Stoff wird verschickt

„Zauberpilze“ und neue Droge aus der Post gefischt: Zoll Dortmund warnt vor übler Wirkungen

Auch in NRW ist eine neue Droge im Umlauf. Beamte des Zollamts in Dortmund warnen jetzt vor den heftigen Nebenwirkungen des Stoffs. Auch „Zauberpilze“ haben sie aus der Post gefischt.

Dortmund – Sie werden „Magic Mushrooms“ oder „Zauberpilze“ genannt: Pilze, die die psychoaktive Substanz Psilocybin enthalten. 200 Sets für die Anzucht solcher Pilze haben Ermittler des Hauptzollamts Dortmund allein in den vergangenen vier Wochen aus der Post gefischt. Auch eine neue synthetische Droge fanden die Ermittler.

Dortmund: Zoll fischt „Zauberpilze“ aus der Post und warnt vor neuen Drogen

Dazu durchsuchten Zollbeamte aus Dortmund stichprobenartig Pakete in den Verteilerzentren rund um Dortmund. Dazu darf die Behörde Sendungen öffnen lassen und prüfen, ob etwa verbotene Waren enthalten sind. Insgesamt rund 20 Kilogramm Drogen stellten die Behörden dabei zuletzt sicher.

Unter anderem entdeckten sie in den Paketen sogenannte Growkits, mit denen man die „Zauberpilze“ selbst anbauen kann*. Nach dem Verzehr lösen diese einen heftigen Trip aus. Diese Sets waren aus den Niederlanden auf dem Weg nach Polen, sind in Deutschland aber verboten.

Verbotene Growkits wie dieses hat der Zoll Dortmund aus der Post gefischt.

„Der Wert der Pflanzsets liegt bei über 6.000 Euro. Der Gesamtertrag hätte bei über 80 Kilo Zauberpilzen gelegen“, teilt das Hauptzollamt Dortmund am Montag (13. September) mit. Macht bei 200 Sets nur 30 Euro pro Stück.

Zoll Dortmund warnt vor Metaphedron (3-MMC) – in den Niederlanden noch legal

Vor allem fanden die Ermittler bei den Überprüfungen auch das Betäubungsmittel Methylmethcathinon, auch bekannt als 3-MMC. Aber was ist das eigentlich für ein Zeug, das da per Post durch Deutschland verschickt wird? Metaphedron (3-MMC) ist wie das seit 2010 verbotene Mephedron (4-MMC) ein synthetisch hergestelltes Amphetamin. Es gehört zu den Cathinon-Derivaten.

Diese noch recht neuen Freizeit-Drogen kamen Mitte der 2000er-Jahre erstmals unreguliert auf den Markt. Ihre Wirkung gleicht der von MDMA und LSD: Es macht euphorisch, empathogen und stimuliert.

Die Krux an der Sache: In den Niederlanden ist 3-MMC derzeit noch legal und wird von dort aus in andere Länder verschickt, berichtet VICE. In Deutschland sind alle Cathinone per Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz längst verboten.

Zoll Dortmund warnt vor heftigen Nebenwirkungen von Amphetaminen

Wer sich also etwa im Corona-Lockdown einen netten Abend machen wollte, der griff teilweise zu diesen neuen Freizeitdrogen, die man sich einfach per Post liefern lassen konnte. Richtig viel Spaß dürfte 3-MMC auf Dauer jedoch nicht machen.

Denn die Nebenwirkungen von Metaphedron (3-MMC) sind dramatisch:

  • Hitze- oder Kältegefühl
  • Herzrasen
  • Zähneknirschen
  • Augen- und Muskelzucken
  • Schwindel
  • Schlaflosigkeit

Weil die Droge als weißes Pulver meist oral oder über die Nase konsumiert wird, sind Nasenbluten oder ein Brennen im Rachen nicht selten. Psychische Nachwirkungen wie Trunkenheitsgefühl, Müdigkeit oder Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses können laut Zollamt Dortmund noch mehrere Tage nach Konsum auftreten.

Zoll Dortmund findet neue Drogen: Suchgefahr höher als bei MDMA

Einmal genommen, verselbstständigt sich das ganze recht schnell, warnt der Zoll: „Wie bei anderen ähnlichen Cathinonen auch ist das Craving (die Gier nach der Substanz, ‚Nachlegedrang‘) sehr stark ausgeprägt.“

Dabei sei die Suchtgefahr deutlich höher, als bei vergleichbaren Drogen wie MDMA oder Methylon (MDMC). Wirklich kontrollieren lässt sich der Konsum somit nicht.

Darüber hinaus steigt die Gefahr, dass der Zoll das Paket abfängt: „Auch der Postversand innerhalb der EU wird regelmäßig kontrolliert“, sagt Andrea Münch, Pressesprecherin des Hauptzollamts Dortmund. Seit 2014 ist es strafbar, solche Stoffe in Deutschland zu erwerben oder zu besitzen.

*In einer früheren Version dieses Artikels konnte der Eindruck entstehen, 3-MMC ließe sich mit Growkits herstellen. Das ist nicht der Fall, da es sich dabei um eine synthetische Droge handelt. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Du hast ein Suchtproblem?

Du hast ein Suchtproblem oder sorgst dich um Freunde oder Verwandte? Hilfe bei Drogenabhängigkeit bietet das Suchthilfeverzeichnis oder die anonyme Sucht- und Drogenhotline unter 01806/313031 (20 Cent aus dem Festnetz/max. 60 Cent per Mobilfunk).

Rubriklistenbild: © Zoll Dortmund; Collage: RUHR24

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