Vor Auftritt im Dortmunder FZW: Comedian Özcan Cosar wird von Nazis aus Dorstfeld verjagt

Interview Özcan Cosar
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Interview Özcan Cosar

Dortmund/NRW - Bei einem Interview mit Einslive wurde der Comedian Özcan Cosar vor einem im Auftritt im FZW aus dem Dortmunder Stadtteil Dorstfeld davongejagt.

Als der Comedian Özcan Cosar im November für einen Auftritt in Dortmund zu Gast ist, trifft er sich für ein Interview mit Einslive-Reporter Hubertus Koch. Doch was als ein nettes Gespräch beginnt, endet in Dorstfeld, als die beiden von Nazis davongejagt werden.

Ein Interview in Dorstfeld? - Warum nicht, haben sich Özcan Cosar und Hubertus Koch gedacht, als sie sich im November vor einem Auftritt Cosars im FZW in Dortmund verabredet haben. Für das Einslive "Rendez-Who?" will Koch mit dem Comedian darüber sprechen, wie er aufgewachsen ist und ob der 37-jährige Stuttgarter mit türkischen Wurzeln schon häufig mit rassistischen Äußerungen konfrontiert wurde.

Interview mit Özcan Cosar in Dorstfeld

Die beiden starten ihr Interview in einer Dortmunder Jugendfreizeitstätte. Danach zieht es Hubertus Koch und Özcan Cosar, der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, jedoch nach draußen. Gemeinsam wollen sie das Gespräch im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld fortsetzen.

"Und weil wir in Dortmund sind, musste ich an die Reportage einer Kollegin denken: über Dortmund-Dorstfeld, einem Nazi-Kiez. Ich habe Özcan gefragt, ob er mit mir genau dort über seine Rassismuserfahrungen sprechen will. Er hat ja gesagt und wir den Dreh bei der Polizei angemeldet", erzählt Koch im Einslive-Video.

Ab Minute 3:30 zeigt das Video die Szenen in Dorstfeld:

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Zusammen mit dem Kamerateam fahren die beiden gut gelaunt in Richtung Dorstfeld. Doch als sie an der Emscherstraße ankommen, vergeht ihnen das Lachen schnell. "Boah shit Alter, hier steht ja überall Nazi", wundert sich Cosar, während Hubertus Koch sich Sorgen macht, wo der angeforderte Polizeischutz bleibt.

Als der Moderator und sein Interviewpartner schließlich aus dem Auto steigen, merken sie sofort, dass sie beobachtet werden. "Achtet jetzt auf den Hintergrund: Der Mann im Hauseingang hat uns anfahren sehen und seitdem nicht mehr aus dem Auge gelassen", so der Einslive-Moderator. Und dann geht alles ganz schnell.

"Beleidigungen, Kopfnuss, Schubserei"

Während sich alle für das Interview bereit machen, hört man bereits, wie im Hintergrund Böller gezündet werden. Der Comedian schaut in Richtung Kamera und macht klar: "So, ich glaube, wir brechen hier jetzt erst einmal ab."

Und auch Koch bekommt ein unsicheres Gefühl: "Also wir brechen jetzt an dieser Stelle ab, nachdem ein paar Böller geworfen wurden, die höchstwahrscheinlich mit unserer Präsenz in Verbindung stehen. Deswegen wollen wir mal jetzt nicht provozieren - SS-Siggi steht schon am Fenster." (Anm. d. Redaktion: Der Dreh von Einslive hat im November 2018 stattgefunden. Siegfried Borchardt ist seit dem 10. Dezember im Gefängnis)

Wenige Sekunden später wird es hässlich: "Beldeidigungen, Kopfnuss, Schubserei", heißt es im Video. Einige Männer rufen, man solle sich verpissen und endlich in das "scheiß Auto" einsteigen. Das macht das Team rund um Hubertus Koch und Özcan Cosar dann auch. Gleichzeitig wählen sie die 110, fassungslos darüber, wie sie gerade aus der Straße verjagt wurden.

Schock: Sowas passiert tatsächlich in Dortmund

Auf der Rückfahrt im Auto ist die entspannte Stimmung von vorher wie weggeblasen. "Ich fand das echt beängstigend. Und weißt du, was ich krass finde? Das sind Nazis. Typen, die sagen der Holocaust war in Ordnung und eigentlich hätte man alle umbringen müssen. Das ist doch krank, man", versucht Cosar die Geschehnisse in der Dorstfelder Emscherstraße zu verarbeiten.

Besonders schockierend ist für die beiden, dass so etwas tatsächlich mitten in Dortmund passiert. Auch als sie am Abend im FZW ankommen, Cosar hat schließlich noch einen Auftritt am Abend, merkt man, dass das Erlebte noch voll präsent ist.

Der Comedian nimmt die Geschichte vom Nazi-Kiez sogar mit auf die Bühne. "Heute macht er die Hallen voll, statt nur in seinem Kiez zu hocken. Statt Menschen zu hassen, bringt Özcan sie zum Lachen. Und das sogar mit Geschichten, die überhaupt nicht lustig sind", heißt es am Ende des Videos. - Wie an diesem Abend mit der Geschichte aus Dortmund-Dorstfeld.