Zu früh geimpft?

Dortmund: Massive Kritik wegen verfrühter Corona-Impfung für Chefs im Krankenhaus

Haben sich die Chefs des St. Johannes Hospitals in Dortmund bei der Corona-Impfung vorgedrängelt?
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Haben sich die Chefs des St. Johannes Hospitals in Dortmund bei der Corona-Impfung vorgedrängelt? Das Krankenhaus nimmt jetzt Stellung.

Ein Krankenhaus in Dortmund steht in der Kritik, weil sich Chefs vor anderem Personal gegen das Coronavirus haben impfen lassen. Die Verantwortlichen gestehen Fehler ein.

Dortmund - Haben die Chefs der katholischen St. Johannes Gesellschaft Dortmund sich bei den Impfungen gegen das Coronavirus vorgedrängelt? Das zumindest behauptet eine RUHR24-Leserin, die sich gegenüber unserer Redaktion geäußert hat. Ihre Vorwürfe sind nicht falsch. Die Krankenhaus-Gesellschaft hat dazu nun Stellung genommen.

UnternehmenKath. St.-JohannesGesellschaft Dortmund gGmbH
Geschäftsführung Klaus Bathen
Gründung1. Januar 1998

Dem Vorwurf zu Folge sollen „nicht unerhebliche Teile der Verwaltung“ gegen Corona geimpft worden sein. Darunter der kaufmännische Geschäftsführer der St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund, Klaus Bathen, und sein Stellvertreter Christoph Rzisnik. Sie leiten die Geschicke von folgenden Einrichtungen:

  • St.-Johannes-Hospital,
  • MVZ St.-Johannes,
  • Ambulantes OP-Zentrum,
  • Marien Hospital,
  • St.-Elisabeth-Krankenhaus,
  • St.-Elisabeth-Altenpflege,
  • St. Josefinenstift,
  • Christinenstift,
  • Jugendhilfe St. Elisabeth.

Gegenüber RUHR24 heißt es von der Informantin, zu dem Zeitpunkt, als Bathen und Rzisnik geimpft worden seien, seien „große Teile der Pflegekräfte“ ungeimpft gewesen.

Die Krankenhaus-Gesellschaft bestätigt, dass der Geschäftsführer und sein Stellvertreter sich gegen Corona haben impfen lassen. Zu diesem Zeitpunkt, so eine Sprecherin gegenüber unserer Redaktion, seien allerdings alle impfwilligen Krankenhausbeschäftigten der Kategorie eins bereits geimpft worden.

St. Johannes Gesellschaft Dortmund wehrt sich gegen Vorwürfe - und gibt Fehler zu

Dazu gehören Mitarbeiter, die ein hohes Risiko hätten, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Etwa bei einer Bronchoskopie (Lungenspiegelung) oder im Kontakt mit Covid19-Patienten. Diese Mitarbeiter seien nach geplanten Terminen geimpft worden.

Video: Wie gut und wie lange schützt eine Corona-Impfung?

Am Tag, als sich die Geschäftsführer impfen ließen, sollen Termine für Corona-Impfungen nicht wahrgenommen worden sein. Da die Krankenhaus-Gesellschaft aufgrund der geringen Haltbarkeit des Impfstoffs alle Dosen sofort verimpft, seien Impfdosen aufgrund abgesagter Termine übrig geblieben, die schnell hätten verimpft werden müssen.

Geschäftsführer der St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund ließen sich gegen Corona impfen

In der Folge ließen sich der Geschäftsführer der katholischen St.-Johannes-Gesellschaft, sowie sein Stellvertreter je eine Impfdosis verabreichen, bestätigt eine Sprecherin.

Dass dieser Schritt am Ende doch nicht ganz glücklich war, gibt das Krankenhaus im Nachhinein aber auch zu. Denn: Die Impfung für die Geschäftsführer war durchgeführt worden in der Annahme, dass an den folgenden Tagen weitere Impfdosen eintreffen würden. Doch das sei aufgrund einer Verknappung dann nicht mehr der Fall gewesen.

Die Chefs der katholischen St. Johannes Gesellschaft Dortmund stehen im Verdacht, sich bei den Impfungen gegen das Coronavirus vorgedrängelt zu haben.

Dortmunder Krankenhaus nach Impf-Vorwurf: „Hätten nicht mehr so entschieden“

Eine Sprecherin über die Impfung für die Geschäftsführer: „Mit dem heutigen Wissensstand und in der derzeitigen Verknappungssituation würde dies nicht mehr so entschieden werden.“ Gleichzeitig betont das Krankenhaus, dass das „Erhalten der Arbeitsfähigkeit“ der Geschäftsführer dazu führen könne, „die Versorgung von Patienten während der Pandemie ununterbrochen zu gewährleisten.“

Mit anderen Worten: Die Geschäftsführung ist laut Krankenhaus für die strategischen Entscheidungen des Hauses in der Corona-Pandemie so wichtig, dass auch ihr eine Impfung gegen das Coronavirus zusteht. So hätten die Geschäftsführer dazu beigetragen, „die Versorgung von Covid-19 Patienten uneingeschränkt und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen“ zu ermöglichen - etwa mit der Einrichtung einer weiteren Intensivstation.

Dennoch, die Kritik vonseiten der Informantin bleibt: Das Argument der übriggebliebenen Impfdosen könne in einer Klinik kaum gelten, es hätte sich sicher eine Krankenschwester als Abnehmer gefunden (Hier mehr News zu, Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lesen).