Unterstützung der Stadt gefordert

Clubs in Dortmund wegen  Coronavirus vor dem Aus - Hilfsaktion auf Facebook könnte sie retten

So viele Besucher wie hier beim Juicy Beats in Dortmund im Jahre 2018 wird es in diesem Sommer bei keiner Veranstaltung geben.
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So viele Besucher wie hier beim Juicy Beats in Dortmund im Jahre 2018 wird es in diesem Sommer bei keiner Veranstaltung geben.

Wegen der Coronavirus-Pandemie könnten einige Clubs in Dortmund schließen. Eine Aktion auf Facebook soll nun helfen, Unterstützung von der Stadt zu bekommen.

  • Wegen der Coronavirus-Pandemie bleiben Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 verboten.
  • Wann Clubs und Eventlocations wieder öffnen dürfen, ist derzeit unklar.
  • Betreiber starten deshalb eine neue Hilfsaktion auf Facebook, um an Geld für ihre Fixkosten zu kommen.

Dortmund - Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie sind Großveranstaltungen noch bis zum 31. August 2020 verboten. Clubs, DJs, Locations und Künstler stellt das vor besondere finanzielle Probleme. Denn während die Einnahmen ausbleiben, laufen die Fixkosten weiter. In Dortmund versucht man nun, sich mit einer Hilfsaktion via Social Media über Wasser zu halten, berichtet RUHR24.de*. Ob das klappt?

Stadt

Dortmund

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Fläche

280,7 km²

Einwohner

603.609 (2019)

Dortmund: Corona-Krise und Verbote sorgen für Probleme bei Clubs und Veranstaltern

Wie düster es um die Veranstaltungsbranche in Dortmund aussieht, zeigte bereits Mitte Mai ein Hilfeschrei des FZW*. Damals ließen die Betreiber der Dortmunder Eventlocation sowie weitere Clubs in NRW verlauten: Wenn es so weiter geht, dann müssen wir schließen.

Hilfe sollte aus der Politik kommen, doch die blieb bislang aus. Eine andere Idee, wie man an Geld für laufende Fixkosten kommen könnte, war Fundraising. Im April hatten sich etliche Bars und Clubs aus dem Ruhrgebiet - darunter auch Betreiber aus Dortmund - an die Öffentlichkeit* gewandt. Im Internet starteten sie Fundraising-Kampagnen, bei der jeder so viel spenden konnte, wie er wollte. 

Das Gute: Viele Spenden kamen zusammen, die Menschen zeigten sich solidarisch. Das Problem: Es kam nicht ausreichend Geld zusammen, um die Kosten der Clubs und Bars zu decken. Allein das Oma Doris, ein kleiner Club im Herzen der Dortmunder City, benötigte 20.000 Euro. Am Ende sind rund 6200 Euro zusammen gekommen. Keine schlechte Summe, aber längst nicht genug.

Dortmund: Neue Corona-Hilfsaktion über Social Media

Um den Sprung aus der finanziellen Misere doch noch zu schaffen, haben sich Dortmunder Clubs, Livelocations, Veranstalter, Künstler und DJ's nun zu einer Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen.

Unter dem Motto "Ohne euch wird es bald ganz still" wollen sie auf die besonderen Probleme der Dortmunder Club- und Konzertkultur während der Corona-Krise* aufmerksam machen. Entsprechende Informationen haben sie am frühen Montagmorgen (15. Juni 2020) auf einer neu geschaffenen Facebook-Seite geteilt.

Dortmund: Neue Lockerungen für öffentliche Veranstaltungen

Der Zeitpunkt dafür könnte nicht passender sein: Ab dem 15. Juni gelten in NRW neue Lockerungen*. Unter anderem sind dann wieder private Feiern mit maximal 50 Gästen sowie öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen erlaubt. Vorausgesetzt, der Mindestabstand von 1,5 Metern wird eingehalten.

Auch öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern sind ab dem 15. Juni wieder erlaubt. Allerdings gelten dann in Abstimmung mit der Gesundheitsbehörde entsprechende Hygienemaßnahmen

Von der Regel ausgenommen sind Großveranstaltungen. Diese bleiben bis einschließlich 31. August 2020 verboten. Damit dürften Dortmunder Eventlocations wie das FZW weiterhin geschlossen bleiben. Wie es mit den Clubs aussieht, bleibt unklar. Bezüglich ihrer Öffnung gibt es vorerst keine Neuigkeiten.

So viele Besucher wie hier beim Juicy Beats in Dortmund im Jahre 2018 wird es in diesem Sommer bei keiner Veranstaltung geben.

Dortmund: Öffnung von Clubs ergibt wirtschaftlich Sinn

Die finanzielle Not bleibt somit im Mittelpunkt vieler Veranstalter. Auf der Facebook-Seite der IG Dortmunder Club- und Konzertkultur ist die Rede von 100 Prozent Umsatzeinbußen seit März dieses Jahres. 

Es sei absolut unklar, "wann eine Wiedereröffnung stattfinden könnte, die unter wirtschaftlichen Aspekten Sinn ergebe", heißt es. Um darauf aufmerksam zu machen, beleuchten die Veranstalter in der Coronavirus-Krise nun ihre Gebäude rot.

Dortmund: Deshalb sind Clubs ein Hotspot für Krankheitserreger

Düstere Prognosen gibt es von Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Er erklärt, warum vor allem Discos ein echter "Hotspot" für Krankheitserreger sind. Viren wie das Coronavirus könnten sich ungehindert und schnell verbreiten. Ein Mindestabstand von 1,5 Metern kann auf Tanzflächen oder an der Bar kaum eingehalten werden.

Er geht deshalb davon aus, dass die nächtliche Party-Szene erst dann wieder zum Leben erweckt werden kann, wenn es entweder einen Impfstoff gibt, die Pandemie vorbei ist oder die Immunität in der Bevölkerung* weiter angestiegen ist.

Video: Clubs sind Hotspots für Krankheitserreger

Dortmund: Verbot für Großveranstaltungen führt zu Schließungen

Für die Dortmunder Veranstalter, aber auch für alle anderen in ganz Deutschland, wäre dies der absolute Worst Case. Insolvenzen und Schließungen wären die Folge.

Dabei seien sowohl Veranstaltungen als auch Clubs im Alltag nicht wegzudenken. Vor allem in Dortmund: "Die Vielfalt unserer Veranstaltungen und Konzerte in dieser Stadt verbinden Menschen auf friedliche Weise und sind interkulturell von unschätzbarem gesellschaftlichen Wert", teilt die IG Dortmunder Club- und Konzertkultur auf Facebook mit.

Dortmund: Nachtkultur sei wichtig für junge Menschen

"Die kreative Energie dieser Nachtkultur hat zahlreiche Generationen junger Menschen in dieser Stadt maßgeblich geprägt. Ihr Fehlen würde eine "unausfüllbare Leere" hinterlassen, heißt es weiter.

"Mit der nun drohenden Insolvenz einer großen Anzahl von Livespielstätten und Clubs würde zukünftig schlicht der Boden fehlen, auf dem der künstlerische Nachwuchs gedeiht", so die IG Dortmunder Club- und Konzertkultur.

Nachts wird in Dortmund gerne gefeiert. Zum Beispiel im Dortmunder U - der Club "View" ist einer von vielen in der Ruhrgebietsstadt.

Dortmund: Offener Dialog mit der Stadt Dortmund als Ziel

Um doch noch Hilfe zu bekommen, wollen die Betreiber nun in einen offenen Dialog mit der Stadt Dortmund treten, bei der es aktuell such Diskussionen um Frauen-Nacht-Taxis gibt. Einen entsprechenden Brief hätten sie am Montagmorgen bereits an die Stadtverwaltung sowie an den Dortmunder Rat geschickt. Zusätzlich sei allerdings nötig, ihr Anliegen so bekannt wie möglich zu machen. 

Der Appell richtet sich dabei zum einen an Veranstalter, Locations oder Künstler und DJ's, die von der Krise betroffen sind und zum anderen an Privatpersonen mit einer besonderen "Liebe zur Club- und Konzertkultur in Dortmund".

Dortmund: Das sind die Forderungen der Interessengemeinschaft

Damit der Neustart nach der Corona-Krise klappt, stellt die Interessengemeinschaft die folgenden Forderungen an die Dortmunder Politik:

  • Die kurzfristige Abschaffung der Vergnügungssteuer für unseren Wirtschaftszweig. Diese stellt eine erhebliche weitere Belastung dar, ist zudem nicht mehr zeitgemäß und wirkt im Vergleich zu anderen Städten sogar wettbewerbsverzerrend.
  • Die Bereitstellung eines Starthilfe-Pakets um Kosten wie etwa Vorkassen für Künstler, Technik, Personal, Mieten, Werbung und ähnliches überhaupt leisten zu können
  • Die Änderung der Regelung zur Sperrstunde auf eine vom Veranstalter oder Clubbetreiber zu definierende Spielzeit mit einer maximalen Öffnungszeit von 8 Stunden (z.B. 24.00 bis 8.00 Uhr).
  • Die Entwicklung einer verantwortungsvollen Exit-Strategie vor dem Neustart. Hier arbeiten wir gerne mit Ihnen zusammen an einem tragfähigen Konzept.
Unterstützer der Aktion "Ohne euch wird es bald ganz still".

Dortmund: So kann man die IG Dortmunder Club- und Konzertkultur unterstützen

Wer die IG Dortmunder Club- und Konzertkultur mit ihrem Vorhaben unterstützen will, klickt bei Facebook auf "Gefällt mir" oder teilt den folgenden Post mit Freunden oder auf dem eigenen Profil:

Zusätzlich gibt es Profilbilder und Banner, die man auf den eigenen Profilen nutzen kann. Sie stehen zum Download auf der Website zur Aktion "Ohne euch wird es bald ganz still" der IG Dortmunder Club- und Konzertkultur bereit.

Dortmund: Diese Clubs machen bei der Aktion auf Facebook mit

Auf Facebook gibt es schon jetzt einige Dortmunder Clubs, die an der Aktion teilnehmen. Erkennbar sind sie unter anderem an einem schwarzen Profilbild, auf dem in weißer Schrift "Hey Dortmund, ohne euch wird es bald ganz still". Hier eine Übersicht mit allen Live-Spielstätten und Clubs, die in der IG mitwirken:

  • Oma Doris
  • Musiktheater Piano
  • Herr Walter
  • Weinkeller
  • Tyde Studios
  • Tresor.West
  • Marlene bar
  • JunkYard
  • Strobels
  • Silent Sinners
  • Pirates Boo
  • Großmarktschänke
  • Muto Heimatgastronomie

Ob die Aktion wirklich helfen wird, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen. Bis jetzt hat die Facebook-Seite der IG Dortmunder Club- und Konzertkultur über 500 Abonnenten (Stand 15. Juni 2020).

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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