Verstoß gegen Coronaschutzverordnung

Corona-Party in Dortmund: Stadt sieht für Kita-Mitarbeiter heftige Konsequenzen vor

14 Beschäftigte einer Kita in Dortmund haben mit einer „Corona-Party“ für einen Skandal in der Stadt gesorgt. Wie konnte es so weit kommen? Eine Rekonstruktion.

Dortmund – Vier Tage nach der „Corona-Party“ in einer Dortmunder Kita ist das Thema noch nicht abgehakt. Medial hat der Vorfall von Menglinghausen hohe Wellen geschlagen. Selbst der Spiegel und die Bild-Zeitung berichteten überregional. Die Stadt unterdessen tritt die Flucht nach vorn an.

EinrichtungFabido Kindertagesstätte
StadtDortmund
GeschäftsführerDaniel Kunstleben

Stadt Dortmund nimmt Stellung zur „Corona-Party“ in einer städtischen Kita

So veröffentlichte das Social-Media-Team der Stadt Dortmund drei Tage nachdem 14 Beschäftigte einer städtischen Fabido-Kita eine mehr oder weniger spontane Party gefeiert hatten ein Video. Darin erklärt Daniel Kunstleben, Geschäftsführer von Fabido, wie es zu der später viel zitierten Eskalation kommen konnte.

Alles, so Kunstleben, habe mit einer Dienstbesprechung am Freitagnachmittag begonnen. Zu diesem Zeitpunkt sei von einer Party noch gar nicht die Rede gewesen. Die Kinder hätten das Gebäude längst verlassen. Mehr oder weniger zufällig habe sich ein „geselliges, spontan entstandenes Essen“ angeschlossen, so der Fabido-Chef.

Dortmund: Kita-Mitarbeiter bestellten Pizza und Wein

Sogar den Inhalt der Bestellung bei einem lokalen Pizza-Service erwähnt Kunstleben in seinen Ausführungen. Es seien Pizzen sowie zwei Flaschen Wein geliefert worden.

Danach hätten die Kolleginnen bis in den späten Abend hinein zusammen gesessen und Musik gehört. So lange, bis die Polizei gerufen wurde, um das Ganze aufzulösen.

Anwohner beschweren sich bei der Polizei Dortmund wegen lauter Musik in Kita

Anwohner hatten sich bei der Polizei wegen der lauten Musik beschwert. Die Beamten selbst hörten die Musik bis auf die Straße, als sie am Einsatzort ankamen, wie es in einem Bericht heißt.

Die Stadt selbst bestätigt, dass die Spontan-Party nicht mit den Corona-Regeln in Einklang zu bringen gewesen sei. Deshalb habe sie unmittelbar am Wochenende erste Maßnahmen eingeleitet. Die 14 Kita-Mitarbeiter seien auf das Coronavirus getestet worden. Der Test sei aber bei allen negativ ausgefallen.

Nach „Corona-Party“ in Kita in Dortmund: Eltern schicken Kinder zur Betreuung

Danach seien alle Eltern der Kita-Kinder verständigt worden. Man habe ihnen, so Kunstleben, die Möglichkeit geben wollen, darüber zu entscheiden, ob die Kinder in die Kita gehen sollten. „Viele Eltern haben aber gesagt, dass sie ihr Kind sehr wohl bringen wollen.“ Auch alle Mitarbeiter der Kita seien zum Dienst erschienen.

Der Kita-Betrieb der Fabido-Kita „Am Rüggen“ soll vorerst so weiter laufen, wie bisher. Was die 14 Mitarbeiter betrifft, die bei der Party dabei waren, wolle die Stadt die ordnungsrechtlichen Schritte der Polizei abwarten. Fest steht: Entgegen der geltenden Regeln wurden bei dem Zusammensein die geltenden Corona-Regeln (Maske tragen, Abstand halten) missachtet.

Stadt Dortmund will nach Party in Kita Maßnahmen prüfen

Auch die Stadt Dortmund selbst wolle handeln und arbeitsrechtliche Maßnahmen prüfen. Die Fragestellung sei, ob Fehlverhalten vorliege und ob dieses sanktioniert werden müsse. „Gerade die Pädagoginnen haben eine besondere Vorbildfunktion“, heißt es aus dem Rathaus.

Kommentar von RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi

Ja, die Kirche im Dorf lassen, das ist häufig ein gut gemeinter Ratschlag. Und auch wenn den Kita-Mitarbeiterinnen eine spontane Party mit Pizza, Wein und lauter Musik zu gönnen ist, so ist es in der aktuellen Zeit dennoch höchst unglücklich. Selbst wenn die Erzieherinnen den ganzen Tag zusammen arbeiten – man muss das Corona-Risiko nach Dienstschluss nicht auch noch erhöhen – und damit Kinder und deren Eltern ohne Not in Gefahr bringen.

Über die Mitarbeiter selbst heißt es von der Stadt indes, sie würden ihr „unbedachtes Verhalten zutiefst bereuen“. Die Netz-Kommentatoren scheinen es ihnen verziehen zu haben: „Mal die Kirche im Dorf lassen“, so der Tenor vieler Kommentare. Doch auch kritische Stimmen sind mit dabei. Als Vorbilder hätten sich die Kita-Mitarbeiter so nicht verhalten dürfen.

Rubriklistenbild: © Sabrina Wagner/RUHR24, Georg Wendt/dpa; Collage: RUHR24

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