Nazi-Kiez Emscherstraße: Künstler übersprühen rechte Graffitis in Dortmund unter Polizeischutz und Protest der Anwohner

+
Das fertige Graffiti in der Emscherstraße in Dortmund-Dorstfeld. Foto: RUHR24

Dortmund/NRW - Seit heute morgen begleitet die Polizei in Dortmund eine Aktion zur Beseitigung rechter Schmierereien an der Emscherstraße.

Seit heute morgen (6. September) begleitet die Polizei in Dortmund eine Aktion der Stadt Dortmund und der Quartiersdemokraten zur Beseitigung rechter Schmierereien an der Emscherstraße.

  • Graffiti-Künstler übersprühen unter Polizeischutz Nazi-Symbole.
  • Das Viertel in Dortmund Dorstfeld gilt als Nazi-Kiez in Dortmund.
  • Auch NRW-Innenminister Herbert Reul ist vor Ort.

Dortmund setzt Zeichen gegen Rechts

Update, Freitag (6. September), 13.30 Uhr: Das ist das Ergebnis der Graffiti-Aktion: Im Dortmunder "Nazi-Kiez" Emscherstrasse prangt jetzt in großen, bunten Lettern der Slogan "Our colours are beautiful". Und auch bei Demonstrationen dürfen die Neonazis teilweise nicht mehr vom "Nazi-Kiez Dorstfeld" sprechen.

Den Bewohnern des Kiez, die gegenüber des neuen Graffitis wohnen und das aus ihren Zimmerfenstern in voller Größe bewundern können, passt der neue Look ihres Straßenzuges offenbar nicht.

Den Pressetermin zur Begutachtung der neu gestalteten Garagen, kommentierten sie laut pöbelnd aus einem mit Reichsflaggen geschmückten Fenster.

Erstmeldung, Freitag (6. September), 10.30 Uhr: Neben Herbert Reul machte sich auch der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange, sowie Vertreter der Stadt Dortmund ein Bild vor Ort.

Eine Gruppe von Graffiti-Künstlern hatte sich sofort dafür begeistern können, die Nazi-Schriftzügen zu übersprühen. Und das, obwohl die ganze Aktion nicht völlig ungefährlich zu sein scheint.

Um unerkannt zu bleiben, verhüllten sich die Künstler von Kopf bis Fuß in ihren Schutzanzügen. Außerdem werden sie derzeit bei ihrer Arbeit permanent von der Polizei geschützt.

Öffnen auf twitter.com

Dass die Aktion auch unter Anhängern der rechtsradikalen Szene auf Interesse stößt, zeigt sich deutlich: Die ganze Aktion wurde von ihnen gründlich dokumentiert. Augenscheinlich Rechtsradikale fotografierten dabei nicht nur Polizisten und Graffiti-Künstler, sondern auch die anwesende Presse.

Herbert Reul besucht Künstler bei der Aktion

Seit Jahren prangen an Hauswänden der Emscherstraße aufgesprühte Nazi-Parolen. Nicht nur Anwohner aus Dorstfeld sind die Schriftzüge ein Dorn im Auge, auch der Eigentümer des Hauses, an dessen Fassade die Künstler heute hauptsächlich arbeiten, unterstützt die Aktion.

Mit der Aktion will Dortmund ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, Intoleranz und Fremdenhass setzten. Immer wieder präsentiert sich die Stadt bewusst als eine weltoffene, vielfältige und demokratische Stadt.

Der Reinigungsaktion stattete auch der Innenminister NRW, Herbert Reul, den Künstlern, den Initiatoren und der Polizei einen Besuch ab. "Den Neo-Nazis darf man keinen Millimeter Raum geben", sagt Reul.

Auch wenn allen Beteiligten der Aktion bewusst ist, dass das Übersprühen der Parolen nicht lange bestand haben wird, setzt die Aktion doch ein deutliches Zeichen gegen Nazis in Dortmund.

Aber auf diese Aktion reagieren auch die Rechtsextremen. Seit dem 30. September finden montags Nazi-Demos in der Dortmunder Nordstadt statt. Diese sollen noch bis Weihnachten fortgesetzt werden.

Derweil gab Innenminister Horst Seehofer während einer Pressekonferenz bekannt, er würde sich "wundern", dass Parteien wie die NPD nicht schon längst verboten seien.