In der Innenstadt

In Dortmund soll Zeltstadt für Obdachlose entstehen

Nach der Räumung eines Lagers von Obdachlosen am Hauptbahnhof Dortmund regt sich Widerstand. In der Innenstadt soll eine kleine Zeltstadt entstehen.

Dortmund – Nachdem die Stadt Dortmund Anfang des Jahres ein Lager von Obdachlosen am Hauptbahnhof hat entfernen lassen, soll es in der Innenstadt nun Protest dagegen geben. Das Bündnis „Schlafen statt Strafen“ will eine kleine Zeltstadt für Obdachlose errichten.

Dortmund bekommt nach Obdachlosen-Eklat aus Protest eine Zeltstadt

Die Demonstranten wollen mit ihrem Camp gegen Diskriminierung und Verdrängung von obdachlosen Menschen in Dortmund protestieren, wie es in einer Ankündigung heißt.

Das Camp soll in der Zeit vom 28. Januar (Samstag) bis 5. Februar (Sonntag) Passantinnen und Passanten in der City auf Missstände aufmerksam machen. Es solle „an einem sehr sichtbaren Ort in der Dortmunder Innenstadt“ entstehen. Wie eine Sprecherin gegenüber RUHR24 angab, habe man sich nach einem Kooperationsgespräch mit der Polizei für die Ecke Kampstraße/Katharinenstraße entschieden.

Das Bündnis „Schlafen statt Strafen“ will in Dortmund eine Verbesserung der Situation für Obdachlose erwirken.

„Schlafen statt Strafen“ kritisiert unter anderem die zu geringe Zahl der Schlafplätze für Obdachlose in Dortmund, sowie die Qualität mancher Einrichtungen, die aber teils durch private Firmen betrieben werden. Es fehle an Platz für geschätzt 900 Menschen ohne festen Wohnsitz in Dortmund.

Stadt Dortmund behauptet: Für Obdachlose gibt es genug Platz in der Stadt

Die Stadt dagegen behauptet das genaue Gegenteil: Insgesamt verfüge Dortmund über ausreichende Kapazitäten, um wohnungslose Menschen unterzubringen. Zusätzlich zu den Übernachtungsstellen gäbe es rund 400 Menschen, die in von der Stadt angemieteten Wohnungen lebten. Seien die Männerübernachtungsstelle oder die Frauenübernachtungsstelle voll, biete die Stadt Transportmöglichkeiten in andere Einrichtungen an.

Zum Hintergrund: Die Stadt Dortmund hat eine „Unterbringungspflicht“ für unfreiwillig obdachlos gewordene Menschen oder solche, die sich nicht aus eigener Kraft aus ihrer Lebenslage befreien können. Die Stadt gibt an, dass in den Notschlafstellen niemand abgewiesen werde, der um eine Schlafplatz bitte. In manchen Fällen käme es aber zu Schwierigkeiten, da einige Obdachlose die Hilfe der Stadt nicht annähmen.

„Schlafen statt Strafen“ reagiert auf Obdachlosen-Vertreibung in Dortmund

„Schlafen statt Strafen“ hatte sich im Herbst 2022 gegründet, nachdem die Dortmunder Händlervereinigung Cityring angekündigt hatte, Obdachlose via Security nachts aus den Haus- und Geschäftseingängen in der City zu verdrängen. Das Bündnis halte Maßnahmen nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ für nicht sinnvoll.

Das sind die Forderungen von „Schlafen statt Strafen“:

  • kostenfreie, akzeptable Unterbringung für alle obdachlosen Menschen, die diese in Anspruch nehmen wollen
  • Programme wie „housing first“ (Wohnungen für obdachlose Menschen ohne daran geknüpfte Bedingungen wie Annahme von Unterstützung durch Sozialarbeiter*innen, Suchtmittelentzug, etc.)
  • Abschaffung von „obdachlosenfeindlicher Architektur“ im öffentlichen Raum
  • Bereitstellung kostenloser öffentlicher Toiletten
  • Stopp der Vertreibung obdachloser Menschen aus der Innenstadt

Im Camp sollen rund um die Uhr Menschen sein und dort kochen, essen, schlafen, diskutieren, und leben. Auch ein politisches Rahmenprogramm ist geplant. Passantinnen und Passanten sollen ins Gespräch mit den Aktivisten kommen (hier weitere Dortmund-News bei RUHR24 lesen).

Zeltstadt für Obdachlose entsteht in der Dortmunder Innenstadt

Die Zeltstadt soll aus einem Mix aus kleinen Zelten und zwei Großzelten bestehen, wie „Schlafen statt Strafen“ gegenüber RUHR24 ankündigt. Dort sollen auch obdachlose Menschen Unterschlupf finden.

Diese Akteure unterstützen bislang das Protestcamp und die Kritik von „Schlafen statt Strafen“:

  • Face2Face – Solidarische Wohnungslosenhilfe
  • Kana Suppenküche e.V.
  • Wohnungslosenstiftung e.V.
  • Selbstvertretung wohnungsloser Menschen e.V.
  • Grenzenlose Wärme e.V.
  • Frau Lose Unverpacktladen
  • Autonome Antifa 170
  • Anarchist Black Cross Ruhr
  • Naturfreundejugend NRW
  • Tabula Rasa Dortmund
  • Anarchistische Gruppe Dortmund 
  • Train of Hope Dortmund e.V.
  • Nordpol Dortmund

Vor Ort wollen die Aktivisten Unterschriften gegen den „unwürdigen Umgang mit obdachlosen Menschen“ sammeln. Diese Kampagne richte sich an den Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) sowie den Vorsitzenden des Cityrings Tobias Heitmann. Die beiden sind zur Übergabe der Unterschriften eingeladen worden.

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/Imago

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