Energiekrise

Gaspreise in Dortmund bis zu 200 Prozent erhöht: Erste Anbieter machen Ernst

Die Gaskrise spitzt sich jetzt auch in Dortmund zu. Erste Anbieter erhöhen die Preise um bis zu 200 Prozent. DEW21 versucht seine Kunden zu beruhigen.

Dortmund – Fast allen Dortmundern steht ein Winter bevor, der richtig ins Portmonee gehen wird. Da Russland während des Ukraine-Kriegs die Gaslieferungen nach Europa drosselt, steigen die Preise auf dem Gasmarkt unaufhörlich.

UnternehmenDEW21 (Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH)
AdresseGünter-Samtlebe-Platz 1, 44135 Dortmund
Telefonnummer0231/222 221 21

Dortmund: Erste Vermieter kündigen Erhöhung der Gaspreise um bis zu 200 Prozent an

Die städtische Wohnungsgesellschaft Dogewo21 und der Spar- und Bauverein Dortmund erhöhen in der Folge laut eines Berichts der Ruhr Nachrichten ab Montag (1. September) die monatlichen Gas-Abschläge für Kunden in Häusern mit Zentralheizung um bis zu 200 Prozent.

Damit wollen die Unternehmen ihre Kunden vor horrenden Nachzahlungen in 2023 bewahren. Denn: Die Rechnung für 2022 kommt bekanntlich erst im Jahr darauf. Beide Wohnungsvermieter beziehen ihr Gas durch die städtische Tochtergesellschaft DEW21. Und die macht ihren Kunden wenig Hoffnung auf Besserung.

Dortmund: DEW21 rechnet erst für 2024 mit Entspannung von Gaspreisen

In einer Mitteilung von Donnerstag (28. Juli) heißt es, mit einer Entspannung der Gaspreise sei erst für 2024 zu rechnen. Schlimmer noch: In 2023 geht die DEW21 von weiter ansteigenden Strom- und Gaspreisen aus.

DEW21 betont, dass das Unternehmen zwar keine direkten Handelsbeziehungen nach Russland habe, die Beschaffung über andere Märkte aber nach und nach „austrockne“ und dadurch die Preise stiegen. Diese könne das Unternehmen nicht mehr selbst auffangen und müsse Teile der Steigerungen an die Kunden weitergeben.

Dortmund: DEW21 weiß nicht, ob Gaspreise 2022 nochmal steigen

Unklar sei zudem, ob die Gaspreise im Laufe des Jahres noch mal erhöht werden müssten. „Das kann DEW21 zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigen noch ausschließen.“ Der Mieterverein Dortmund rät deswegen dazu, ausreichend Geld zur Seite zu legen, um auch hohe Nachforderungen zahlen zu können.

Immerhin: Auf Gas verzichten müssen Dortmunder DEW21-Kunden nach jetzigem Stand in diesem Winter nicht. Das jedenfalls vermutet das Unternehmen bislang. Dennoch ruft der Energieversorger seine Kunden dazu auf, Energie zu sparen. „Je mehr Gas heute schon eingespart wird, desto mehr können wir für die Speicherbefüllung nutzen.“

Dortmund: LEG fordert Politik dazu auf, Mieter zum Gas-Sparen aufzufordern

Das Wohnungsunternehmen LEG fordert von der Politik indes, Privatkunden zum Gas-Verzicht aufzurufen: „Wir haben doch nichts davon, wenn wir es privat alle warm haben, aber niemand mehr zur Arbeit geht, weil die Firmen reihenweise die Produktion einstellen“, sagte LEG-Chef Lars von Lackum jüngst dem Handelsblatt.

Lars von Lackum ist Vorstandsvorsitzender des Immobilienkonzerns LEG.

Erste große Wohnungsunternehmen in Dortmund, wie etwa Vonovia, haben bereits angekündigt, ab der nächsten Heizperiode die Temperaturen bei Gas-Zentralheizungen in den Nachtstunden absenken zu wollen. Zwischen 23 und 6 Uhr solleen dann nur noch 17 Grad erreicht werden können.

Mieterverein Dortmund beruhigt: Gas-Lieferungen für Privathaushalte gesichert

Indes beruhigt der Mieterverein Dortmund Privathaushalte: Auch bei Gas-Engpässen seien Mieter von Wohnungen geschützt, müssten also weiter mit Gas beliefert werden. Grundsätzlich müsse eine Wohnung ausreichend geheizt werden können.

Der Mieterverein Dortmund dazu: „Gerichte sehen regelmäßig eine Spanne von 20 bis 22 Grad Celsius tagsüber (circa 6 bis 23 Uhr) als angemessen an. Eine Nachtabsenkung auf 17 Grad oder 18 Grad wurde von Gerichten in der Regel als zulässig angesehen.“

Gas-Sparen in der Nacht: Schichtdienstler in Dortmund haben keinen Rechtsanspruch

Und was ist mit Menschen, die in Randschichten arbeiten und auch nachts auf eine warme Wohnung angewiesen sind? Laut vieler Gerichte gibt es für diese Menschen keinen grundsätzlichen Anspruch darauf, es sei denn, es gäbe medizinische Gründe dafür.

Vonovia plant für den kommenden Winter, die Temperatur in Wohnungen mit Zentralheizung über Nacht abzusenken, um Gas zu sparen.

Anders verhält es sich bei warmen Wasser. Dieses müsse laut Mieterverein Dortmund 24 Stunden am Tag verfügbar sein. Eine Abschaltung des warmen Wassers über Nacht müssten Mieter nicht dulden – es sei denn, alle Mieter eines Hauses seien damit einverstanden, etwa um zu sparen.

Mieterverein Dortmund: Konzerne sollen auf Gewinne aus Gas-Geschäft verzichten

Indes fordert der Mieterverein Dortmund Wohnungskonzerne dazu auf, aufgrund der aktuellen Lage auf Konzerngewinne zu verzichten, um die Gaspreise nicht noch weiter steigen zu lassen. „Sollten die Konzerne hierzu nicht bereit sein, erwarten wir aber zumindest die Ehrlichkeit darzulegen, wie viel günstiger die Gaspreise sein könnten“, stellt Markus Roeser vom Mieterverein Dortmund klar.

Das Portal merkur.de hat einen Vergleich gemacht, wie sich die Gaspreise in verschiedenen Orten in Deutschland entwickelt haben. (Lest hier: Gas sparen im Haushalt: Teure Fehler vermeiden – darauf ist besonders zu achten).

Rubriklistenbild: © Rupert Oberhäuser/Imago

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