Taucht in keinem Plan auf

Dortmund: Mysteriöser Schachtdeckel offenbart Leitung mit giftigem Stoff

Bauarbeiter fanden im Bereich der Harkortstraße in Dortmund Hombruch einen mysteriösen Schacht.
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Bauarbeiter fanden im Bereich der Harkortstraße in Dortmund Hombruch einen mysteriösen Schacht.

Ein verrosteter Schachtdeckel, der in keinem Plan auftaucht, stellt die Stadt vor ein Rätsel. Zudem sind die Rohre von giftigem Naphtalin überzogen.

Dortmund – Im Bereich der Harkortstraße und der Kieferstraße in Dortmund Hombruch entdeckten Arbeiter eines Tiefbauunternehmens mysteriöses. Die Arbeiter, die eigentlich neue Stromkabel im Erdreich verlegen sollten, stießen auf einen alten, verrosteten Schachtdeckel, der zudem in keinem einzigen Plan der Stadt auftaucht.

Stoff

Naphtalin

Eigenschaften

intensiver teerähnlichen Geruch

Toxizität 

Schleimhautreizunge, Reizung der Haut, schädigende Wirkung auf rote Blutzellen (vermutlich Krebserzeugend)

Dortmund: Mysteriöser Schacht mit giftigem Stoff verunreinigt

Untersuchungen ergaben zudem, dass die Rohre mit dem giftigen Stoff Naphthalin verunreinigt sind. Nun will die Stadt der Herkunft des ominösen Schachtdeckels auf den Grund gehen und plant eine Erkundung des Schachtes.

Im Juli 2020 machten Bauarbeiter den seltenen Fund in Dortmund: Damals stieß das von der Stadt beauftragte Tiefbauunternehmen auf einen bisher unbekannten verrosteten Schachtdeckel und zwei unbekannte Gussleitungen. Doch weder der gut verschraubte Deckel noch die uralten Leitungen tauchten in irgendeinem der Pläne, die den Untergrund der Stadt Dortmund durchziehen, auf.

Selbst industriehistorische Recherchen konnten nicht offenlegen, um was es sich bei diesem Schacht handeln könnte. Die Stadt stellen die Rohre, die einen Durchmesser von rund 50 Zentimetern betragen, somit vor ein großes Rätsel. Denn nicht nur, dass sie in keinem Plan auftauchen: Die Innenseite der Rohre ist von giftigem Naphthalin überzogen. 

Dortmund: Naphthalin steht in Verdacht, krebserregend zu sein

Der Stoff gilt laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als potenziell krebserregend. Auch Entzündungen und Schädigungen der oberen Atemwege können durch den Stoff begünstigt werden. Für Kinder laut utopia.de besonders gefährlich: Naphthalin kann bei ihnen Erbgutschäden verursachen, was wiederum das Risiko erhöht, im Erwachsenenalter an Leukämie zu erkranken.

Zu erkennen ist der Stoff unterdessen schwer. Er ist farblos und nur der intensive Geruch nach Teer verrät das Naphthalin. Und auch die Arbeiter wurden durch eben diesen beißenden Geruch auf die Verunreinigung der Rohre aufmerksam, als sie die offensichtlich nicht in Betrieb befindlichen alten Leitungen einkürzten. 

Giftiger Stoff: Mysteriöser Schacht in Dortmund sicher verschlossen

Nachdem klar wurde, dass es sich um kristallisiertes Naphthalin handelt, wurden die Arbeiten aufgrund des hohen Gefährdungspotenzials sofort eingestellt. Mithilfe der Feuerwehr wurden die offenen Enden der Gussleitungen nun zunächst mit Beton und Sand verschlossen, die Leitungen mit Folie abgedeckt. Naphthalin entsteht unter anderem bei der Gas- und Koksproduktion. 

Nach der gefährlichen Entdeckung wurde die Baustelle von der Bezirksregierung in Arnsberg stillgelegt. Die Suche nach der Herkunft der mysteriösen Leitungen geht unterdessen aber weiter. Doch die scheint alles andere als einfach zu werden. Wie die Stadt Dortmund mitteilt, werden die alten Gasleitungen durch den in vielen Straßenabschnitten vorhandenen Lehmboden offenbar gut abgeschirmt. Punktuelle Suchschürfungen sollen nun mehr Aufschluss über den Verlauf der Leitungen geben. 

Dortmund: Erkundung des unbekannten Schachts geplant

Auch für den Bereich des ominösen Schachtdeckels in der Kieferstraße in Dortmund ist eine konkrete Erkundung geplant. Bisher wird vermutet, dass der Deckel nur der sichtbare kleine Teil eines größeren Hohlkörpers im Erdreich ist. Dieser soll nun großräumiger freigelegt und erkundet werden. Denn nur so könne ausgeschlossen werden, dass dieser zukünftig nachgibt und einen Tagesbruch verursacht. "Bestätigt sich diese Befürchtung, so ist der Hohlkörper zu beseitigen", heißt es außerdem in einer Mitteilung der Stadt.

Der Klärungsbedarf, um was es sich bei dem unbekannten Schacht handelt, ist groß. Die Erkundungen werden nach Angaben der Stadt Dortmund zudem "einige Zeit" in Anspruch nehmen. Die Baugrube wird daher nun erstmal wieder verfüllt, sodass die Straße wieder befahren werden kann (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de)

Dortmund: Straße für den Verkehr weiter gesperrt

Der Straßenabschnitt der Kieferstraße zwischen der Harkortstraße und der Leostraße bleibt allerdings weiterhin für den Verkehr gesperrt. Dort wird in den nächsten Tagen das direkte Umfeld des Schachtes erkundet. Denn erst, wenn genügend Informationen über die Herkunft der Rohre vorliegen könne entschieden werden, ob die Relikte aus der Vergangenheit ein Umweltrisiko darstellen und entfernt werden müssen oder nicht.

Die Suche nach der "Nadel im Heuhaufen" geht also weiter.

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