Covid-19 im Ruhrgebiet

Corona in Dortmund: Zahlen aus den einzelnen Stadtteilen zeigen deutliche Unterschiede

Mehr als 28.000 Menschen in Dortmund haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Wer in einem der nördlichen Stadtbezirke wohnt, steckt sich teils doppelt so häufig an, wie jemand im Süden.

Dortmund – Die Gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Corona-Infektionen ist auch in Dortmund in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Das teilt das Gesundheitsamt der Stadt in der monatlichen Übersicht der Covid-19-Infektionen mit. Lag der Inzidenzwert in Dortmund Mitte Mai noch bei über 100, bewegt er sich mittlerweile anhaltend unterhalb der 35. Einige Besonderheiten gibt es jedoch.

StadtDortmund
Einwohner603.609 (2020)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Coronavirus in Dortmund: Im Norden infizieren sich doppelt so viele Menschen wie im Süden

Denn über die gesamte Corona-Pandemie gesehen verteilen sich die Infektionen in Dortmund keineswegs gleichmäßig. Viel mehr zeigt sich ein teils massives Nord-Süd-Gefälle, was die Infektionen angeht. Gründe für viele Corona-Infektionen in der Nordstadt sind die Einwohnerdichte sowie andere städtebauliche, soziale und auch kulturelle Faktoren.

Dennoch: Berechnet man die Zahl der Infektionen pro 100 Einwohner, kann man die Stadtbezirke in Dortmund miteinander vergleichen. Es zeigt sich: Menschen in der Nordstadt haben sich im Vergleich zu Bewohnern von Hombruch mehr als doppelt so häufig mit Covid-19 infiziert (siehe Grafik).

Während sich bei 100 Hombruchern nur knapp drei das Virus eingefangen haben, waren es in der nördlichen Innenstadt rund sieben von 100 Menschen. In Eving ist der Wert mit 6,5 Infizierten pro 100 kaum geringer. Im Durchschnitt aller Stadtbezirke haben sich bislang 4,7 Prozent der Dortmunder infiziert.

Stadt Dortmund kämpft mit Impfungen gegen Corona-Infektionen in ärmeren Stadtteilen

Weil sich besonders in den ärmeren Stadtteilen mehr Menschen infizieren, hat die Stadt Dortmund dort bereits im Mai Hotspot-Impfungen angeboten. Das Angebot in Lütgendortmund, Westerfilde und Bodelschwingh sowie der Nordstadt und Eving sei gut angenommen worden, teilt die Stadt mit.

Für den Zeitraum des aktuellen Berichts des Gesundheitsamts kann das aber noch keine Wirkung zeigen: Zwischen 13. Mai und 14. Juni gab es mit 261 Fällen in der Nordstadt erneut die meisten Corona-Neuinfektionen. Auch in Hörde war der Zuwachs vergleichsweise stark: 117 Infektionen verzeichnete das Gesundheitsamt dort zuletzt. Insgesamt liegt der Inzidenzwert in Dortmund jedoch auf dem niedrigsten Niveau seit September 2020.

Corona-Pandemie in Dortmund: Wo stecken die Menschen sich eigentlich an?

Je länger die Pandemie dauert, umso deutlicher zeigt sich auch, wo die Menschen in Dortmund sich eigentlich anstecken. Das Gesundheitsamt Dortmund konnte diese Quellen für Neuinfektionen erfassen:

Familie/Privates55 Prozent
Arbeitsplatz8 Prozent
Kitas6 Prozent
Gemeinschaftsunterkünfte5 Prozent
Reisen3 Prozent

Bei den restlichen 23 Prozent der Infektionen konnten die Mitarbeiter trotz Ermittlungsgesprächen mit den Betroffenen nicht zuordnen, wo diese sich mit Covid-19 angesteckt hatten.

Corona in Dortmund: Experte der TU warnt vor Delta-Variante

Auch der bislang einzige Fall einer Infektion mit der erstmals in Indien festgestellten Delta-Variante des Coronavirus in Dortmund war auf einen Reiserückkehrer zurückzuführen. Seitdem wurde diese als ansteckender geltende Variante in der Stadt aber nicht erneut nachgewiesen.

Dennoch warnt auch der Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl von der TU Dortmund vor der Delta-Variante: „Im Herbst wird sie sich durchsetzen. Wie schwer sie wirkt und ob wieder ein Lockdown notwendig sein wird, hängt davon ab wie gut wir impfen“, so Watzl gegenüber den Ruhr Nachrichten.

Erst kürzlich hatte der Krisenstab bekannt gegeben, dass in Dortmund jetzt wieder Termine für Erstimpfungen verfügbar sind – jedoch nur für spezielle Gruppen. Ab Samstag (26. Juni) sollen die Impfzentren in NRW zudem wieder für Jedermann öffnen.

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