Prüfungsdruck nach Homeschooling

Emotionaler Corona-Hilferuf aus Dortmund: Schüler warnt vor Druck und Klausuren-Panik

Schüler meldet sich im Unterricht
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Ein Schüler aus Dortmund wendete sich mit einem Corona-Hilferuf an die Öffentlichkeit. Der Grund: Klausuren-Druck.

Nasse Hände, erhöhter Puls, Zeitmangel: Prüfungen machen keinen Spaß. Noch weniger in Corona-Zeiten. Druck und Homeschooling sorgen für Klausuren-Panik bei den Schülern.

Dortmund –Seit dem 18. Dezember ist Deutschland erneut im Corona-Lockdown. Für die Schüler heißt das Homeschooling statt Präsenzunterricht. Mit einem emotionalen Hilferuf wendete sich jetzt ein Schüler aus Dortmund an die Öffentlichkeit. Sein Kritikpunkt: der enorme Druck und die anstehenden Klausuren.

StadtDortmund
BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohner603.167 (2020)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Dortmund: Schüler mit Corona-Hilferuf – Klausuren-Druck löst Panik bei Jugendlichen aus

Miguel Marques Pereira (16) besucht eine Gesamtschule in Dortmund. Er ist seit Neujahr im Homeschooling. Erst seit Kurzem darf er im Wechsel-Unterricht-Modell wieder in die Schule. Und bald stehen trotz Corona Prüfungen in NRW und dementsprechend auch bei ihm an.

Dem 16-Jährigen ist vor allem eine Sache ein Dorn im Auge: Wegen Corona wurden die Klausuren, die zwischen Januar und März angestanden hätten, verschoben, um den Schülern mehr Lernzeit einzuräumen. Eigentlich eine gute Sache. Doch der Druck nach den Osterferien ist jetzt umso größer. Es stehen zwei Klausurenphasen in nur zwei Monaten an.

Enormer Klausuren-Druck in Corona-Zeiten: Schüler aus Dortmund kritisiert doppelte Prüfungsphase

„Mir bangt es davor“, sagte der Schüler aus Dortmund in einem Instagram-Video. Mindestens zwölf Klausuren in zwei Monaten stünden an, bei manchen könnten es sogar 16 bis 18 sein. Miguel Marques Pereira hat es „vergleichsweise gut“. Ihm stehen elf Prüfungen bevor, weil eine Chemie-Klausur ausfallen würde.

In dem Instagram-Beitrag liest der Jugendliche einen Brief vor, den er an seinen Stufenleiter schicken wolle. Inzwischen (Stand 25. März) hat der Beitrag etwa 8.000 Aufrufe (mehr Corona-News aus Dortmund auf RUHR24.de).

Corona-Hilferuf aus Dortmund: Homeschooling und Lockdown vergrößern Klausuren-Druck bei Schülern

Er kritisierte, dass sich Schüler im Homeschooling viele Themen selbst beibringen müssten. „Natürlich sind die Lehrer immer ansprechbar, aber mir fällt es schwerer, Dinge nachzuvollziehen, wenn sie mir in Textform erklärt werden, anstatt per Face-to-Face-Konversationen wie sie in der Schule abläuft.“

Dieser Druck und fehlende Vorbereitung in Corona-Zeiten sorgen geradezu für Klausuren-Panik. „Ich glaube ich spreche für alle: Es herrscht nicht mehr Respekt vor den anstehenden Klausuren, sondern erstmals richtige Angst“, erklärt Miguel Marques Pereira im Video. Und mit dieser Sorge ist der Dortmunder nicht allein. Unter seinem achtminütigen Video stimmen ihm viele Schüler zu, berichteten von ähnlichen Problemen.

Dortmund: Schüler haben keine Ablenkung in Corona-Zeiten – Klausuren sind allgegenwärtig

Die Corona-Maßnahmen verschärfen die Situation zusätzlich, denn es gibt kaum eine Möglichkeit, den Kopf freizubekommen: „Ablenkung ist eine Seltenheit, durch den Mangel an sozialen Kontakten dreht sich bei uns alles nur um Schulen“, so der Schüler aus Dortmund. Experten warnen sogar vor blutigen Händen und Panikattacken als Spätfolgen wegen des Corona-Lockdowns bei Kinder und Jugendlichen.

Schüler sitzen seit Monaten im Homeschooling. Die anstehenden Klausuren lösen Panik bei manchen aus.

Der 16-Jährige stellt daher eine Forderung: „Was ich mir wünsche, ist, dass der Druck einfach runtergefahren wird.“ Dafür lieferte der Dortmunder auch einen Vorschlag: Weniger Klausuren schreiben. Er fände es unzumutbar von Schülern zu erwarten in zwei Monaten mindestens zwölf Klausuren zu schreiben.

Schule in Dortmund reagiert auf Corona-Hilferuf: Verständnis auf beiden Seiten

Reaktionen auf seinen emotionalen Corona-Hilferuf ließen nicht lange auf sich warten. Miguel Marques Pereira wurde von der Leitung seiner Gesamtschule ins Büro bestellt, berichtete er RUHR24. Das Ergebnis war in seinen Augen enttäuschend.

Zwar seien sich beide Parteien auf Augenhöhe begegnet und ihm sei Verständnis entgegengebracht worden. Doch vom Kurs wolle die Schule nicht abweichen. „Die Abteilungsleitung ist dankbar für jede Klausur. Schließlich ist unklar, wie lange die Schulen noch offen sind.“ Der Oberbürgermeister von Dortmund, Thomas Westphal, forderte bereits die erneute Schulschließung.

Video: RKI warnt: Corona-Infektionen bei Kindern schießen in die Höhe

Dortmund: Schüler veröffentlicht auf Instagram Kritik an Klausuren – Teilerfolg durch Corona-Hilferuf

Immerhin: Einen Betrag für seine Mitschüler hat Miguel Marques Pereira geleistet. Denn diejenigen, die mehr als zwölf Klausuren hätten schreiben müssen, dürfen sich jetzt auf die Pflichtklausuren beschränken.

Dennoch fühlt sich der Schüler aus Dortmund „alleingelassen“. Locker lässt er deswegen noch lange nicht. Er rief jetzt eine Umfrage ins Leben, an der Klassenkameraden und Lehrer teilnehmen können, um zu zeigen, dass er nicht alleine mit dieser Ansicht ist. „Auch Lehrer stehen hinter uns“, betonte der 16-Jährige. Das letzte Wort ist offenbar noch nicht gesprochen.

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