Mitarbeitern drohen Kündigungen

Galeria Karstadt Kaufhof: Mindestens 62 Filialen sollen schließen

Mindestens 62 Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof sollen kurz nach der Fusion schließen. Ängste in Dortmund scheinen aber unbegründet zu sein.

  • Galeria Karstadt Kaufhof will zahlreiche Filialen schließen.
  • Jetzt hat sich Ullrich Sierau zur Situation in Dortmund geäußert.
  • Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Vorgehen der Konzern-Chefs erneut scharf.

Update, Donnerstag (18. Juni), 19.25 Uhr: Dortmund/Essen - Jetzt soll es feststehen: Mindestens 62 Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof sollen schließen. Das erfuhr n-tv aus Betriebsratskreisen. Die Vereinbarung soll noch heute unterschrieben werden.

Galeria Karstadt Kaufhof: Mindestens 62 Filialen sollen schließen

Offiziell bestätigt seien diese Informationen aber noch nicht. Damit ist aber auch klar, dass zunächst weniger Kaufhäuser betroffen sein könnten, als zunächst befürchtet. Zuvor war noch von 80 Filialschließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof die Rede.

"Morgen verlieren tausende von Menschen ihren Arbeitsplatz, und die Betriebsräte sind nicht darauf vorbereitet", bemängelt eine langjährige Betriebsrätin gegenüber dem Sender das Vorgehen. In Verhandlungen habe sie ich erpresst gefühlt. Nun richte man sich auf lange Gespräche über Sozialpläne ein.

Ursprungsmeldung, Mittwoch (27. Mai): Nur wenige Monate nach der Fusion steckt der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof weiter in einer existenziellen Krise. Auch in Dortmund haben die Mitarbeiter von Karstadt und Kaufhof Angst vor Schließungen und Kündigungen. Jetzt hat sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau zu dem Thema geäußert.

Unternehmen

Galeria Karstadt Kaufhof

Gründung

2019

Sitz

Essen

Mitarbeiter

32.000

Branche

Einzelhandel

Schließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof geplant: Ullrich Sierau äußert sich zu Standort Dortmund

Geplant sei laut Medienberichten, dass von den bundesweit 170 Warenhäusern rund 60 schließen sollen. In den übrigen Häusern sollen Stellen gekürzt werden. Kein Wunder also, dass die Mitarbeiter von Karstadt, das auch vor dem Zusammenschluss seit Jahren in einem Sanierungsprogramm steckte, es mit der Angst zu tun bekommen.

Ullrich Sierau, Oberbürgermeister von Dortmund, machte in einer Pressekonferenz am Dienstag (26. Mai) jedoch Mut: "Wir glauben nicht, dass die Standorte bei uns auch nur ansatzweise in der Diskussion stehen", sagte er. Es seien gute Standorte in gutem Umfeld.

Galeria Karstadt in Dortmund: "Beschäftigte und Kunden nicht verunsichern"

In der Innenstadt von Dortmund gibt es das erst vor wenigen Jahren sanierte Karstadt-Haus mit einem angeschlossenen Sport-Haus. Einen Steinwurf entfernt hat auch Galeria Kaufhof ein großes Warenhaus.

Mit "besorgnisgesteuerten Aussagen" müsse man in Dortmund nicht vorbeugen, sagte Sierau: "Das würde nur die Beschäftigten und die Kunden verunsichern." Wer meint das machen zu müssen, der führe die falsche Debatte.

Galeria Karstadt Kaufhof will bis zu 80 Häuser schließen.

Tatsächlich sei es andersherum: Karstadt Galeria würde in Dortmund einen Beitrag zum Standort leisten.

Unterdessen geht bereits das Geschacher los: An den Karstadt-Sport-Häusern hatte am Dienstag der Unternehmer und Stiftungsdirektor Daniel Loitz aus Essen Interesse bekundet - und ein Übernahmeangebot unterbreitet. Ob die Karstadt-Sport-Häuser überhaupt von Schließungen betroffen wären, ist bislang jedoch unklar.

Anfang September entscheiden die Gläubiger von Galeria Karstadt Kaufhof in Essen über die Zukunft des Unternehmens. Verdi warnte zuvor vor der Zerschlagung des Traditionsunternehmens.

Verdi kritisiert Vorgehen von Galeria-Karstadt-Chefs als "brutal"

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Vorgehen der Konzern-Chefs am Dienstag erneut scharf. Unter dem geplanten "Kahlschlag" würden nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Attraktivität der Innenstädte leiden. Das Sanierungskonzept sei zudem "ideenlos und unkreativ", schreibt Verdi in einer Stellungnahme.

Bei Verdi kann man den Schritt des Konzern-Managements schon länger nicht verstehen: "Das ist brutal!", schrieb Stefanie Nutzenberger, das für den Handel zuständige Bundesvorstandsmitglied bei Verdi, nach Bekanntwerden der Einschnitte.

Coronavirus-Krise für Entlassungen missbraucht? Verdi kritisiert Management von Galeria Karstadt

"Es hat den Anschein, dass die Unternehmensleitung und der Eigentümer die Corona-Krise missbrauchen, um ihre ursprünglichen Planungen von Standortschließungen und Entlassungen doch noch umzusetzen." Konkrete Zahlen würde das Unternehmen gegenüber der Öffentlichkeit zurückhalten.

Für die Gewerkschaft ist die Schließung symptomatisch für die Probleme der Einkaufsstraßen: "Politiker in Bund, Land und Kommunen müssten jetzt ihren Einfluss geltend machen, um ein Sterben vieler Innenstädte zu verhindern und die Arbeitsplätze zu erhalten", forderte die Gewerkschaft.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa