Endlich ein neues Leben

Erstmals Kunstherz im Klinikum Dortmund implantiert - der Patient hat bereits große Pläne

Am Klinikum Dortmund hat erstmals ein Patient ein Kunstherz eingesetzt bekommen.
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Am Klinikum Dortmund hat erstmals ein Patient ein Kunstherz eingesetzt bekommen.

Am Klinikum Dortmund ist erstmals einem Patienten ein Kunstherz implantiert worden. Der 65-Jährige hat bereits große Pläne.

  • Im Klinikum Dortmund ist erstmals ein Kunstherz implantiert worden.
  • Der Patient schmiedet jetzt bereits Pläne für sein neues Leben.
  • In Deutschland werden immer mehr Kunstherzen implantiert.

Dortmund - Wenn die Pumpe nicht mehr richtig mitmacht, muss eine neue her. Nicht ganz so einfach sieht das hingegen aus, wenn es sich dabei um ein menschliches Herz handelt. Deshalb ist einem 65-jährigen Patienten am Klinikum in Dortmund nun erstmals ein Kunstherz implantiert worden.

Unternehmen

Klinikum Dortmund gGmbH

Mitarbeiter

4.500 (2017)

Betten

1.440 (2017)

Gründung

1876

Geschäftsführer

Rudolf Mintrop

Dortmund: Erstes Kunstherz am Klinikum implantiert

722 Menschen haben in Deutschland 2019 laut dem Bundesministerium für gesundheitliche Aufklärung auf ein neues Herz gewartet. Bekommen haben nicht einmal halb so viele eines (344). Was also tun, wenn das eigene Herz immer schwächer wird?

Diese Frage musste sich auch Peter Wächter* stellen. Er litt nach Angaben des Klinikums Dortmund seit fast zehn Jahren an einer zunehmenden Herzschwäche. Zuerst dachte der Patient, dass der Leistungsabbau am Alter liege und normal sei. "Aber dann konnte ich immer weniger machen, obwohl ich mein Leben lang sehr sportlich war", sagt Wächter. 

Klinikum Dortmund: Patient bekommt nach Kreislaufzusammenbruch ein Kunstherz

Vor fünf Jahren, als es schon einmal zu einem Herzversagen kam, hatte er bereits einen Herzschrittmacher erhalten. "Als er einen kompletten Kreislaufzusammenbruch mit beginnendem Organversagen erlitt, musste schnell gehandelt werden", berichtet das Krankenhaus jetzt in einer Pressemitteilung über den Fall.

Vorübergehend wurde er an eine mobile Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die ihn am Leben hielt. Eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht. Stattdessen bekam er nun ein Kunstherz, das das Team der Herzchirurgie unter Klinikdirektor Prof. Dr. Alexander Albert dem Patienten am Klinikum Dortmund eingesetzt hat.

Das Kunstherz besteht im Wesentlichen aus einer Pumpe, einem Elektromotor und Akkus.

Kunstherz unterstützt das eigene Herz dabei, Blut zu pumpen

Das kann man sich als eine Art Pumpe mit Elektromotor vorstellen. Dieses System pumpt dann stellvertretend für das Herz des Patienten Blut durch den Körper. Der Vorteil: Ein Kunstherz ist heute deutlich kleiner als mobile und veraltete Geräte und kann etwa in die Bauchdecke eingesetzt werden.

Strom bekommt es über Akkus, die der Patient mit sich trägt und mit denen es über ein Kabel durch die Haut verbunden ist. "Natürlich ist ein echtes Herz immer noch besser. Die Lebensqualität steigt allein schon dadurch, dass man kein Aggregat mehr mit sich herumträgt", sagt Prof. Albert.

Das Klinikum Dortmund geht aktuell ganz neue Wege und hat einen Escape Room eingerichtet - den können User allerdings nicht vor Ort, sondern via Instagram nutzen. 

Dortmund: Patient wartet weiter auf Spenderherz - Kunstherz hält auch ein Leben lang

Deshalb steht Wächter weiterhin auf der Spenderliste für ein Spenderherz. Wegen der "kritischen Organspende-Lage in Deutschland" sei es jedoch nicht besonders wahrscheinlich, dass er auch eines bekomme, sagen die Ärzte. Das Kunstherz sei deshalb die beste Option, da es zur Not auch ein Leben lang halte. Laut der Apotheken-Umschau werden in Deutschland mittlerweile bereits mehr als 1000 Kunstherzen implantiert.

Wächter geht es mittlerweile bereits deutlich besser. Er ist bereits in der Reha: "Ich bin wieder einigermaßen fit", sagt er. "Der einzige Unterschied: Ich trage nun ein Aggregat mit vier Akkus. Das ist aber ein geringer Preis für die Lebensqualität, die ich zurückerhalten habe."

Weil er sich zu gut fühle, wie seit Jahren nicht, hat er für die Zukunft bereits Pläne geschmiedet: Er will endlich eine Wanderung machen, die für ihn seit Jahren nicht denkbar gewesen ist.

*Name geändert.