Corona-Impfungen

Corona-Chaos ab 7. Juni – ist der Impfstoff in Dortmund tatsächlich aufgebraucht?

Die Corona-Impfungen in Dortmund geraten ins Stocken. Die Stadt hat Schuldige gefunden – und Oberbürgermeister Thomas Westphal brodelt vor Wut. Zurecht?

Dortmund – Lange Zeit schien die Impf-Kampagne in Dortmund* wie geölt zu laufen: Die Stadt jedenfalls lobte sich selbst nicht selten für die Organisation der Corona*-Impfungen im Impfzentrum, in den sozialen Brennpunkten oder für spezielle Berufsgruppen. Doch im Juni gerät die Impf-Maschinerie plötzlich ins Stocken. RUHR24* erklärt, wen die Stadt dafür verantwortlich macht und ob die Panik berechtigt ist.

StadtDortmund
Corona-Inzidenz56,3 (Stand 2. Juni)
Aktuell infizierte Personen710

Dortmund: Kein Corona-Impfstoff ab dem 7. Juni mehr da

Machtlos, so jedenfalls stellte sich Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) in der Pressekonferenz des Verwaltungsvorstands in dieser Woche vor die Presse.

Eine Woche nach dem Impf-Gipfel am 27. Mai von Bund und Ländern* brodelt Dortmunds Stadtoberhaupt. „Da gab es am Ende mehr Nebelkerzen als Impfdosen“, so Westphal. Die dort geäußerten Erläuterungen passten laut Westphal nicht zu der Situation in Dortmund.

Dortmund: Kinder ab zwölf Jahren ab 7. Juni auch berechtigt für Corona-Impfungen

Bund und Länder hatten sich auf dem Impf-Gipfel darauf geeinigt, ab 7. Juni auch Kinder ab zwölf Jahren gegen Corona impfen zu wollen. Zudem versicherte Angela Merkel (CDU) im Anschluss, dass die Liefermengen von Biontech, Astrazeneca und Moderna wie geplant geliefert würden. Und: Bund und Länder einigten sich auf Bedingungen für das kommende, digitale Impfzertifikat. So weit, so gut (alle News zu Corona in Dortmund bei RUHR24).

Beim Impf-Gipfel am 27. Mai haben Bund und Länder die Impf-Freigabe für Kinder ab 12 Jahren forciert.

Doch Thomas Westphal geht es offenbar um eine Aussage Angela Merkels, wonach die Impf-Kampagne in Deutschland seit Beginn des zweiten Quartals, also seit April, „deutlich an Fahrt aufgenommen hat.“ Merkel nannte die Quote der bis dato Geimpften: 41,5 Prozent der Deutschen hatten am 27. Mai mindestens eine Impfung, 15,7 Prozent waren vollständig geimpft.

Angela Merkel will jedem Deutschen bis Ende des Sommers ein Impf-Angebot machen

Merkel machte zudem auf die Zahl der sinkenden schweren Corona-Verläufe und die sinkende Anzahl belegter Intensivbetten aufmerksam. Selbigen Trend gibt es laut Gesundheitsamtschef Frank Renken auch in Dortmund. Zeitgleich bekräftigte Merkel das Versprechen, jedem Erwachsenen bis zum Ende des Sommers ein Impf-Angebot machen zu wollen.

Dazu stellte die Kanzlerin folgende Rechnung auf:

  • Biontech-Lieferung 3. Quartal 2021: 40,2 Millionen Dosen
  • Moderna-Lieferung 3. Quartal 2021: 30,3 Millionen Dosen

Bis zum Ende des dritten Quartals 2021, rechnete Merkel zusammen, würden Deutschland seit Beginn der Impfkampagne im Dezember 2020 rund 140 Millionen Impfdosen allein von Biontech/Pfizer und Moderna zur Verfügung stehen.

Zudem kämen die Millionen Vakzine von Johnson & Johnson und jene von Astrazeneca dazu. Weil die Regierung nicht von einer Impfbereitschaft von 100 Prozent ausgehe, gäbe es laut Merkel genug Impfstoff für alle Deutschen, von denen man die aktuell nicht für eine Impfung zugelassenen rund neun Millionen 0 bis 12-Jährigen rausrechnen müsse.

Rund eine Woche nach diesen Worten Merkels, am 1. Juni, stellt sich Thomas Westphal vor die Mikrofone und verkündet, dass die Stadt Dortmund ab dem 7. Juni keinen Impfstoff mehr für die Erstimpfungen zur Verfügung hat. Konkret geht es um Impfstoff von Biontech und Moderna, jenes Vakzin, was im lokalen Impfzentrum verabreicht wird.

Thomas Westphal: Dortmund ist nicht Besteller der Corona-Impfungen

Wann es Neuen gäbe, könne Westphal nicht sagen. „Wir sind nicht die Besteller dieser Impfstoffe, sondern der Empfänger“, so Dortmunds OB und verweist auf die Verantwortlichen: den Bund.

Am 1. Juni waren in Dortmund 257.968 Menschen erstgeimpft, 87.587 Bürger hatten bereits eine zweite Impfung erhalten. Nun könnte die Zahl der Erstimpfungen deutlich langsamer wachsen, während die der Zweitimpfungen sich erhöht, weil die Termine dafür bereits stehen. Die Zweitimpfungen seien laut Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner von der Impf-Knappheit im Juni nicht betroffen.

Dortmund: Ab 7. Juni fällt die Impf-Priorisierung gegen Corona

Indes steht Dortmund am 7. Juni vor dem Wegfall der Impfpriorisierung. Heißt: Ab Montag kann sich jeder Dortmunder um eine Impfung gegen Corona bemühen – wenn es denn welchen für Erstimpfungen gäbe. Denn nicht nur das städtische Impfzentrum steht ab dem 7. Juni auf dem Trockenen, auch die Hausärzte warnen im Juni vor einem Impf-Debakel, weil es nur noch Impfstoff für Zweitimpfungen gäbe*. Ist die Impf-Panik von Westphal also berechtigt?

Es ist gut möglich, dass der Juni für Erstimpflinge eine Durststrecke wird. Denn während die Gruppe der Impfberechtigten massiv wächst, ist die Zahl der Impfbestellungen laut Kassenärztlichen Vereinigungen vorerst nicht gewachsen. Die Hoffnungen ruhen also auf den Beginn des dritten Quartals, also auf den Juli, wenn neuer Impfstoff bereitsteht – sofern geliefert wird, wie vom Bund bestellt.

Was bleibt, ist also das Versprechen der Bundesregierung: Bis zum 21. September soll jeder Deutsche eine Corona-Impfung angeboten bekommen. Thomas Westphal bleibt wohl nichts anders übrig, als auf das Mantra von Merkel, Spahn und Co. zu vertrauen. Der Impfstoff ist bestellt – jetzt müssen die Unternehmen nur noch liefern. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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