Bedürftige in Zeiten von Covid-19

"Gerade mal zwei Duschen": Linke und Grüne in Dortmund schlagen Alarm und fordern Hilfe für Obdachlose 

Linke und Grünen fordern schnelle Hilfe für Obdachlose in Dortmund wegen des Coronavirus
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Linke und Grüne fordern schnelle Hilfe für Obdachlose in Dortmund wegen des Coronavirus.

Politiker von Linke und Grünen kritisieren die aktuellen Zustände für Obdachlose in Dortmund. Sie fordern wegen der Coronavirus-Krise schnelle Maßnahmen.

  • Die Einschränkungen durch das Coronavirus trifft Obdachlose besonders hart.
  • Die Linke und die Grünen fordern daher schnelle Handlungsmaßnahmen.
  • In Dortmund mangelt es vor allem an Duschmöglichkeiten für Obdachlose

Dortmund - Wegen der Ausbreitung des Coronavirus mussten Einrichtungen wie die Tafel oder Suppenküchen schließen - auch in Dortmund. Diese Maßnahme trifft vor allem Obdachlose besonders hart. Es bestehe daher dringend Handlungsbedarf, so die Vertreter von Linke und Grüne in Dortmund.

Coronavirus in Dortmund: Waschmöglichkeiten für Obdachlose benötigt

Zum einen müsse die Versorgung mit Mahlzeiten garantiert werden, zum anderen spielen aber auch Waschmöglichkeiten für Bedürftige eine wichtige Rolle in Zeiten der Coronavirus-Krise (Live-Ticker NRW).

"Gerade in diesen Zeiten von Covid-19 ist eine regelmäßige Hygiene überlebenswichtig. Das gilt insbesondere für die Menschen, die auf der Straße leben. Sie sind durch ihre Lebensumstände eine besonders gefährdete Risikogruppe", sagte Ulrich Langhorst, Fraktionssprecher der Grünen in Dortmund.

Nur zwei Duschen für Obdachlose in Dortmund

In Dortmund, wo jetzt das Coronavirus im Klinikum neu augebrochen ist, gibt es nach Angaben der beiden Parteien nur zwei Duschen in der Zentralen Beratungsstelle der Diakonie in der Rolandstraße. "Für über 500 obdachlose Menschen und vor dem Hintergrund eines Ansammlungsverbots aus Gründen des Infektionsschutzes ist das entschieden zu wenig", kritisiert Utz Kowalewski, Sprecher der Fraktion Die Linke.

Der Meinung, dass zwei Duschen für mehrere hundert Obdachlose vorne und hinten nicht ausreichen, schließen sich die Grünen in einer Mitteilung an die Dortmunder Verwaltung an.

Dortmund: Duschen wegen des Coronavirus so schnell wie möglich zugänglich machen

Die Partei fordert daher die Stadt Dortmund auf, bereits vorhandene zusätzliche Waschmöglichkeiten wegen des Coronavirus so schnell wie möglich, für die Obdachlosen zugänglich zu machen. 

Das sei sowieso längst überfällig. Einem entsprechenden Antrag der Grünen wurde im Rat in Dortmund bereits im Dezember 2019 zugestimmt. In einer ehemaligen Flüchtlingsunterkunft in der Nordstadt sollte ein Waschcafé für Bedürftige entstehen. Bis jetzt ist allerdings noch nichts passiert. 

Dabei sind dort bereits Duschen vorhanden, die sofort nutzbar wären. Gleiches gelte auch für eine Einrichtung in der Leuthardstraße in Dortmund. Waschmöglichkeiten stehen hier zurzeit leer, so der Sprecher der Grünen.

In der Covid-19-Pandemie hat die Stadt Dortmund zudem drastische Bußgelder gegen Obdachlose verhängt. Grund waren angebliche Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung des Landes NRW.

"Unkontrollierte Anlaufpunkte" - Stadt Dortmund äußert Bedenken wegen Coronavirus

Die Verwaltung hatte jedoch zuletzt Bedenken geäußert, dass an den entsprechenden Stellen unkontrollierte Anlaufpunkte für Obdachlose in Dortmund entstehen könnten und deshalb bislang nichts unternommen.

"Wir halten die Gefahr und Risiken durch nicht vorhandene Hygienemöglichkeiten für wohnungs- und obdachlose Menschen jedoch momentan für sehr viel größer", sagte Ulrich Langhorst. Er fordert deshalb, dass die Duschmöglichkeiten schnellstmöglich zur Verfügung gestellt werden.

Coronavirus in Dortmund: Linke weiten Forderung für Hilfsmaßnahmen weiter aus

Diesem Appell schließt sich die Linke an und weitet ihre Forderung an die Verwaltung der Stadt Dortmund sogar noch auf weitere bedürftige Personengruppen und entsprechende Hilfsmaßnahmen aus.

Von den Konsequenzen der Coronavirus-Krise seien nicht nur Obdach- und Wohnungslose in Dortmund betroffen, sondern auch Hartz IV-Empfänger, 450-Euro-Kräfte und Geringverdiener, so der OB-Kandidat der Linken, Utz Kowalewski

Ihm reichen daher die finanziellen Hilfen von Land und Bund nicht aus, er fordert auch die Anbieter von Strom, Gas und Wasser auf, in diesen Zeiten auf Sperren zu verzichten.

Die Linken in Dortmund kritisieren Verhalten von Bund und Land in Hinblick auf das Coronavirus

Und seine Liste geht noch weiter. So sieht der Politiker auch einen Mangel an menschenwürdigen Unterkünften

"Einige Übernachtungseinrichtungen aus der Zeit des größeren Flüchtlingsaufkommens stehen derzeit leer. Die ein oder andere könnte man sicher zu einem Notquartier umfunktionieren, das im Fall der Fälle auch ausreichend große Quarantäne-Zonen zu bieten hat. Solche Rückzugsorte fehlen auch in vielen Flüchtlings- oder Altenheimen. Dort können mögliche Infizierte aus räumlichen Gründen oft gar nicht isoliert werden" sagt der Fraktionssprecher der Linken

Er kritisiert, dass Land und Bund hier trotz Kenntnis einer kommenden Pandemie keinerlei Vorsorge getroffen hätten und fordert daher die Stadt Dortmund auf längst überfällige Beschlüsse in dieser Hinsicht umzusetzen.

Coronavirus in Dortmund: Soziale Ungleichheit darf sich nicht weiter vertiefen

Man müsse derzeit mehr denn je darauf achten, dass sich die soziale Ungleichheit durch das Coronavirus nicht noch weiter vertieft, so Utz Kowalewski.

Und bis die Verwaltung der Stadt Dortmund in die Puschen kommt, haben sich inzwischen zahlreiche ehrenamtliche Initiativen in Dortmund gebildet, die erste Maßnahmen wie zum Beispiel einen Gabenzaun für Obdachlose ins Leben gerufen haben. Ein solcher Zaun wurde unter anderem am Dortmund U etabliert. Hier können Menschen Kleider-, Lebensmittel- oder Tierfutterspenden für Bedürftige anbringen.