Corona-Pandemie

Sorge in Dortmund: Gesundheitsamtleiter warnt Bürger vor Corona-Selbsttests

In Dortmund blickt man mit Sorge auf die steigenden Corona-Zahlen. Indes treibt eine andere Entwicklung die Expertenriege der Verwaltung um. Es geht um Selbsttests.

Dortmund – Impfen, Testen, Hygienemaßnahmen einhalten - der Dreiklang dieser Maßnahmen soll in Dortmund eigentlich die Corona-Wende bringen. Doch die Infektionszahlen steigen seit Tagen. Jetzt warnt Dr. Frank Renken, Gesundheitsamtsleiter von Dortmund, vor einem gefährlichen Trugschluss. RUHR24.de* erklärt, worum es geht.

StadtDortmund
Corona-Inzidenz (Stand 17. März)78
Gemeldete Infektionen seit Pandemie-Beginn19.269

Dortmund: Gefahr durch Corona-Selbsttests – Amtsleiter warnt

Über die seit einigen Tagen bei Discountern und im Internet erhältlichen Selbsttests* meint Renken: „Ich finde das Prinzip schlecht, weil es sehr unzuverlässige Daten liefert.“ Damit meint der Gesundheitsexperte explizit nicht die „Schnelltests“ in den inzwischen über 60 Dortmunder Testzentren, sondern jene Tests, die man selbst an sich vornimmt – Selbsttests eben (hier weitere Corona-News aus Dortmund* auf RUHR24.de lesen).

Auch der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) lehnt Testungen durch nichtmedizinisches Personal in Form von Selbsttests ab. Die Gefahr dieser Tests sei größer, als ihr Nutzen, sagte der Vorsitzende des BDL, Andreas Bobrowski, der FAZ.

Probleme bei Corona-Selbsttests: Amtsleiter aus Dortmund warnt vor schlechtem Abstrich

Das größte Problem der Schnelltests sei die unzulängliche Probenentnahme durch nicht ausreichend geschultes Personal. Auch deshalb rät man in Dortmund dazu, sich lieber von Profis testen zu lassen. Auf mindestens einen Gratis-Test pro Woche* hat jeder Bürger inzwischen ein Anrecht. Sogar ein Zertifikat gibt es obendrauf.

Laut Dr. Frank Renken würden Schnelltests in Testzentren ähnliche Positivraten hervorbringen, wie die sehr zuverlässigen PCR-Tests aus den Laboren. In Dortmund lag dieser Wert zwischen dem 9. März und dem 15. März bei 0,6 Prozent. Heißt konkret: Von 1537 durchgeführten Schnelltests waren zehn positiv. In NRW gibt es einen ähnlichen Durchschnitt.

Corona-Selbsttests könnten zusätzliche Sicherheit geben

Selbsttests können bei richtiger Durchführung* zusätzliche Sicherheit in konkreten Situationen im Alltag geben – etwa bei einem privaten Besuch oder vor einem Theater- oder Kinobesuch. Sie können auch im Rahmen der Testkonzepte der Länder in Schulen und Kitas eingesetzt werden, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium.

Corona-Selbsttests müssen richtig durchgeführt werden und geben selbst dann nicht eine hundertprozentige Sicherheit.

Fällt ein Selbsttest positiv aus, sollte das Ergebnis unbedingt durch einen PCR-Test bestätigt werden. Denn: Selbsttests haben gegenüber den PCR-Tests eine höhere Fehlerrate. Wichtig ist auch, dass Selbsttests nicht gemacht werden sollten, wenn man typische Corona-Symptome zeigt. Dann ist der PCR-Test das Mittel der Wahl.

Forscher des Netzwerks B-FAST im Nationalen Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin warnen unterdessen davor, einen negativen Selbsttest als „Freifahrtschein“ zu verstehen, da die Fehlerquote dafür zu hoch sei. Alle Hygienemaßnahmen müssten weiter eingehalten werden. Dies gelte besonders in Risikobereichen, wo ein hoher Schutz gefährdeter Personen benötigt werde. Auch wichtig: Ein negatives Ergebnis hat nur für einen limitierten Zeitraum (etwa 24 Stunden) Gültigkeit. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Florian Forth/RUHR24; Collage RUHR24