Ergebnisse überraschen

Corona-Studie setzt Meilenstein: Bald wieder Veranstaltungen im Konzerthaus Dortmund?

Das Fraunhofer-Institut hat gemeinsam mit dem Konzerthaus Dortmund die Corona-Infektionsgefahr bei Besuchen von Theatern und Konzerthäusern untersucht. Theoretisch wäre sogar eine Vollbesetzung möglich.

Dortmund – „Konzerte und Aufführungen in Theatern, Opern- und Konzerthäusern (...) sind unzulässig“, heißt es in der aktuellen Fassung der Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen*. Für die Künstler ist das ein schwerer Schlag, weiß RUHR24.de*. Denn die Hilfsprogramme für Kulturschaffende reichen nicht aus, um die Einnahmeverluste aufzufangen.

KonzertsaalKonzerthaus Dortmund
AdresseBrückstraße 21, 44135 Dortmund
Sitzplätze1550
IntendantRaphael von Hoensbroch

Corona-Studie im Konzerthaus Dortmund untersucht Infektionsgefahr mit SARS-CoV-2

„Die besten Hilfsprogramme, die wir jetzt aufsetzen können, ist Künstlerinnen und Künstlern wieder eine Bühne zu geben – also Konzerthäuser und Theater wieder zu öffnen. Denn viele der staatlich aufgesetzten Hilfsprogramme kommen jetzt bei den Betroffenen nicht an“, sagt Raphael von Hoensbroch, Intendant des Konzerthaus Dortmund.

Aus diesem Grund hat das Konzerthaus Dortmund das Fraunhofer-Institut beauftragt, die räumliche Ausbreitung von Aerosolen und CO2 in einem Konzertsaal zu untersuchen. Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie (die Entwicklungen im NRW-Ticker)* hat sich eine Studie mit der Infektionsgefahr für Besucher von Konzerthäusern und Theatern befasst.

Raphael von Hoensbroch ist Intendant des Konzerthaus Dortmund.

Konzerthaus Dortmund: Fraunhofer-Institut misst Aerosol-Ausstoß mit Dummy-Puppe

Die umfangreichen Tests im Saal und Foyer des Konzerthaus Dortmund fanden bereits im November 2020 statt. Neben einem Dummy, mit dem der Ausstoß von menschlichem Atem im Saal simuliert wurde, nahmen auch Mitarbeiter des Konzerthauses und die Dortmunder Philharmoniker an der Studie teil. Die Ergebnisse der Studie aus Dortmund sind eindeutig und durchaus überraschend.

Insbesondere im Saal hätten die experimentellen Untersuchungen gezeigt, dass die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2)* durch Aerosolübertragung nahezu ausgeschlossen werden kann. Die vorhandene zentrale Lüftungsanlage sowie das Tragen einer Maske würden die Aerosol- und CO2-Belastung stark verringern. Theoretisch wäre sogar eine Vollbesetzung im Saal denkbar.

Da aber auch die Zuwege zum Saal und die Foyers im Konzerthaus Dortmund einbezogen werden müssen, empfiehlt die Studie, die Saalkapazität nur zur Hälfte auszuschöpfen. Die Sitze sollten dabei im Schachbrett-Muster verteilt werden. So könne der jeweils direkt Vorderplatz freigehalten werden und das Tragen der Maske sei nach Einnahme des Sitzplatzes nicht mehr notwendig.

Corona-Studie im Konzerthaus Dortmund laut NRW-Ministerin „wichtiger Baustein“

Die Ergebnisse der Studie ließen sich auch auf andere Konzerthäuser und Theater übertragen, die über ähnliche Rahmenbedingungen verfügen. So ist beispielsweise eine ähnliche Lüftungsanlage wie in Dortmund erforderlich. In diesem Fall lautet das Fazit: „Das Konzerthaus kann bei vorhandenem Lüftungskonzept (kompletter Luftaustausch mit Außenluft alle 20 Minuten) kein Superspreading-Event auslösen.“

Isabell Pfeiffer-Poengsen, Kultur- und Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, bezeichnet die Studie des Konzerthaus Dortmund als „wichtigen Baustein“. Dennoch ließe das Infektionsgeschehen derzeit keine Wiedereröffnung der Kultureinrichtungen zu. „Umso wichtiger ist es, für die Zeit nach dem Lockdown Perspektiven und Planungssicherheit zu schaffen.“

Videografik: So wird das Coronavirus durch die Luft übertragen

Die Wichtigkeit der Corona-Studie aus Dortmund betont auch Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt: „Hervorragende Untersuchung mit viel Aussagekraft! Das ist genau das, was wir brauchen an Informationen.“ Die Ergebnisse ließen sich sehr gut auch auf andere Konzert- und Theatersäle bundesweit übertragen (alle News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24.de).

Die Forderung des Konzerthauses Dortmund ist indes klar: „Sobald dies angesichts der Infektionslage möglich ist, sollten daher die Kultureinrichtungen wieder öffnen können, und das auf Basis wissenschaftlicher Fakten und einer differenzierten Betrachtung der jeweiligen örtlichen und konzeptionellen Gegebenheiten.“ *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa

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