Covid-19-Pandemie

Steigende Corona-Patienten-Zahlen in Kliniken: Dortmund kündigt drastischen Schritt an

Dr. Frank Renken hat zwei Corona-Hotspots in Dortmund ausgemacht.
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Frank Renken, Chef des Gesundheitsamt, bereitet sich in Dortmund auf schlimme Corona-Szenarien vor.

Immer mehr Menschen liegen mit Corona in einem Krankenhaus in Dortmund. Sinken die Zahlen nicht, muss die Stadt Behelfskrankenhäuser ins Leben rufen.

Dortmund - Mit den steigenden Corona-Neuinfektionen steigt in Dortmund auch die Zahl der Personen, die in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Beginn der Pandemie, als die Intensivbetten noch weitestgehend frei geblieben waren.

Name des VirusCoronavirus / Sars-Cov-2
Ausgelöste KrankheitCovid-19
ÜbertragungTröpfcheninfektion

Coronavirus in Dortmund: Stadt bereitet sich auf Schlimmste vor

Doch inzwischen müssen immer mehr Menschen in Dortmund mit dem Coronavirus in Krankenhaus. Waren am 5. Oktober keine Patienten mit Corona auf einer Intensivstation in Dortmund, meldete die Stadt auf einer Pressekonferenz am Montag (2. November) 22 Coronapatienten auf Intensivstationen - 17 davon mit Beatmung.

Die Stadt ist aktuell dabei, die Zahl der Krankenhausbetten in Dortmund zu erfassen, die für Corona-Patienten genutzt werden können. Derzeit sind es laut Dr. Frank Renken, Chef des Dortmunder Gesundheitsamts, 800 Betten. Davon können aktuell etwa 100 für Intensivpatienten genutzt werden. Derzeit (Stand 2. November) sind also etwa 22 Prozent der Corona-Intensivbetten belegt - Tendenz steigend. Die Stadt könnte die Kapazität auf 200 aufstocken. Aber dann wird es schon eng.

Beatmungsgeräte in Dortmund eingetroffen - doch es fehlt das Personal zum Bedienen

Beruhigend: Während zu Beginn der Pandemie noch Beatmungsgeräte fehlten, sind die fehlenden Exemplare inzwischen in den Krankenhäusern eingetroffen. „Was limitierend ist, ist jedoch das Personal“, warnt Frank Renken. Es gäbe zu wenige Ärzte und zu wenige Pfleger.

Die Anzahl der Intensivplätze für Coronapatienten auf mehr als 200 zu steigern, würde der Stadt allerdings laut Renken „große Probleme“ bereiten. Das Personal, so der Gesundheitsamtschef, müsste zur Not aus anderen Bereichen abgezogen werden. Ähnliche Engpässe auf Intensivstationen melden auch andere Städte in NRW.

Krankenhäuser in Dortmund können bestenfalls 1800 Coronapatienten versorgen

Die Krankenhäuser in Dortmund sind aktuell dabei, sich auf das Schlimmste vorzubereiten, prüfen, wo welches Bett für Coronapatienten genutzt werden könnten. Insgesamt, so Frank Renken, könnte Dortmund auf 1800 Betten für Coronainfizierte kommen. Darin eingerechnet sind Betten in sogenannten Behelfskrankenhäusern, die zum Beispiel in der Westfalenhalle errichtet werden könnten. „Wir haben die Planungen dafür wieder aufgenommen“, bestätige Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner bei einer Pressekonferenz am Montag.

Video: Chef der Covid-Taskforce: Krankenhäuser bald überlastet

Doch für den Betrieb solcher Behelfskrankenhäuser bräuchte es entsprechendes Personal - das es in Dortmund aber nicht gibt. „Der Arbeitsmarkt ist leer“, so Frank Renken. Alles, was zu kriegen sei, würde bereits in Dortmund in Krankenhäusern arbeiten. Und wer würde dann in den Behelfskrankenhäusern zum Einsatz kommen? Renken: „Zur Not müssen wir auf Menschen im Ruhestand zurückgreifen oder auf Personal von Wohlfahrtsorganisationen.“

Dortmund will nicht warten, bis der Corona-Mini-Lockdown vorbei ist

Die Stadt scheint sich schon jetzt auf das Ärgste einzustellen, will nicht erst warten, bis die vier Wochen Lockdown-Light vorbei sind. Sollten die Zahlen wieder fallen, hätte die Stadt nichts verloren. Zoerner: „Das sind Planungen, die man in anderen Situationen aus dem Schrank holen könnte“.

Während sich die Krankenhäuser auf einen heißen Herbst vorbereiten, bereitet sich das Ordnungsamt der Stadt auf strenge Kontrollen im November vor. 50 Kräfte sind bereits im Einsatz, 30 weitere sollen neu eingestellt werden. Seit Montag (2. November) laufen Einstellungsgespräche. Sieben Kräfte sollen innerhalb der Verwaltung „verschoben“ werden, um im Außendienst zu arbeiten.

Coronavirus: Stadt muss zwölf Gaststätten in der Nordstadt schließen

Hier werden es die Mitarbeiter vor allem mit Kontrollen im Bereich der Gastronomie zu tun haben. Heißt: Es muss geprüft werden, ob geöffnete Gastronomien einen To-Go-Service anbieten. Andernfalls dürften diese nicht öffnen.

Am Wochenende gab es auf Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung bereits eine erste Kostprobe. Allein in der Münsterstraße in der Nordstadt von Dortmund mussten laut Rechtsdezernent Norbert Dahmen zwölf Betriebe geschlossen werden, weil sie gegen die Corona-Maßnahmen verstoßen hatten. Zwei davon wurden sogar amtlich versiegelt, dürfen nicht mehr betreten werden (Hier mehr Corona-News aus NRW auf RUHR24.de lesen).

Unterdessen kritisiert Frank Renken, dass sich viele Reiserückkehrer nicht - wie laut Coronaschutzverordnung vorgeschrieben - auf das Virus testen lassen würden. So würden unerkannte Infektionen eingeschleppt, die Pandemie damit weiter befeuert. Dabei seien Coronatests für Reiserückkehrer gratis und in der Regel ohne Termin zu haben. Es kommt also auf die Eigenverantwortung an. Renken: „Da sind wir darauf angewiesen, dass Menschen verantwortungsbewusst damit umgehen. Da sind wir allesamt in der Hand derjenigen, die zurückkommen.“

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