Wilhelmplatz soll aufgewertet werden

Umbau-Trick an Neonazi-Treffpunkt in Dortmund: Wie ein unscheinbarer Plan für Ruhe sorgen könnte

Der zentrale Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld könnte demnächst einen Spielplatz bekommen.
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Der zentrale Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld könnte demnächst einen Spielplatz bekommen.

Teile von Dortmund-Dorstfeld gelten als Neonazi-Hotspot. Auch der zentrale Wilhelmplatz wird von der Szene aufgesucht. Ein Trick könnte dort für Ruhe sorgen.

  • Die Stadt Dortmund will am zentralen Wilhelmplatz im Stadtteil Dorstfeld einen Spielplatz bauen.
  • Die Pläne tauchten im vergangenen Jahr bereits auf - aus dem Mund eines CDU-Stadtbezirksvertreters.
  • Hintergrund für die Pläne könnte auch das Vorgehen gegen die örtliche Neonazi-Szene sein.

Dortmund - Die Stadt Dortmund kämpft seit Jahren gegen einen Haufen von Rechtsextremen und Neonazis, die sich im Stadtteil Dorstfeld niedergelassen hat. Teile der Szene bewohnen Appartments in zwei Straßen, zeigen aber auch auf den Plätzen des Stadtteils Präsenz - etwa auf dem Wilhelmplatz.

Neonazi-Szene trifft sich an zentralem Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld

Die Fläche liegt zentral im Herzen von Dortmund-Dorstfeld. Hier halten zwei Straßenbahnlinien, die ins Herz der Innenstadt fahren. Rundherum befinden sich Geschäfte des täglichen Bedarfs. Wer in Dorstfeld wohnt, kommt fast immer unweigerlich am Wilhelmplatz vorbei - und muss dort nicht selten mit der Neonazi-Szene Vorlieb nehmen.

Doch das könnte sich bald ändern. Jedenfalls weisen Pläne der Stadt Dortmund darauf hin. So veröffentlichte sie am 15. April eine Pressemitteilung mit dem unscheinbaren Titel "Umgestaltung mit neuen Spielmöglichkeiten auf dem Wilhelmplatz in Dorstfeld".

Dortmund: Spielplatz auf Wilhelmplatz geplant - Trick gegen Rechtsextreme?

In dem Schreiben heißt, der Wilhelmplatz solle "als Aufenthaltsort aufgewertet und attraktiver werden." Erste Ideen, die das Grünflächenamt im Jahr 2022 konkretisieren soll, sehen einen Trampolinpark für Kinder und Jugendliche sowie "Spielpunkte unter den vorhandenen Kirschbäumen" vor.

Diese Fläche soll am Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld umgestaltet werden.

Die Pläne für die Spielflächen auf dem Wilhelmplatz gleichen sich in gewisser Weise mit einem Vorschlag eines Dortmunder CDU-Politikers aus dem Jahr 2019. Im März jenen Jahres schlug Jörg Tigges als Fraktionssprecher der CDU Innenstadt-West in Dortmund die Umwidmung des Wilhelmplatzes in einen Spielplatz vor.

CDU-Mann aus Dortmund: Platz-Umbau als Schachzug gegen Neonazis

Durch diesen Schachzug, so die Pläne des Rechtsanwalts, würden auf dem Wilhelmplatz - so wie auf Spielplätzen üblich - Rauch- und Alkoholverbot gelten. Die Polizei könnte zudem Aufenthaltsverbote aussprechen. So hoffte Tigges, die auf dem Wilhelmplatz häufig anzutreffenden Rechtsextremen aus dem Blickfeld der Bürger verschwinden zu lassen.

Das wäre nicht die erste Aktion, die sich gegen die Szene in Dortmund-Dorstfeld richtet. Im vergangenen Jahr bereits ließen Stadt und Polizei ein großes Graffito mit der Aufschrift "Nazi-Kiez" in der Nähe des Wilhelmplatzes übermalen.

Polizeipräsident Gregor Lange hat in Dortmund einen Rückschlag erlitten. Denn die Videoüberwachung des sogenannten "Nazi-Kiez" ist gerichtlich nicht erlaubt - trotzdem macht er eine Ansage. 

Polizei in Dortmund geht mit Repressalien gegen Neonazis vor

Außerdem müssen sich Rechtsextreme in Dorstfeld auf weitere Repressalien seitens der Dortmunder Polizei einstellen. Polizeipräsident Gregor Lange ordnete im Januar dieses Jahres an, dass der selbsternannten "Nazi-Kiez" an der Emscherstraße künftig videoüberwacht werden soll.

Dieser und auch die Umbaupläne für den Wilhelmplatz sollen dafür sorgen, dass Dorstfelds Zentrum ein Ort des öffentlichen Lebens mit Räumen für Begegnung und Aufenthalt ist. "In seiner jetzigen Form erfüllt er diese Qualität nicht", heißt es dazu von der Stadt Dortmund.