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Westphal fordert Dortmunder auf, weiter zu sparen: „Effekte nicht stapelbar“

Der Gasverbrauch in Dortmund liegt im Soll. Jetzt heißt es weiter Energie zu sparen, warnt Oberbürgermeister Westphal – und befürchtet neue Engpässe.

Dortmund – Etwas weniger heizen, kürzer duschen und einen Pulli überziehen: Die Menschen in Dortmund haben die Energiespar-Tipps offenbar verinnerlicht. Deutlich steigende Strom- und Gaspreise der DEW21 tun sicher ihr Übriges. Trotzdem warnte Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) davor, die Sparziele zu verfehlen.

Dortmund muss weiter Energie sparen: Westphal warnt vor Verfehlen der Ziele

Diesen Oktober haben die Menschen in Dortmund 34 Prozent weniger Energie verbraucht, als im Oktober 2021. Bei vielen habe das zur Diskussion geführt, mit dem Sparen nachzulassen. „Das wäre falsch“, sagte Westphal am Dienstag (22. November) bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands im Dortmunder Rathaus.

„Die Spareffekte sind nicht stapelbar in dem Sinne: ‚Was ich habe, habe ich‘.“ Im Gegenteil: Das Polster sei „schneller weg, als wir gucken können“, warnt Westphal. Für den Dezember soll es in Dortmund Energiegeld der DEW21 geben.

Er fordert auch die Bürger auf, weiter zu sparen. „Wenn wir jetzt alle die Heizung wieder aufdrehen, weil es ja auch kühler wird, dann könnten die Sparziele schnell dahinschmelzen.“

Dortmunds OB befürchtet Engpässe bei LNG-Schiffen und kritisiert Gaspreisdeckel

Experten gehen mittlerweile davon aus, dass auch 20 Prozent Einsparung gegenüber 2021 kaum ausreichen, um mit dem Gas über den nächsten Winter zu kommen. Westphal sagt dazu: „Es sieht für den Moment gut aus, wenn wir am Ball bleiben. Es geht aber nicht nur um diesen Winter.“ Im nächsten Jahr werde das russische Pipelinegas nicht mehr zur Verfügung stehen.

Außerdem fürchtet er einen weiteren Engpass, der die geplanten LNG-Terminals in Norddeutschland betrifft. Denn die Schiffe, die dort das Flüssiggas speichern sollen, würden überwiegend in Nordkorea und China gebaut. Dort gibt es aber nur fünf Werften, die das können.

Kapazitäten reichen nicht überall aus: Westphal befürchtet Engpässe

Laut Wirtschaftswoche reichen deren Kapazitäten bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Zudem gehen viele Schiffe an Länder mit hohem Förderaufkommen, etwa in das auch wegen der Fußball-WM umstrittene Katar.

Westphal sieht darin ein kommendes Problem neuer Abhängigkeiten. „Wir verfügen nicht über Energiesouveränität und gleichzeitig auch nicht über die Transportsouveränität.“ Dieses Problem lässt sich kaum in Dortmund lösen, betrifft die Stadt aber trotzdem. Die Lösung? „Wir müssen zur alten Diskussion um Werften in Europa zurückkehren“, sagt er. Auch der Gaspreisdeckel der Bundesregierung sei nicht der gewünschte Befreiungsschlag, befindet Westphal.

Wettbewerb zum Energiesparen in Dortmund

Für Unternehmen in Dortmund startet die Wirtschaftsförderung einen Wettbewerb. Auch hier sollen möglichst schnell mindestens 20 Prozent Energie eingespart werden.

Es werden Prämien ausgelobt. Bewerbungsschluss ist der 12. Dezember 2022.

Rubriklistenbild: © Rupert Oberhäuser/Imago

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