440 Arbeitsplätze bedroht

Flughafen Dortmund wegen Coronavirus in seiner Existenz bedroht - Betriebsrat empört über Freude von Lärmschützern

Flughafen Dortmund wegen Coronavirus in seiner Existenz bedroht - Betriebsrat empört über Freude bei Anwohnern.
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Flughafen Dortmund wegen Coronavirus in seiner Existenz bedroht - Betriebsrat empört über Freude bei Anwohnern.

Der Flughafen Dortmund steht wegen der Coronavirus-Krise vor dem Ruin. Darüber gibt es auch Freude - was beim Betriebsrat für Empörung sorgt.

  • Wegen des Coronavirus* ist der Flughafen Dortmund in seiner Existenz bedroht.
  • Von Seiten der Schutzgemeinschaft Fluglärm scheint eine Art Erleichterung zu herrschen.
  • Der Betriebsrat des Airports hat deshalb einen offenen Brief verfasst und eine Kampfansage gesendet. 

Dortmund - Der Flughafen Dortmund hat aufgrund der Coronavirus-Pandemie seinen Betrieb nahezu auf null heruntergefahren. Nur noch sechs Flüge pro Woche, nach Budapest in Rumänien und Sofia in Bulgarien, gibt es pro Woche. Genau das sorgt bei der Dortmunder Schutzgemeinschaft Fluglärm für Erleichterung und beim Betriebsrat des Flughafens für Empörung, weiß RUHR24.de*.

Flughafen Dortmund: Coronavirus-Krise erleichtert Schutzgemeinschaft

Im Interview mit den Ruhr Nachrichten schildert Mario Krüger, der Vorsitzende der Dortmunder Schutzgemeinschaft Fluglärm, die Erleichterung einiger Anwohner im Süden der Stadt.

Außerdem, so wird in dem Bericht klar, besteht aufseiten der Fluglärm-Gegner so etwas wie eine Hoffnung, das Coronavirus könnte auch nach Ende der Pandemie nachhaltig für weniger Fluglärm sorgen. Krüger rechnet mit einem "wirtschaftlichen Ende des Betriebs".

Coronavirus am Flughafen Dortmund: Offener Brief vom Betriebsrat

Das Interview veranlasste den Betriebsrat des Flughafens Dortmund nun zur Veröffentlichung eines offenen Briefs, in dem sich Vorsitzender Thomas Stegmann über die Ausführungen der Schutzgemeinschaft empört. Er könne die Freude Mario Krügers nicht teilen.

"Herr Krüger sieht in der Corona-Krise eine große Chance. Ich frage Sie Herr Krüger, welche Chance und wofür? Die Antwort auf die Corona-Krise kann nicht sein, ganze Unternehmen zu schließen und Arbeitsplätze zu vernichten", heißt es wörtlich in dem Brief des Airport-Betriebsrats.

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Im gleichen Atemzug bestätigt Thomas Stegmann, der Flughafen Dortmund würde rote Zahlen schreiben. Er hätte bis zum 13. März aber sein Defizit drücken können. 

Anfang dieses Jahres hatten die Verantwortlichen des Dortmunder Airports noch stolz verkündet, dass der Flughafen im Jahr 2019 Rekordzahlen* erreichen konnte. Insgesamt traten 2,7 Millionen Fluggäste am Airport in Dortmund-Wickede ihre Reise an. Damit waren es 19,1 Prozent mehr als noch im Jahr 2018, das bereits mit einem Zuwachs von 14,2 Prozent endete. 

Coronavirus sorgt für deutlich weniger Passagiere am Flughafen Dortmund

Das Coronavirus sorgt nun dafür, dass das Passagieraufkommen am Flughafen stark geschrumpft ist. Im gesamten März 2020 flogen 93.985 Passagiere zum oder vom Dortmund Airport. Das sind laut Flughafen 52,6 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. In der letzten vollständigen März-Woche (23. – 29. März) dieses Jahres sank die Anzahl der Fluggäste sogar um 95 Prozent*. 

In der Folge zog der Airport Dortmund die Reißleine und führte rückwirkend zum 1. April Kurzarbeit ein.

Ryanair, die neben anderen Fluggesellschaften wie Wizz Air den Flughafen Dortmund anfliegen, hinderte der Rückgang der Passagierzahlen allerdings nicht daran, ihr Angebot am Flughafen Dortmund auszubauen. Die irische Fluggesellschaft verbinden Dortmund nun mit weiteren Reisezielen wie zum Beispiel Wien. 

Coronavirus: 440 Mitarbeiter müssen am Flughafen Dortmund um ihren Arbeitsplatz fürchten

Jetzt müssen 440 Mitarbeiter am Flughafen um ihre Jobs fürchten. "Das Erliegen des Flugverkehrs durch die Grenzschließungen bedroht den Flughafen ganz grundsätzlich in seiner Existenz", betont Betriebsrats-Chef Stegmann und beruft sich dabei auch auf Aussagen des Airport-Chefs Udo Mager.

Mario Krüger ist Vorsitzender der Lärmschutzgemeinschaft in Dortmund.

Zeitgleich mit den Jobs der 440 Flughafen-Mitarbeitern seien weitere Arbeitsplätze in Dortmund (mehr Artikel im Dortmund-Ressort auf RUHR24.de*) bedroht, heißt es in dem Brief. Stegmann: "Die Mitglieder der Schutzgemeinschaft mögen Freude daran haben, zurzeit keine Flugzeuggeräusche zu hören. Aber lieber Herr Krüger, Sie sind Politiker. Deshalb sollten Sie wissen, dass Politik nicht so einfach ist, nur Nein zu sagen, ohne die Folgen zu beachten."

Zum Abschluss sendet Stegmann eine Kampfansage. Er kündigt "Widerstand gegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen" und einen "Kampf für die Rückkehr zur Normalität" an. Das werde allerdings nur durch staatliche Unterstützung gehen. Unterstützung hat der Airport Dortmund jetzt von Wizz Air bekommen. Die ungarische Airline fliegt nämlich ab Juli dreimal in der Woche die Touristeninsel Zypern an. 

NRW hilft Flughafen Dortmund in der Coronavirus-Krise

Und die ist bereits beschlossen: Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland einen Rettungsschirm zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie auch für Betriebe der öffentlichen Infrastruktur und damit unter anderem auf Flughäfen ausgeweitet. 

Ein Freifahrtschein für den Airport Dortmund scheint das aber nicht zu sein. Experten wie Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen erwarten, dass gerade kleinere Flughäfen, die vor der Coronavirus-Krise Probleme gehabt haben, von Schließungen bedroht seien.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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