Mehrere Infizierte

Britische Corona-Mutation in Kitas in Dortmund aufgetaucht: Stadt ändert Strategie und geht Sonderweg

Die Inzidenz in Dortmund ist unter 50 - dafür ist die englische Corona-Mutation mehrfach nachgewiesen worden. Die Stadt ist alarmiert und ändert ihre Strategie.

Dortmund - Eigentlich gibt es in Sachen Corona für Dortmund Grund zur Freude: Die Zahlen der Neuinfizierten sinken seit Tagen und damit auch die 7-Tages-Inzidenz. Am Montag (15. Februar) lag diese bei 44,5 und damit unter der magischen Grenze von 50.

(Fast) alles gut also - wäre da nicht die gefährliche englische Mutation, die die Stadt inzwischen erreicht hat. Die Verwaltung ist alarmiert.

Bezeichnung der britischen Corona-MutationB.1.1.7
Erste FeststellungSeptember 2020
Problematikhöhere Reproduktionszahl

Englische Corona-Mutation in Dortmund: Fälle in zwei Kitas

Am vergangenen Samstag (13. Februar) wurde die Mutation erstmals in zwei Kitas der Stadt festgestellt. Eine Kita-Mitarbeiterin und ein Kind hatten sich mit der englischen Mutation infiziert. Zuvor hatte es in Dortmund lediglich Einzelfälle außerhalb solcher Einrichtungen gegeben. Deren Infektionsursprung sei gut nachzuvollziehen gewesen, heißt es von der Stadt.

Anders bei den jüngsten Infektionen in den Kitas. Die Quelle könne die Stadt noch nicht beziffern, sagte Dortmunds Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner bei einer Pressekonferenz am Dienstag (16. Februar).

Englische Corona-Mutation in Dortmund: Quelle ist unbekannt

Tiefe Sorgenfalten auch bei Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken. Den ersten Fall der englischen Corona-Mutation B.1.1.7 in Dortmund habe man noch gut nachverfolgen können. Beim zweiten Fall schon nicht mehr. Bei der Person habe keinerlei Reiseverkehr stattgefunden, so Renken. Die Stadt wisse also nicht, wie die Infektion zustande gekommen sei.

Jetzt die zwei Fälle in den Kitas. Eine Mitarbeiterin und ein Kind seien von den Infektionen betroffen. Die Quelle? Unbekannt. Renken gehe nicht davon aus, dass man sie noch finden werde. Das liege nicht am knappen Personal der Stadtverwaltung, sondern schlicht daran, dass die Information nicht herauszufinden sei.

Quote der englischen Corona-Mutante B.1.1.7 in Dortmund ist noch unbekannt

Wie viele Corona-Fälle in Dortmund bereits „englische Fälle“ seien, könne Renken nicht sagen. In Düsseldorf habe man eine Quote von 20 Prozent errechnet. Doch diese, so Renken, sei aufgrund einer nur sehr kleinen Zahl von Infiziertendaten verfälscht. Für verlässliche Daten brauche man jene aller Infizierten.

In Dortmund könne man eine Überprüfung mittels Sequenzierung aller Corona-Fälle auf die englische Variante aber im Moment nicht leisten – aus Kosten- und Kapazitätsgründen. Eine Sequenzierung koste über 200 Euro, so Renken - und nicht jedes Labor könne eine solche durchführen.

Stadt Dortmund will gezielt nach englischer Corona-Mutation suchen

Die Stadt wolle nun gezielt nach der englischen Mutation suchen. Immer dann, wenn sich größere Ausbreitungen des Coronavirus feststellen lassen. Besonders mit Blick auf den Schulstart für Grundschüler und Abschlussklassen am 22. Februar sei das wichtig.

In diesem Zuge schlägt die Stadt Dortmund bei der Test-Strategie für Gemeinschaftseinrichtungen einen neuen Weg ein. Da die Corona-Zahlen deutlich geringer sind, als noch vor einigen Wochen, wolle die Stadt nun unmittelbar nach Bekanntwerden einer Corona-Infektion in einer Gemeinschaftseinrichtung (wie etwa einer Kita) ein Test-Angebot für alle machen, die darin verkehren.

Stadt Dortmund will unerkannte Corona-Fälle in Gemeinschafteinrichtungen finden

Der Test sei allerdings keine Pflicht. Man hoffe aber auf rege Teilnahme. Die Stadt wolle schauen, inwiefern sich nach Bekanntwerden einer Corona-Infektion in einer Gemeinschaftseinrichtung unerkannte Fälle breitgemacht hätten.

Vor allem in Kitas breitet sich das Coronavirus fast unbemerkt aus, da Kinder bis zehn Jahren zu etwa 50 Prozent keine Symptome einer Infektion zeigen.

Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene will die Stadt nach einer bekannt gewordenen Infektion in einer Einrichtung wie einer Kita testen lassen. Einen weiteren Test soll es dann nochmal nach fünf bis sieben Tagen geben, also innerhalb der durchschnittlichen Inkubationszeit. Ein letzter Test solle dann folgen, bevor Kontaktpersonen aus der Quarantäne entlassen werden.

Gesundheitsamtsleiter von Dortmund: Sorge um schnellere Ausbreitung des Coronavirus

In diesem Zusammenhang werde dann auch nach der englischen Variante gesucht, „weil uns das Sorge bereitet, dass eine schnellere Ausbreitung Platz greift“, so Renken.

Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht im Zusammenhang von B.1.1.7 - so wird die englische Corona-Mutation in Fachkreisen genannt - von einer „besorgniserregenden Dynamik“. Auch weitere Experten warnen vor der Mutante. „Nach derzeitigem Kenntnisstand ist sie noch leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als bisher zirkulierende Varianten und weist eine höhere Reproduktionszahl auf, sodass ihre Ausbreitung schwerer einzudämmen ist“, heißt es vom RKI.

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts in Dortmund.

Was die Definition einer Kontaktperson betrifft, ändert die Stadt Dortmund deshalb ihre Strategie. Die bisherigen Regelungen, so Frank Renken, seien nicht mehr ausreichend. Denn das englische Virus werde deutlich schneller und einfacher übertragen, als das ursprüngliche Coronavirus.

Schnellere Corona-Übertragung trotz FFP2-Maske in Dortmund befürchtet

Bislang war es so, das angenommen wurde, das bis zu einem Kontakt von 45 Minuten mit FFP2-Maske keine Übertragung des Coronavirus erfolgen könne. Mit der englischen Variante habe sich das geändert, so Frank Renken. Nun reiche ein geringeres Zeitintervall für eine Übertragung aus (Hier mehr News zum Coronvirus in NRW auf RUHR24.de lesen).

Grund sei der sogenannte „Beistrom“, also der Luftstrom, der seitlich durch eine FFP2-Maske entweiche und der bei der englischen Variante schneller zu einer Übertragung führe. Die Konsequenz: Die Stadt Dortmund nimmt die Definition einer Kontaktperson neu vor. Ab sofort gilt man deutlich leichter als Kontaktperson einer mit Corona infizierten Person. Ab wann genau, dazu machte die Stadt am Dienstag noch keine Angaben.

Stadt Dortmund ändert Quarantäne-Regeln bei Auftreten der Corona-Mutation aus England

Zudem ändert die Stadt das Verfahren der Quarantäne von Kontaktpersonen, wenn sie im Zusammenhang mit der englischen Variante stehen. Eine Verkürzung auf nur noch zehn Tage soll es dann nicht mehr geben. Heißt: Kontaktpersonen müssen in diesem Fall volle 14 Tage in Quarantäne. So wie zu Beginn der Pandemie. Eine Freitestung mit Anti-Gen-Tests soll es in diesen Fällen auch nicht mehr geben.

Renken spricht damit spezielle Testzentren an, die solche Antigen-Schnelltests (POC-Tests) anbieten. Zwar gäbe es auch gute Zentren mit vernünftigen Ergebnissen. „Aber es gibt auch solche, denen wir nicht mehr vertrauen.“ Welche das sind, nannte Renken am Dienstag nicht. Die Konsequenz: Die Stadt Dortmund erkennt Anti-Gen-Testergebnisse nicht mehr an, wenn sie im Zusammenhang mit der englischen Variante stehen. Es seien in diesen Fällen dann nur noch die verlässlicheren PCR-Tests möglich.

Mit der Strategie-Änderung geht Dortmund eine Art Sonderweg. Man hoffe, dass Land und Bund in Form von Verordnungen nun nachzögen, so der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts.

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