Gericht in Konzerthalle

Dortmund: Neonazi-Anwälte stellen bei Prozess im FZW wirren Antrag

Im Prozess gegen mehrere Neonazis hat es im Ausweichs-Gerichtssaal in einer Konzerthalle des FZW erneut einen Paukenschlag gegeben.

Dortmund – Haben mehrere Rechtsextreme auf einer Demo in Dortmund im Jahr 2018 antisemitische Parolen gebrüllt? Um genau diese Frage geht es aktuell in einem Prozess, der an einem ungewöhnlichen Ort ausgetragen wird: in einer Konzerthalle des FZW in Dortmund. Dort ist es nun zu einer kuriosen Aktion gekommen.

ProzessstadtDortmund
ProzessortFZW
GerichtLandgericht

Dortmund: Neonazi-Anwälte stellen kuriosen Antrag

Am zweiten Verhandlungstag am Montag (8. November) haben Anwälte der zehn Angeklagten die Verlegung des Prozesses gefordert. Das berichten die Ruhr Nachrichten (RN). In der Konzerthalle, die dunkel gestrichen ist, dunkle Tische stehen und es kein Tageslicht gibt, würden ihre Mandanten in schlechtem Licht dastehen, so die Begründung der Anwälte.

Zum Hintergrund: Der Prozess gegen die zehn Rechtsextremen findet im FZW statt, weil es am Landgericht Dortmund im Kaiserstraßenviertel keine Räume gibt, die groß genug sind. Es gilt neben den Angeklagten 20 Anwälte, Richter und Staatsanwälte unterzubringen.

Neonazi-Prozess im FZW Dortmund soll verlegt werden

Die Anwälte bezeichnen die Konzerthalle im FZW als „Darkroom“, zitieren die RN aus dem Antrag. Das Ambiente könne Zeugen einschüchtern und es würde die Angeklagten von Beginn an in ein negatives Licht rücken (hier weitere News aus Dortmund bei RUHR24 lesen).

Die Lösung der Neonazi-Anwälte: Sollte es keinen helleren Ausweichsaal für den Prozess geben, dann müssten die Wände im FZW hell gestrichen und auf den Tischen weiße Decken platziert werden.

Prozess gegen Rechtsextreme in Dortmund hat zweites Kuriosum

Mit dem Antrag am zweiten Prozesstag hat das Verfahren gegen die zehn Rechtsextremen sein zweites Kuriosum. Beim Auftakt am 25. Oktober wurde wegen eines Gerichtsfehlers nicht einmal die Anklageschrift vorgelesen.

Zehn Neonazis sind in Dortmund vor Gericht.

Der Grund: Nicht alle der rund 20 Verteidiger hatten vorab das Videomaterial erhalten, das der Journalist Robert Rutkowski unter anderem bei dem Neonazi-Umzug im September 2018 in Dortmund-Marten aufgezeichnet hatte – und das zeigen soll, wer wann antisemitische Parolen gerufen hat.

Konkret geht es um die Parole: „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit.“ Der Spruch ist bei Demos in Dortmund mittlerweile verboten. Den Beteiligten drohen zwischen drei Monaten und fünf Jahren Haft.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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