Energiekrise

Gas- und Strompreis-Explosion: Stadt Dortmund will beide Augen zudrücken

Viele Dortmunder werden bald ihre Gas- und Stromrechnung nicht mehr zahlen können. Die Stadt will Kündigungen vermeiden – zumindest vorerst.

Dortmund – Noch ahnen viele Menschen in Dortmund nicht, welch böse Überraschung die kommenden Strom- und Gas-Rechnungen mit sich bringen. Dass es tausende Mieter geben wird, die in 2023 ihre Rechnung nicht mehr zahlen können, scheint sicher. Die Stadt will aber verhindern, dass es deswegen zu Kündigungen kommt.

35.000 Menschen in Dortmund leiden besonders unter hohen Energiepreisen

Vor allem davon betroffen sein könnten die rund 35.000 der rund 600.000 Dortmunder, die zuletzt Transferleistungen erhielten – etwa Hartz 4. Anders als bei Miete und Heizung bezahlt das Dortmunder Jobcenter diesen Menschen nicht automatisch die Stromkosten.

Doch dafür, so die Stadt nach einer Sitzung mit vielen städtischen Akteuren am Montag (28. November), gäbe es Lösungsansätze. So „hofft“ DEW21, der städtische Strom- und Gaslieferant, Energie-Sperrungen zu vermeiden. Heißt: Strom und Gas sollen auch bei säumigen Mietern weiterfließen.

In Dortmund sollen wegen hoher Gas- und Strompreise Mietkündigungen vermieden werden

Die Arbeitsgemeinschaft der Dortmunder Wohnungswirtschaft mit 79.000 Wohnungen in der Region und „Haus und Grund“ wollen zudem Mietkündigungen vermeiden.

Die Stadt Dortmund hat zudem ein sogenanntes „Kündigungsmoratorium“ für städtische Wohnungsbaugesellschaften gebildet. Heißt: Können Mieter ihre Gas- und Stromrechnung nicht zahlen, sollen sie deswegen nicht direkt aus der Wohnung fliegen. Die Regelung gilt vorerst bis März 2023, danach soll es eine Folgeregelung geben.

Stadt Dortmund akzeptiert Ratenzahlungen und Stundungen

Zudem sei die Stadt mit ihren Wohnungsbaugesellschaften bereit, Ratenzahlungen oder Stundungen zu vereinbaren. Wichtig, so die Stadt, sei der Austausch mit den Betroffenen. Ähnliches ist auch von nichtstädtischen Vermietern zu hören.

Als Problem könnte sich die vom Bund vereinbarte Dezember-Soforthilfe für die Dortmunder herausstellen. Zwar übernimmt der Staat im Dezember die Gasrechnung aller Dortmunder, doch sofort dürfte dieser Mechanismus nicht greifen, schätzt Franz-Bernd Große-Wilde vom Spar- und Bauverein.

Zentralheizungen in Dortmund sorgen für Problem bei Energierechnungen

Größtes Problem: Die Zentralheizungen, die in vielen Dortmunder Mehrfamilienhäusern zum Einsatz kommen. Für Vermieter sei es hier schwierig, Miete und Nebenkosten voneinander zu trennen. Die Einmalzahlung komme erst mit der nächsten Abrechnung – und der Effekt einer schnellen Hilfe sei dahin, so Große-Wilde.

Auch nicht ganz einfach dürfte die Umsetzung der Wohngeldreform ab dem 1. Januar 2023 für die Stadt Dortmund werden. Ab diesem Zeitpunkt verdreifacht sich die Anzahl der Dortmunder, die Wohngeld bekommen.

Wohngeld in Dortmund: Reform greift ab 1. Januar 2023

Doch weil die Anträge dafür erst ab dem 1. Januar gestellt werden dürfen, würde sich die Bewilligung dieser Anträge bis frühestens zum 1. April 2023 ziehen, heißt es vom Dortmunder Stadtdezernent Ludger Wilde. Man sei mit dem Land im Gespräch, „wie wir es zu einer Vorabzahlung bekommen“.

Der Dortmunder Dezernent Ludger Wilde will in Sachen Wohngeld mit dem Land sprechen.

Grundsätzlich glaubt die Stadt an das Kredo: Viel Reden hilft viel. Säumige Mieter könnten dadurch am Ende vor dem Schlimmsten bewahrt werden (hier mehr Dortmund-News bei RUHR24 lesen).

Rubriklistenbild: © Lobeca/Imago

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