Corona-Pandemie

Dortmund: Sorge um Reaktion von Migranten auf Impf-Kampagne

Die Stadt Dortmund stößt bei den Corona-Impfungen derzeit aus der Gruppe mancher Migranten auf Skepsis – und steht vor einem Rätsel.

Dortmund – Vorbehalte vor der Corona*-Impfung können Menschen aus den verschiedensten Gründen haben. Manche haben Angst vor dem Piks der Spritze, andere denken, sie würden danach zu einem gechipten Echsenmenschen oder sonstigem Klamauk mutieren. Ob es diese Gründe sind, warum sich eine Gruppe von Migranten in Dortmund* nicht gegen Corona impfen lassen will, ist unklar. Die Stadt rätselt und hat einen ersten Ansatz – RUHR24* erklärt die Hintergründe.

StadtDortmund
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)
Leiterin des Krisenstabs der StadtBirgit Zoerner

Dortmund: Stadt will Corona-Impfungen in soziale Brennpunkte bringen

Derzeit geht die Stadt mit einer Sonderration von rund 4500 Corona-Impfungen von Johnson & Johnson in Brennpunktbezirke*, will die dort lebende Bevölkerung für eine Impfung gegen Corona gewinnen. Ein Grund: Die in Eving oder der Nordstadt zuletzt immer wieder höheren Inzidenz-Werte als im Rest der Stadt, bereiteten den Stadtoberen zunehmend Sorgen.

Die Nordstadt ist Dortmunds Stadtbezirk mit dem höchsten Anteil an Migranten. Ein Fünftel aller Dortmunder Menschen mit Migrationshintergrund (43.738) lebten hier laut dem jüngsten Jahresbericht der Stadt aus dem Jahr 2019. Zum Vergleich: In ganz Dortmund waren es 2019 rund 214.000 Menschen mit Migrationshintergrund.

Corona-Impfungen in der Nordstadt: Stadt will Bevölkerung sensibilisieren

In der Nordstadt versucht die Stadt schon seit viele Wochen, die Bevölkerung für das Thema Corona zu sensibilisieren. Häufig ging es in den Gesprächen der Stadt um das Thema Quarantäne, wie Dortmunds Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner in einer Pressekonferenz in dieser Woche sagte.

„Wir treffen in der Nordstadt auf sehr viele Sprachbarrieren und auf Menschen, die noch nicht so lange in Deutschland sind“, führt Zoerner aus. Zum Teil hätten diese aufgrund ihrer Erfahrungen in den Herkunftsländern eine „erhebliche Zurückhaltung gegenüber bürokratischen oder staatlichen Strukturen.“

Impf-Kampagne gegen Corona: Dortmund setzt Sprachmittler für Migranten ein

Die Stadt setzte in der Folge Sprachmittler ein, schaltete online Anzeigen in verschiedenen Sprachen, um Vertrauen aufzubauen. Die einst hohen Inzidenzen in der Nordstadt seien dann, so glaubt es zumindest die Stadt, wegen ihrer Arbeit vor Ort gesunken. Das Thema „Quarantäne“ und was das bedeute, sei verstanden worden, so Birgit Zoerner.

Anders beim Impfen. Da gäbe es zum einen der falsche Schluss, wer keine Krankenversicherung habe, bekäme keine Impfung. Das, so Zoerner, sei in Dortmund nicht der Fall (hier weitere Corona-News aus Dortmund* bei RUHR24 lesen).

Birgit Zoerner: „Relevante Zahl von Menschen in Dortmund, die sich nicht gegen Corona impfen lassen will“

Zum anderen gäbe es laut Birgit Zoerner eine „relevante Größe von Menschen“, die klar erklärt habe, dass sie sich im Moment nicht impfen lassen wolle. Wie groß diese Gruppe sei, wisse die Stadt derzeit nicht. Mitarbeiter der Stadt hätten diese Beobachtung allerdings bei einer Sonderimpfaktion im Stadtteil Nette gemacht.

Nicht ganz im Nebel stochert die Stadt in manchen Einrichtungen für Flüchtlinge, in denen derzeit Impfungen gegen Corona stattfinden. „Wir spüren dort eine deutliche Zurückhaltung beim Thema impfen“, grübelt Birgit Zoerner, die als Beispiel die in Dortmund relativ große Gruppe an Frauen nennt, die Opfer von Menschenhandel geworden und von denen auch einige schwanger seien.

Dortmund: Bereitschaft für Corona-Impfung in Einrichtung für Flüchtlinge nicht hoch

Es gäbe in Dortmund die Erkenntnis, dass die Impfbereitschaft in Flüchtlingseinrichtungen nicht so hoch sei, wie es sich die Stadt gewünscht hätte.

NRW-Integrationssekretärin Serap Güler warnt vor Vorurteile gegenüber Migranten in der Corona-Pandemie.

Das Thema ist längst keines mehr, was nur die Stadt Dortmund kennt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) etwa sieht den Grund dafür in Sprachbarrieren. „Menschen mit Sprachbarrieren in bis zu 23 Sprachen zielgruppengerecht aufzuklären, ist eine Herausforderung“, sagte jüngst auch die Staatssekretärin für Integration, Annette Widmann-Mauz, gegenüber der der Bild-Zeitung. Und ohne Aufklärung blieben Vorbehalte gegenüber der Impfung.

CDU-Politikerin kritisiert Aufklärung über Corona für Migranten

Integrationssekretärin und CDU-Politikerin Serap Güler aus NRW sieht ebenfalls Probleme bei der Aufklärung mancher Migranten*. „Wenn ich an die Anschreiben denke, die die erste oder zweite Priorisierungsgruppe nach Hause bekommen haben, da haben deutsche Muttersprachler häufig schon ein Problem“, so Serap Güler im Interview mit N-TV.

Und dann gäbe es da laut Güler natürlich auch Legenden und Mythen über Impfungen. Zum einen würde es bei Geflüchteten die Angst geben, dass man durch eine Impfung leichter abgeschoben werden könne. Junge Frauen würden zudem Bedenken haben, dass Impfstoffe die Fruchtbarkeit beeinflussen. Generell, so die Behauptung Gülers, gebe es unter Migranten nicht mehr Impf-Skeptiker, als in der restlichen Bevölkerung*.

Eine Forderung von Güler: Es brauche mehr Vorbilder für Migranten, die sich impfen lassen würden. Allein die Bekämpfung der Sprachbarrieren reiche nicht. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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