Mitarbeiter überfordert

Dortmund: Corona-Infizierte sollen Arbeit des Gesundheitsamts übernehmen

Das Gesundheitsamt von Dortmund ist überfordert mit den aktuell hohen Corona-Zahlen und bittet Bürger um Hilfe.

Dortmund – 224, 272, 265 – diese Corona-Neuinfektionen prasseln derzeit täglich auf das Dortmunder Gesundheitsamt ein. Die Infektionszahlen sind inzwischen so hoch, dass es die Mitarbeiter nicht mehr schaffen, die Kontaktpersonen jeder infizierten Person nachzuverfolgen.

7-Tage-Inzidenz in Dortmund266,6 (Stand: 30. November)
Aktuell mit Corona infizierte Personen3000
Bislang genesene Personen37.000

Dortmund: Corona-Zahlen überfordern das Gesundheitsamt – Kontaktnachverfolgung wackelt

Wie eine Sprecherin der Stadt Dortmund am Dienstag (30. November) gegenüber RUHR24 sagte, finde die Ermittlung der Corona-Infizierten und deren Kontaktpersonen inzwischen nicht mehr tagesaktuell statt, sondern nur noch zeitversetzt. Das Gesundheitsamt kommt mit der Bearbeitung der Fälle also schlicht nicht mehr hinterher. „Außerdem ermöglicht es die aktuelle Situation nicht mehr, Infektionsketten zu erfragen oder zu verfolgen“, heißt es aus dem Dortmunder Rathaus.

Die Folge: Die Stadt Dortmund fokussiert sich nun nur noch auf die Kontaktpersonen von Corona-Infizierten, die in sensiblen Bereichen verkehren – etwa Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser. Wer Kontakt zu einer mit Corona infizierten Person außerhalb dieser sensiblen Orte hatte, etwa im privaten Bereich, wird vom Gesundheitsamt Dortmund nicht mehr darüber informiert.

Stadt Dortmund bittet mit Corona infizierte Bürger darum, Kontakte selbst zu informieren

Die Stadt Dortmund setzt in diesen Fällen auf die Hilfe der Bürger. Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, soll die Kontaktnachverfolgung im Grunde selbst übernehmen, wenn er oder sie nicht in einer kritischen Infrastruktur verkehrt.

Bei diesen Fällen ist die Stadt Dortmund in Sachen Gefahreneindämmung an ihre Grenzen gestoßen, wie sie selbst gegenüber RUHR24 zugibt. „In dieser Stufe werden nur noch diejenigen kontaktiert, die das höchste Risiko haben – entweder bei sich selbst oder für vulnerable Gruppen“, heißt es von der Stadt.

Corona-Regeln in NRW sehen eigenständige Kontaktnachverfolgung vor

Dass Corona-Infizierte ihre Kontaktpersonen informieren müssen, ist allerdings nicht ganz neu. Laut aktueller Corona Test- und Quarantäneverordnung hat jeder Infizierte in NRW die Pflicht dazu – unabhängig davon, ob die Stadt die Kontaktnachverfolgung selbst übernommen hat. Voraussetzung sind folgende Punkte:

  • enger Kontakt in den letzten vier Tage vor dem positiven Test,
  • enger Kontakt seit Durchführung des positiven Tests,
  • Kontakt von mehr als zehn Minuten mit einem Abstand von weniger als 1,5 Metern ohne das beiderseitige Tragen einer Maske.
  • Kontakt in schlecht oder nicht belüfteter Raum über eine längere Zeit.

Mit dem Coronavirus Infizierte sollten möglichst eine Liste erstellen, auf denen alle Personen stehen, zu denen enger Kontakt bestand. Das würde dem Gesundheitsamt die Arbeit erleichtern, sollte es zu einer Kontaktnachverfolgung seitens der Behörden kommen.

Dortmund kann Kontakte von Corona-Infizierten nicht mehr vollständig nachverfolgen

Zum Hintergrund: Seit dem Sommer arbeiten im Gesundheitsamt Dortmund zusätzliche Kräfte für die Kontaktnachverfolgung. Bislang, so die Stadt, hätten diese Kräfte die ständig ansteigenden Meldezahlen abarbeiten können. Inzwischen sei das nicht mehr möglich, so eine Sprecherin gegenüber RUHR24 – selbst mit weiterem Personal nicht (hier weitere Corona-News aus NRW bei RUHR24 lesen).

Kräfte der Bundeswehr halfen im Dortmunder Gesundheitsamt einst bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten aus – inzwischen werden sie aber in den Impfzentren eingesetzt.

Entsprechend kommen auch die 21 Soldaten der Bundeswehr ab Donnerstag (25. November) in Dortmund nicht in der Kontaktnachverfolgung zum Einsatz, sondern werden in den städtischen Impfzentren eingesetzt.

Rubriklistenbild: © Sabrina Wagner/RUHR24, Torsten Tullius/Dortmund-Agentur; Collage: RUHR24