Integration in den Arbeitsmarkt

Dortmund: Was seit 2015 aus den vielen Flüchtlingen geworden ist

Fünf Jahre ist es her, dass tausende Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland flüchteten und auch in Dortmund unterkamen. Was wurde aus ihnen?

  • Der Satz "Wir schaffen das" von Angela Merkel jährt sich zum fünften Mal.
  • Die Agentur für Arbeit Dortmund zieht in Bezug auf Flüchtlinge und den Arbeitsmarkt daher ein erstes Fazit.
  • Immer mehr Flüchtlinge schaffen es, Qualifikationen für einen Beruf zu erlangen.

Dortmund - Am 31. August 2015 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Satz, der bis heute im Kontext der Flüchtlingsbewegung nach Deutschland nachhallt: "Wir schaffen das!"

Hat es denn auch Dortmund geschafft, die tausenden Neubürger zu integrieren - etwa in den Arbeitsmarkt? Die Agentur für Arbeit hat nach fünf Jahren "Wir schaffen das" ein Fazit gezogen - und das könnte durchaus schlechter ausfallen, als man nach den zunächst eher schlechten Arbeitsmarktberichten aus Dortmund hätte vermuten können.

Dortmund: Zahl der sozialpflichtig Beschäftigten Asylbewerber stark gestiegen

Jedenfalls ist die Zahl der sozialpflichtig Beschäftigten Asylbewerber seit 2014 stark gestiegen. Das dürfte allerdings nicht verwundern, kamen ab 2015 tausende Flüchtlinge in die Ruhrgebietsstadt.

2014, also kurz vor der ersten Flüchtlingswelle in 2015, gingen 450 Geflüchtete einer sozialpflichtigen Beschäftigung in Dortmund nach. 2019 lag diese Zahl bei 3370 Personen - ein Anstieg um 685 Prozent.

Davon arbeiten 1.485 Personen als Fachkraft oder mit höherem Anforderungsniveau. 1.877 Personen waren als Helfer tätig. Die meisten Personen aus den Hauptherkunftsländern der Asylbewerber, die zwischen 2014 und 2019 in Beschäftigung gegangen sind, stammen aus Syrien, gefolgt vom Irak, Iran und Afghanistan.

Dortmund: Stadt nahm seit 2014 fast 10.000 Flüchtlinge auf

Aber wie viele Flüchtlinge gibt es in Dortmund eigentlich, bzw. viele Geflüchtete wurden der Stadt seit 2014 zugewiesen? Die Stadt hat in diesem Zusammenhang die Zahlen der Zuweisungen erfasst:

Jahr

Zuweisungen von Flüchtlingen

2014

857

2015

4147

2016

2704

2017

428

2018

1221

2019

208

Zusammengenommen wurden Dortmund zwischen 2014 und 2019 laut Angaben der Stadt also 9559 Flüchtlinge zugewiesen (Dortmund insgesamt hat knapp über 600.000 Einwohner). Und sie alle mussten integriert werden - sowohl in die Sprache als auch in den Arbeitsmarkt. 

Das Dortmunder Arbeitsamt will so viele geflüchtete Menschen zu Fachkräften ausbilden, wie es nur geht. "Davon profitieren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die gesamte Gesellschaft", erklärt die Geschäftsführerin des Jobcenters Dortmund, Dr. Regine Schmalhorst.

Dortmund: Flüchtlinge brauchen Zeit, um in den Arbeitsmarkt zu kommen

Doch bis es so weit ist, so realistisch ist auch das Arbeitsamt, braucht es Zeit. Eine Sprache und ein Beruf, der Fachkenntnisse erfordert, sind nicht im Handumdrehen erlernt. Das wiederum spiegelt sich in den aktuellen Arbeitslosenzahlen wider.

2015 wurden die ersten in Dortmund angekommenen Flüchtlinge am Hauptbahnhof mit warmem Applaus empfangen.

Im Juli waren 3.919 Personen im Kontext von Fluchtmigration in Dortmund arbeitslos gemeldet. Zum Vergleich: In ganz Dortmund gab es im Juli 38.290 Arbeitslose. Demnach waren im Juli 10,24 Prozent aller Arbeitslosen in Dortmund Flüchtlinge.

Dortmund: Über 5000 unterbeschäftigte Flüchtlinge 

Wichtig jedoch ist es, zu dieser Zahl auch die Zahl der Unterbeschäftigten zu zählen. In der Unterbeschäftigung ist neben der Zahl der Arbeitslosen die Zahl der Personen enthalten, die zum Beispiel an Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik oder Sprachkursen teilnehmen.

Im April 2020 lag die Zahl der unterbeschäftigten Flüchtlinge in Dortmund bei 5242. Insgesamt waren im April 2020 exakt 47.256 Personen in Dortmund unterbeschäftigt. Flüchtlinge machen also 11,09 Prozent dieser Zahl aus.

Förderstatistik von Personen im Fluchtkontext

Ist die deutsche Sprache im Rahmen der Grundqualifizierung einmal erlernt, beginnen 25 Prozent der Geflüchteten in Dortmund eine weitergehende Qualifizierung oder Umschulung. Im Bereich des Handwerks und Verkauf liegt diese Zahl sogar bei 35 Prozent - wie das Beispiel eines Irakers zeigt, der in Dortmund jetzt sogar vier Arbeitsplätze geschaffen hat. Im Bereich Berufskraftfahrer und im Lager nahmen nach der Grundqualifizierung sogar mehr als 50 Prozent eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf.

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