Covid-19-Pandemie

Großer Corona-Ausbruch in Dortmund: Stadt planlos nach „großem Problem“

Corona-Tests am Klinikum Nord und Gesundheitsamt-Leiter Frank Renken
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Coronavirus in Dortmund - Frank Renken Gesundheitsamt

Wenn es zu Corona-Ausbrüchen kommt, müssen Städte wie Dortmund schnell handeln. Bei einem Vorfall in Derne stehen die Verantwortlichen jetzt aber vor Problemen.

Dortmund - Täglich informiert das Gesundheitsamt von Dortmund über die Corona-Neuinfektionen in der Stadt. Mal treten Ausbrüche in Familien auf, mal bei Reiserückkehrern. Wie RUHR24.de* berichtetet, kamen so am Sonntag (1. November) 190 positive Testergebnisse zusammen. In einem Nebensatz informierte die Stadt über ein Ausbruchsgeschehen im Stadtteil Derne - welches Gesundheitsamtschef Frank Renken einen Tag später als „etwas größeres Problem“ bezeichnete.

Name des VirusCoronavirus / Sars-Cov-2
Ausgelöste KrankheitCovid-19
ÜbertragungTröpfcheninfektion

Corona-Ausbruch in Dortmund-Derne: Behinderte Menschen betroffen

Konkret geht es um elf positive Corona-Testergebnisse in einer Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Das Gesundheitsamt habe im Bereich von Einrichtungen für behinderte Menschen schon „seit geraumer Zeit eine besondere Problemstellung beobachtet“, sagte Renken bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Dortmund* am Montag (2. November). Bislang sei das Problem aber noch nicht zum Tragen gekommen.

Heißt: Dass aus Einrichtungen für behinderte Menschen nicht größere Corona-Ausbrüche hervorgegangen sind, scheint derzeit pures Glück zu sein.

Nach Corona-Ausbruch in Dortmund: Stadt sieht Transport als Problem

Als großes Problem stellt sich für die Stadt die Beförderung der Mitarbeiter von Behindertenwerkstätten mit Behinderung von Ort zu Ort dar. Sie werden in der Regel in Kleinbussen von ihren Wohnorten abgeholt und gemeinsam zu ihren Arbeitsplätzen gebracht. Man könne, so Frank Renken, nicht darauf bauen kann, dass die in der Regel geistig behinderte Menschen immer auf dem gleichen Platz sitzen und dass sie von Anfang bis Ende des Transportes die Corona-Schutzmaßnahmen einhalten könnten.

Der Chef des Dortmunder Gesundheitsamts gibt unumwunden zu, dass dieses Problem nicht einfach zu lösen sei: „Wir haben viele Diskussionen darüber geführt, wie wir die hygienischen Rahmenbedingungen für diese Bustransporte verbessern können und letztendlich ist keinem etwas eingefallen.“

Coronavirus in Dortmund: Behinderte Menschen nicht mehr in Bussen transportieren?

Die Alternative sei, die Transporte ganz einzustellen. In diesem Fall könnten die Einrichtungen - etwa Behindertenwerkstätten in Dortmund - nicht mehr genutzt werden. Eine komplizierte Spirale würde in Gang gesetzt.

Unterdessen muss die Stadt nun eine laut eigenen Angaben „extrem umfangreiche“ Fallaufklärung für den Corona-Ausbruch in Dortmund-Derne betreiben (mehr News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24.de lesen). Stand jetzt könne man noch nicht sagen, welche Konsequenzen es geben werde. Im Raum stünden Schließungen oder Teilschließungen. Noch sei aber nichts entschieden, so Renken.

Coronavirus/Dortmund: Gratis-Schnelltests für Menschen mit Behinderung

Ganz ohne Hilfe stehen Menschen mit Behinderung in Zeiten von Corona aber nicht da. Das Bundesgesundheitsministerium hat in einer Verordnung kostenlose Schnelltests für Menschen mit Behinderung* sichergestellt. Die Tests sind deshalb wichtig, um weiterhin Besuche und Betreuung ohne Isolation zu ermöglichen.

Video: Wie Menschen mit Behinderung die Coronakrise erleben

Ambulante Dienste und Einrichtungen müssen für die Gratis-Coronatests ein entsprechendes, vom Gesundheitsamt akzeptiertes, Testkonzept haben. Die Beschaffung und Durchführung der Tests durch die Dienste und Einrichtungen muss zudem vom Gesundheitsamt bewilligt werden. Gleiches gilt auch für die Testung von Besuchern, jedoch nur in Einrichtungen.

„Menschen mit Behinderung, die oft in ihrer Kommunikation auf körperliche Nähe angewiesen sind, brauchen unbedingt die Besuche ihrer Eltern und Geschwister“, so Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, MdB und Bundesgesundheitsministerin a.D., in einer Stellungnahme der Lebenshilfe. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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