Wirtschaft

Dortmunder Chip-Hersteller „Elmos“ darf nicht an China-Konzern verkauft werden

Ein Konzern aus China will einen Chip-Hersteller aus Dortmund übernehmen. Ist das gefährlich? Und wenn ja, für wen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Update, Mittwoch (9. November), 11.45 Uhr: Das Bundeskabinett hat den Verkauf einer Chipfertigung des Dortmunder Unternehmens Elmos an einen chinesischen Investor untersagt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch (9. November) aus Regierungskreisen. Dortmunds Oberbürgermeister Westphal (SPD) kritisiert diese Entscheidung.

UnternehmenElmos Semiconductor SE
AdresseHeinrich-Hertz-Straße 1, 44227 Dortmund
BrancheHalbleiterhersteller

Update, Dienstag (8. November), 11.05 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will den Verkauf einer Chipfertigung des Dortmunder Unternehmens Elmos an einen chinesischen Investor untersagen. Das verlautete am Dienstag (8. November) aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Ministerium habe dem Bundeskabinett die Untersagung des Erwerbs vorgeschlagen. Habeck sehe Übernahmen im Bereich von Halbleiterfertigung und Chipproduktion kritisch.

Der Erwerb würde eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit Deutschlands begründen.

China-Deal mit Firma aus Dortmund: Wie gefährlich ist der Verkauf vom „Elmos“?

Update, Dienstag (8. November), 6.55 Uhr: Die Bundesregierung wird den Verkauf der Chipfertigung des Dortmunder Unternehmens Elmos nach China Firmenangaben zufolge wohl verbieten. Diese Entscheidung werde voraussichtlich in der Kabinettssitzung am Mittwoch getroffen, teilte Elmos am Montag (7. November) mit. 

Zu den Gründen der Entscheidung wurde nichts bekanntgegeben. Elmos entwickelt, produziert und vertreibt Halbleiter vornehmlich für den Einsatz im Auto.

Erstmeldung, Sonntag (30. Oktober), 14 Uhr: „Chinesen wollen deutsche Chip-Fabrik“, „Geheimdienst warnt vor Verkauf Dortmunder Chip-Fabrik“, „Bundesregierung ist sich einig – Chinesen wollen deutsche Chip-Fabrik“– es sind diese Schlagzeilen um die Firma „Elmos“ in Dortmund, die aktuell für Aufruhr in Deutschland sorgen. RUHR24 erklärt, warum die Aufregung so groß ist und wie gefährlich eine Übernahme der Dortmunder Chip-Fabrik durch einen Konzern aus China wäre.

Worum geht es? Die Firma „Elmos“ mit Sitz nahe der Technischen Universität (TU) in Dortmund stellt unter anderem Halbleiter her, also elektronische Bauteile, die vor allem in der Automobilindustrie genutzt werden. Halbleiter sind Bestandteile von Chips, die in Autos zum Beispiel in Steuergeräten den Antrieb und das Fahr- oder Bremsverhalten regeln.

Bereits im Dezember 2021 verkündete „Elmos“, dass das Unternehmen seine sogenannte „Waferfertigung“ (siehe Infobox unten) an die schwedische Firma „Silex“ für rund 85 Millionen Euro verkaufen wolle. „Silex“ ist den Angaben aus Dortmund zufolge ein Tochterunternehmen des chinesischen „Sai“-Konzerns.

Was sind „Wafer“ in der Halbleiterfertigung?

Als Wafer werden in der Halbleiterfertigung die Scheiben bezeichnet, auf denen die integrierten Schaltkreise, die Mikrochips, hergestellt werden.

So weit die Eckdaten. Aber was ist das Problem? Kritiker wie aktuell der Bundesverfassungsschutz befürchten, neben dem Know-how für die Herstellung dieser Chips könnten auch Produktionskapazitäten verloren gehen. China kaufe sich demnach gezielt in Industrien ein, um Druck auf einzelne Länder ausüben zu können.

Angst vor China-Übernahme deutscher Firma in Dortmund

Insgeheim besteht bei Kritikern die Angst, Deutschland könne sich durch Verkäufe dieser Art von autoritär geführten Ländern wie China abhängig machen. Eine ähnliche Debatte hatte es jüngst um ein Terminal im Hamburger Hafen gegeben, an dem eine chinesische Firma Anteile kaufen will.

Ein 300-Millimeter-Wafer im Reinraum der neuen Halbleiterfabrik von Bosch. Auch „Elmos“ in Dortmund produziert dieser Wafer.

Indes sieht das Bundeskanzleramt um Olaf Scholz (SPD) nicht das Problem. Die Chiptechnologie von „Elmos“ sei überholt, es bestehe keine Gefahr durch Abfluss von Know-how, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf das Bundeskanzleramt und das Bundeswirtschaftsministerium. Die Prüfung des geplanten Verkaufs sei nach Angaben aus Regierungskreisen aber noch nicht abgeschlossen, hieß es am Donnerstag (27. Oktober).

Laut der Außenwirtschaftsverordnung müssen Deals dieser Art geprüft werden, weil Dortmunder Firmen wie „Elmos“ zu den sensiblen Wirtschaftsbereichen gehören. Übernahmen und Beteiligungen aus einem Nicht-EU-Land seien demnach dahingehend zu prüfen, ob eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit drohe. Nach allem, was aktuell bekannt ist, scheint dies nicht der Fall zu sein.

„Elmos“ aus Dortmund verweist auf veraltete Technik – Nachfrage nach kleineren Chips wächst

„Elmos“ selbst will derzeit keine Stellung zu dem möglichen Verkauf nehmen. In einem Papier des Unternehmens, das RUHR24 vorliegt, heißt es aber, dass die Nachfrage nach den in Dortmund produzierten Wafern nachlasse, weil die weltweite Nachfrage nach kleineren Exemplaren inzwischen deutlich größer sei. (Hier weitere Dortmund-News bei RUHR24 lesen)

Der Halbleiterhersteller „Elmos“ hat seinen Firmensitz an der Heinrich-Hertz-Straße 1 in Dortmund, direkt an der Technischen Universität.

Diese kleineren Wafer wiederum können am Standort Dortmund aktuell nicht gebaut werden, betont „Elmos“. Das Unternehmen befürchtet in dem Papier, dass das Werk in Dortmund bei Festhalten an der aktuellen Produktion nicht genug Umsatz machen könne.

Aktuell befindet sich das Unternehmen laut eigenen Angaben auf Wachstumskurs. Inzwischen werden am Standort Dortmund auch medizinische Produkte wie Blasenkatheder oder Hirndruckmesser hergestellt.

„Elmos“ verkauft nur Wafersparte, nicht die komplette Produktion

Wichtig: Elmos wolle nur seine Wafer-Sparte an „Silex“ und damit an den chinesischen Konzern „Sia“ verkaufen. Dieser habe für die in Dortmund hergestellten Wafer einen größeren Abnehmerkreis. Die restliche Produktion bleibe in der Hand der Dortmunder Firma. Und: „Elmos“ bleibe Eigentümerin der Gebäude und vermiete den Reinraum auf Basis eines langfristigen Mietvertrags an „Silex“.

„Silex“ kündigte indes an, die Waferfertigung in Dortmund fortzuführen und auszubauen, was wiederum eine gute Nachricht für die Mitarbeiter sein dürfte.

Rubriklistenbild: © Hans Blossey/Imago

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