Dazu nutzt sie eine Skala von 1 bis 10. Sogar Veränderungen, die Covid-19 in der Lunge verursacht, kann das Programm erkennen.

Dortmund: Ärzte sollen durch Künstliche Intelligenz nicht ersetzt werden

Ärzte sollen durch die Künstliche Intelligenz aber nicht ersetzt werden - meinen jedenfalls die Entwickler der Software. Das Tool sei als Unterstützung von diensthabenden Ärzten im Nacht- und Wochenenddienst gedacht, sagt Dr. Karsten Ridder, ärztlicher Leiter und Programmverantwortlicher im MVZ Uhlenbrock.

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Sei ein erfahrener Radiologe nicht in der Nähe, könne das Programm dabei helfen, Fehler zu minimieren und wichtige Hinweise zu geben, wo der Arzt genauer hinschauen sollte.

Software meldet auch Auffälligkeiten an der Lunge, die eventuell nicht auffallen würden

Auch Auffälligkeiten, die ein Arzt auf den ersten Blick nicht im Fokus hat - etwa, weil aufgrund der Symptome eine andere Stelle der Lunge analysiert wird - meldet die Software. Wichtig: „Den letztlichen Befund durch den Arzt kann und soll die Technik aber nicht ersetzen“, betont Ridder.

Angelernt wurde die Software in den vergangenen Jahren mit mehr als 100.000 Röntgenbildern von 15 verschiedenen Geräteherstellern. Während die Software angewendet wird, speichert sie weitere Bilder. Wie ein Mensch lernt sie also mit den Jahren dazu und wird nach und nach besser.

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