Video geht viral

Dortmund: Friseurin wegen Corona-Lockdown völlig am Ende: „Werden im Stich gelassen“

Eine Friseurin aus Dortmund macht ihrer Verzweiflung im Corona-Lockdown Luft. In dem emotionalen Video, das auf Facebook viral geht, appelliert sie auch an ihre Kollegen.

Dortmund – Dass Gastronomen und Dienstleister von der Corona-Krise besonders belastet sind, ist kein Geheimnis. In dem dramatischen Facebook-Video einer Friseurin aus Dortmund werden nun die Wut und die Trauer sichtbar.

StadtDortmund
Einwohner603.609 (2020)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Dortmund: Verzweifelte Friseurin macht Ärger über fehlende Corona-Hilfen in Facebook-Video Luft

Das Video, das die Friseurin Bianka Bergler aus Dortmund am Mittwoch (27. Januar) auf Facebook hochgeladen hat, ist Anklage und Appell zugleich. Sie ist wütend über ausbleibende Hilfen und die Bürokratie. Und sie ist verzweifelt, weil sie aktuell weder ihre Miete noch ihre Angestellten bezahlen kann. „Bitte teilt es mit der Welt“, schreibt sie darunter. Das Video wurde mittlerweile rund 25.000-mal geteilt und mehr als 3.000-mal kommentiert.

„Meine Zündschnur ist abgelaufen“, sagt Bergler mit brüchiger Stimme, „es ist noch keine Hilfe angekommen“. Sie habe fünf Mitarbeiter in ihrem Salon in Dortmund, die aber wüssten, dass sie in der Corona-Pandemie nicht in Vorkasse treten kann (alles News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de). „Also warten meine Mitarbeiter auf ihren Lohn.“ Weil die Rentenversicherung bereits abgebucht hat, könne sie nun noch nicht mal mehr die Miete für ihre Wohnung bezahlen. So wie ihr geht es derzeit vielen Selbstständigen in NRW.

Friseurin aus Dortmund klagt in Facebook-Video über die Agentur für Arbeit

Anlass für das Video sei aber ein Anruf bei der Agentur für Arbeit in Dortmund gewesen. Dort habe sie um Hilfe gebeten und auf einen Antrag auf Hartz-IV von Mitte Dezember 2020 verwiesen. Doch neben den vom Staat versprochenen Corona-Notfallhilfen in NRW gibt es auch da Probleme, sagte ihr die Frau am Telefon. Dabei hatte Bergler den Antrag doch von einem Steuerberater ausfüllen lassen.

Die Frau am Telefon sei zudem laut geworden und habe die Friseurin an die Politik verwiesen. Doch an die hätte man sich doch längst gewendet, sagt Bergler in dem Video: Offene Briefe an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sie bereits auf dem Facebook-Profil ihres Salons geteilt. Auch die Friseur-Innung habe sich gekümmert und es seien Petitionen gestartet worden.

Viele Menschen in Dortmund haben sich bereits im Corona-Lockdown 2020 arbeitslos gemeldet. (Symbolfoto)

„Ich bin nicht die einzige Unternehmerin, die mit dem Rücken zur Wand steht!“, sagt sie jetzt in dem Video. „Jahr für Jahr gehen wir hart arbeiten, kümmern uns um die Mitarbeiter, unsere Kunden, machen keinen Urlaub. Und jetzt werden wir alle im Stich gelassen!“, klagt die Friseurin. Auch Hygienemaßnahmen in ihrem Salon hat sie umgesetzt und auf das Tragen von Masken hingewiesen.

Virales Video von Friseurin aus Dortmund: Konto wegen Corona-Lockdown leer

Doch der Antrag auf Hartz-IV sei unvollständig gewesen, habe ihr die Frau von der Arbeitsagentur gesagt. Bergler bestreitet das in dem Video. Sie sei erst kürzlich in eine andere Wohnung gezogen, wo sie jetzt mit einer weiteren Person wohnt. Das müsse das Amt jedoch erst prüfen, bevor ihr das Geld ausgezahlt werden könnte. Doch mittlerweile ist ihr Geschäftskonto wegen des Corona-Lockdowns im Minus, das Privatkonto leer.

Die Friseurin wirft der Frau vom Amt deshalb Empathielosigkeit vor, sie sei am Telefon aber auch selbst ausgerastet. „Es geht hier nicht um ein Paar Schuhe, sondern um Lebensmittel. Wo ist die Hilfe, wenn man sie braucht?“, fragt sie. Am Ende des dramatischen Videos appelliert sie an ihre Kollegen und alle anderen, die in der Corona-Krise verzweifelt sind: „Schließt euch an, zeigt eure Gesichter und welche Probleme ihr habt in diesem Lockdown.“

Dortmund: Agentur für Arbeit rechnet in Corona-Krise nur mit langsamer Besserung

Die Pressestelle der Arbeitsagentur war für ein Statement bislang nicht zu erreichen. In einer Pressemitteilung vom 13. Januar zeichnet sie jedoch ein eher düsteres Bild. Denn im Herbst 2020 gab es zunächst die Hoffnung, „das Schlimmste überstanden zu haben“, wird Heike Bettermann zitiert. Sie ist Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund.

Welche Auswirkungen der zweite Lockdown bis vorerst Ende Januar auf dem Arbeitsmarkt haben wird, werde erst in den kommenden Wochen sichtbar. „Beschäftigung und Arbeitslosigkeit sind nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau“, sagt Bettermann in der Mitteilung. Besserung werde nur langsam kommen, fürchtet sie: „Wir müssen realistisch bleiben. In vielen Branchen wird es lange brauchen, um die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen.“ Das wird die Friseurin aus Dortmund nicht gerne hören. Jetzt heißt es durchhalten.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa, Bibi Haircutter/Facebook; Collage: RUHR24

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