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Dortmund: Traditionsgeschäft in der Innenstadt schließt nach über 100 Jahren

Schon wieder eine Schließung in der Dortmunder Innenstadt. Diesmal trifft es ein echtes Traditionsgeschäft, das bereits vor 102 Jahren seine Türen in der City öffnete.

Dortmund - Nach Bekanntwerden der Schließung von Depot in der Dortmunder Thier-Galerie, folgt nun der nächste Hammer. Am Ostwall, unweit der Shoppingmeile Westenhellweg, schließt schon im kommenden Monat nach 102 Jahren Bestand ein Traditionsgeschäft. Der Inhaber ist sauer auf die Stadt Dortmund und macht seiner Enttäuschung in einem Video Luft.

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Bekannte Orte zum ShoppenWestenhellweg und Thier-Galerie
Bekannte GeschäfteH&M, Saturn, Depot, Primark, Douglas, u.A.

Dortmund Innenstadt: Geschäft wird nach 102 Jahren schließen – der Inhaber erklärt warum

„102 Jahre in Dortmund. Wir geben auf - dank der Stadt, der IHK (Industrie- und Handelskammer, Anm. d. Red.). Keiner möchte irgendwo an einem Strang ziehen. Es wird gebaut, es wird gebuddelt an jeder Ecke. Egal, ob einer überbleibt. Corona war für uns gar nicht das ganz große Problem, dass wir das überlebt haben. Aber bei dem, was wir dann erlebt haben hier in dieser Stadt, habe ich keine Lust mehr. Ich ziehe nach 102 Jahren die Reißleine“, sagt Andreas Wilhelm, Inhaber von Wilhelm Männermoden, auf YouTube.

In dem Video, das am Mittwoch (8. September) hochgeladen wurde und bereits über hunderte Male angeklickt wurde, präsentiert sich der Dortmunder Geschäftsbetreiber erschreckend ehrlich und lässt kein gutes Haar an der Stadt, in der sein Laden vor 102 Jahren öffnete.

Inhaber Andreas Wilhelm ist extrem sauer auf die Stadt Dortmund und will keine Steuern mehr zahlen

Wilhelm tue die Geschäftsauflösung für seine Kunden leid, aber irgendwann müsste auch mal „Schluss sein“. Gemeint ist damit die riesige Baustelle, die sich seit Monaten vor seinem Geschäft am Ostwall befindet und die laut seiner Aussage „seit 85 Tagen von keinem Bauarbeiter mehr betreten worden ist“. Mit den Absperrungen verdecke die Baustelle jegliche Sicht auf die Schaufenster seines Ladens. Wilhelm ist sich sicher, dass dadurch selbst treue Kunden von einem Besuch abgeschreckt werden.

„Ich lasse mich nicht hinters Licht führen“, sagt Andreas Wilhelm und schaut dabei ernst in die Kamera. Dass er sauer auf die Stadt Dortmund ist, sieht man jeder Faser seines Körpers an. Und er legt noch einen drauf: „Ich möchte an diese Stadt so gut es geht keine Steuern mehr zahlen.“ Gleichzeitig betont der Geschäftsinhaber aber auch, dass er immer „gerne Steuern gezahlt hätte“, dies aber nun nicht mehr fortführen wolle.

Dortmund hat eine der attraktivsten Innenstädte in NRW, aber trotzdem schließen dort aktuell viele Läden.

Geschäft am Ostwall unweit des Westenhellwegs muss bis zum 30. Oktober leer sein

Bereits am 31. Oktober 2021 wird Schluss sein mit Wilhelm Männermode am Ostwall. Dann wird das Geschäft, welches sich auf Übergrößen spezialisiert hat, nach 102 Jahren in der Dortmunder City seine Türen für immer schließen. Bis dahin findet ein Räumungsverkauf mit hohen Rabatten statt: „Denn dieser Laden muss bis zum 30. Oktober leer sein. Keine Möbel, kein nichts mehr“, betont Wilhelm.

Ein besonderer Dank gilt den Kunden seines Ladens, die laut eigener Aussage besonders freundlich gewesen seien. „Das ist nicht normal im Einzelhandel.“

Inhaber Andreas Wilhelm stellte Oberbürgermeister Thomas Westphal entscheidende Frage

Im Gespräch mit dem Radiosender Radio 91.2 erzählt Andreas Wilhelm, dass er sich mit seinen Belangen sogar an Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) gewandt und ihm folgende Frage gestellt hätte: „Ich möchte wissen, ob ein über hundertjähriges Unternehmen noch in Dortmund erwünscht ist, mit Angestellten.“ Die Frage blieb allerdings unbeantwortet.

Von Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) wollte Inhaber Andreas Wilhelm wissen, ob sein Laden noch erwünscht ist, doch er bekam keine Antwort.

Öffnungen und Schließungen in Dortmund: In der Thier-Galerie und am Westenhellweg ändert sich vieles

Die Schließung von Wilhelm Männermoden reiht sich in eine Folge von Schließungen und Öffnungen in der Dortmunder City ein. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Deko-Kette Depot ihren Laden in der Thier-Galerie im September schließen wird. Depot gehörte zu den ersten Mietern der Shoppingmall und führt dort noch immer eines der größten Geschäfte.

Ob Depot zügig einen Nachmieter bekommen wird, bleibt abzuwarten. Für das letzte Geschäftsquartal des Jahres kündigte sich jedenfalls die niederländische Textil-Kette „Scotch & Soda“ für die Dortmunder Innenstadt an. Die Marke sucht aktuell im Internet nach neuen Mitarbeitern am Standort Thier-Galerie. Gut möglich also, dass das niederländische Unternehmen in die Depot-Filiale ziehen wird.

Leerstände machen selbst vor der Bestlage am Westenhellweg nicht Halt

Dass es allerdings selbst Nachmieter am Dortmunder Westenhellweg nicht leicht haben, zeigt die Schließung von „Brandsup“. Der Laden hatte erst im Herbst des vergangenen Jahres als Nachfolger von Esprit seine Pforten geöffnet, aber wohl den monatelangen Lockdown nicht überlebt. Das Ladenlokal in Bestlage steht seit Frühjahr leer.

Und gleich daneben befindet sich das wohl aktuell größte Sorgenkind des Dortmunder Einzelhandels: die ehemalige Filiale der Mayerschen. Nach ihrem Umzug in die ehemalige Roland-Filiale gegenüber steht das rund 4.500 Quadratmeter Gebäude leer. Ein Nachmieter ist noch nicht gefunden.

Rubriklistenbild: © Anika Hinz/RUHR24

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