Landesregierung veröffentlicht Daten

"Gefährliche Orte" in NRW: 126 Plätze und Straßen in Dortmund dabei - was dahinter steckt

126 "gefährliche Orte" soll es in Dortmund geben, darunter auch der Borsigplatz in der Nordstadt.
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126 "gefährliche Orte" soll es in Dortmund geben, darunter auch der Borsigplatz in der Nordstadt.

126 Straßen und Plätze in Dortmund gelten laut Polizei als "gefährliche Orte". Doch dahinter steckt etwas ganz anderes, als man zunächst vermuten würde.

  • Die Landesregierung NRW musste eine Liste mit "gefährlichen Orten" herausgeben.
  • Für Dortmund sind dort 126 Straßen und Plätze verzeichnet.
  • Die Einordnung "gefährlich und verrufen" hat für die Polizei sogar gewisse Vorteile.

Dortmund - 126 Straßen und Plätze in Dortmund sollen laut Polizeigesetz als "gefährlich und verrufen" gelten. Das geht aus der Antwort einer Anfrage an die NRW-Landesregierung hervor. Was schlimm klingt, soll eigentlich der Polizei die Arbeit erleichtern.

Dortmund: Landesregierung listet 126 "gefährliche Straßen und Plätze" in der Stadt auf

Klar, auch in Dortmund (alle Themen auf RUHR24.de) gibt es einige finstere Ecken, in denen man sich im Dunkeln vielleicht nicht länger aufhalten möchte. Auf der Liste der "gefährlichen Orte" der Landesregierung NRW tauchen dann aber stolze 126 Einträge zu Dortmund auf. Um die Anwohner der Straßen nicht zu stigmatisieren und Straftäter nicht vorzuwarnen, verzichten wir darauf, die Orte hier erneut aufzulisten.

Auch aus Essen und Köln sind zahlreiche Straßen und Plätze auf der Liste "gefährlicher Orte" gelandet. Darunter können Straßenzüge fallen, in denen sich etwa die Drogenszene etabliert hat. In Dortmund sind das etwa der Nordmarkt oder der Borsigplatz.

In anderen Städten gilt auch ein Bahnhofsvorplatz, auf dem immer wieder Menschen ausgeraubt werden, als "gefährlicher Ort", berichtet die Rheinische Post bereits vor einiger Zeit. Der Haupteingang des Hauptbahnhofs in Dortmund, wo schockierende Zustände für Flixbusse herrschen, ist allerdings nicht auf der Liste zu finden - der nördliche Ausgang hingegen gleich doppelt.

Die Nordseite des Hauptbahnhofs in Dortmund ist ebenfalls auf der Liste.

Wer die Straßennamen überfliegt und sich ein wenig in der Stadt auskennt, merkt schnell: Es sind bis auf den Westpark sowie zwei, drei weitere Orte in der Innenstadt fast nur Straßen in der Nordstadt aufgeführt. Doch wie so häufig ist der Erklärung dazu nicht so einfach, wie es zunächst scheint.

Dortmund: "Gefährliche Orte" haben für die Polizei auch Vorteile

Denn die Kennzeichnungen als "gefährlich und verrufen" bedeutet nicht, dass den Bürgern an den entsprechenden Orten automatisch schlimme Dinge widerfahren müssen. "Sie lassen daher keinen generellen Rückschluss auf ein erhöhtes Gefahrenpotenzial an den Örtlichkeiten zu", antwortet das Innenministerium NRW auf die Anfrage. Grundlage für die Klassifizierung sind Erfahrungen aus den täglichen Einsätzen der Polizei.

Außerdem: Für die Polizei Dortmund hat die Kennzeichnung "gefährlich" sogar einen gewissen Vorteil. Denn in den so gekennzeichneten Straßen dürfen Polizisten vorbeugend gegen verdächtige Personen vorgehen. Sprich: Lungern dort verdächtige Personen herum, die offenbar auf jemanden warten, darf die Polizei sie unter Umständen kontrollieren.

Nach Paragraf 12 des Polizeigesetzes NRW dürfen Polizisten auch die Identität von Personen feststellen, die sich an einem Ort aufhalten, von dem Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass...

  • dort Personen Straftaten von erheblicher Bedeutung verabreden, vorbereiten oder verüben,
  • sich dort Personen treffen, die gegen aufenthaltsrechtliche Strafvorschriften verstoßen oder
  • sich dort gesuchte Straftäter verbergen.

Das wiederum bedeutet also nicht automatisch, dass jeder Passant dort angehalten und kontrolliert wird. Stattdessen sollen unbescholtene Bürger laut dem Innenministerium (PDF) auch an "gefährlichen Orten" geschützt werden.

"Gefährliche Orte" in Dortmund: Straßen landen nicht einfach so auf der Liste

Klar ist aber auch: Eine Straße gelangt nicht völlig ohne Grund auf seine solche Liste (PDF). Daher ist durchaus abzulesen, wo die Polizei Dortmund glaubt, durch Prävention weitere Straftaten zu vermeiden oder in der Vergangenheit bereits ungewöhnlich viele Drogendealer oder Straßendiebe ertappt hat.

Wohnhäuser in der Nordstadt von Dortmund.

Denn laut der Landesregierung legen die örtlichen Polizeipräsidien die Orte selbst fest - und können dies bei Besserung auch wieder zurücknehmen. Daher nennt die Landesregierung die Bezeichnung auch irreführend und stigmatisierend.

Da die Daten der Landesregierung von 2010 bis 2017 reichen, ist daher unklar, ob überhaupt noch alle dieser "gefährlichen Orte" aktuell noch genau so eingestuft werden. Hauptsächlich würden in dem Gebiet in Dortmund mehr Delikte im Bereich der Straßenkriminalität passieren, als anderswo. Darunter vor allem Körperverletzung, Raub und Diebstahl.

In Essen kam es Anfang Juni zu einem Großeinsatz der Polizei, die zu einem Massenstreit ausrücken musste. Doch es gab noch einen weiteren Zwischenfall. 

"Gefährliche Orte" in NRW: Langer Streit um Herausgabe der Daten

Zuvor hatte es Streit darum gegeben, ob die Daten überhaupt herausgegeben werden sollen. AfD-Abgeordnete hatten die Listen bereits 2017 angefragt. Weil das Innenministerium diese Anfrage zunächst nicht vollständig beantworten wollte, hatte es einen jahrelangen Rechtsstreit gegeben, berichtet die dpa. Das Ministerium des Innern hatte der AfD vorgeworfen, die Daten skandalisieren zu wollen.

Die Regierung hatte argumentiert, die Polizeiarbeit werde erschwert, wenn potenzielle Straftäter präzise Informationen über solche Orte erlangten. Anwohnern von öffentlich als "gefährlich" bezeichneten Wohngegenden drohe eine Stigmatisierung. Das Sicherheitsgefühl der Bürger könne zudem beeinträchtigt werden. Die Verfassungsrichter ließen das nicht gelten. Die Regierung sei grundsätzlich verpflichtet, Fragen von Abgeordneten zu beantworten. Mit dpa-Material