Kult-Lokal dicht

Szene-Bar in Dortmund muss schließen: Gutgemeinte Corona-Aktion wird zum Verhängnis

Ein weiteres Lokal in Dortmund muss in der Corona-Pandemie schließen. Eine besondere Aktion und kuriose Corona-Regeln sorgten für das Aus der Szene-Kneipe am Wall.

Dortmund – Dass eine eigentlich gut gemeinte Aktionen mächtig nach hinten losgehen kann, zeigt ein bitterer Fall aus Dortmund (alle News aus Dortmund auf RUHR24.de). Dort muss jetzt eine Szene-Kneipe in der Innenstadt schließen. Grund dafür ist auch eine besondere Aktion, mit der das Lokal in der Corona-Krise (alles zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker) zunächst eigentlich gerettet werden sollte.

Dortmund: Szene-Kneipe „Black End“ in der Innenstadt muss schließen – „absolute Ungewissheit“

Eingeleitet wird das Statement auf der Facebookseite der Metal-Kneipe „Black End“ so: „Leider kommt jetzt das, was viele schon erwartet haben und was wir eigentlich unbedingt vermeiden wollten...“, schreibt die Inhaberin dort. Es sei absolut nicht abzuschätzen, was noch alles passieren wird. Deshalb müsse man sich dem Kampf gegen Corona geschlagen geben.

Aufgrund von Auflagen und Restriktion sowie der erneuten Schließung aller Kneipen und Gaststätten bestehe „absolute Ungewissheit“, wie es weitergehen soll. „Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschlossen, das BlackEnd endgültig zu schließen, um weiteren finanziellen Rückschlägen aus dem Weg zu gehen und nicht in ein absolutes Schuldenloch zu fallen!!!“

Kneipe „Black End“ in Dortmund muss schließen: Keine Corona-Hilfe bekommen

Dabei hatte die Pächterin der Metal-Kneipe am Hohen Wall selbst dafür gesorgt, dass in der Corona-Krise Geld in die Kasse kommt. Bereits Ende April hatte das Lokal T-Shirts mit einem Design des Dortmunder Künstlers Axel Hermann zum Verkauf angeboten. Musiker hatten zudem Equipment für den guten Zweck verkauft, eine Crowdfunding-Kampagne wurde ins Leben gerufen.

Eigentlich gut, sollte man meinen. Doch wie die Inhaberin nun auf Facebook schreibt, hat genau das dafür gesorgt, dass dem Laden nun der Stecker gezogen wird: „Die Spenden-Aktionen und der Shirt-Verkauf haben uns zwar durch den ersten Lockdown ‚gerettet‘, dann aber leider im Umkehrschluss dazu geführt, dass wir im April und Mai nicht mehr als 60 Prozent Umsatzeinbruch zu verzeichnen hatten.“

Dortmund: Szene-Kneipe „Black End“ hofft trotz Corona-Krise auf Abschiedsparty

Für das „Black End“ hatte das dramatische Folgen: Die erneute Überbrückungshilfe des Landes NRW wurde nicht bewilligt. Denn die bekommen nur Gastronomen, die in den Monaten Juni, Juli und August mindestens einen Umsatzrückgang von 60 Prozent nachweisen können. Und diesen Umsatzeinbruch hatte die Szene-Kneipe mit den Einnahmen durch die Sonderaktion ja selbst erfolgreich bekämpft.

Der Corona-Sommer riss anschließend ein weiteres finanzielles Loch in die Kasse, das mit den Beschränkungen der Besucherzahlen im Herbst offenbar nicht wieder zu schließen war.

Eine Hoffnung bleibt für die Gäste des „Black End“ und das Personal aber noch: Weil der Pachtvertrag noch bis Ende März 2021 läuft, wird es vielleicht eine Abschiedsparty geben können, kündigt die Inhaberin an. Dann wird mit dem „Black End“ nach acht Jahren am Hohen Wall eine weitere Kneipe in Dortmund schließen.

Corona-Krise in NRW: Gaststätten in Dortmund und Bochum schließen

Das „Black End“ ist nicht die erste Kneipe, die der Pandemie zum Opfer fällt. Auch andere Gastronomen haben Probleme - trotz Hilfszahlungen. Zuletzt meldete sich der Inhaber des „Mit Schmackes“, der Gaststätte des Ex-BVB-Profis Kevin Großkreutz, mit einem Hilferuf. Zudem geriet bereits das Restaurant Lokales im beliebten Kreuzviertel in finanzielle Schieflage.

Auch in Bochum musste ein Gastronom seine Kneipe vorübergehend schließen – kurz nach Wiedereröffnung. Die auferlegten Corona-Regeln seien schlichtweg nicht umsetzbar, urteilte er. Dieser Trend wird sich wohl mindestens bis zum Ende der Pandemie fortsetzen.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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