Tanzen bis zum Morgengrauen

Sperrstunde und Nachtbürgermeister - steht Dortmunds Clubszene vor großen Veränderungen?

Das Nachtleben in Dortmund wird derzeit in der Politik diskutiert. Bald könnten drastische Änderungen in der Clubszene anstehen.

  • Derzeit diskutiert die Politik wieder über die Sperrstunde in Dortmund.
  • Außerdem soll ein neues Amt eingeführt werden, das die Partyszene unterstützt.
  • Die Fraktion Linke und Piraten befürwortet die Aufhebung der Sperrstunde.

Dortmund - Während in Städten wie Düsseldorf und der Techno-Hochburg Berlin seit jeher bis in die Puppen gefeiert werden darf, werden in Dortmund ab 6 Uhr noch immer die Bordsteine hochgeklappt. Derzeit diskutiert die Politik wieder über eine Aufhebung dieser Sperrstunde.

Dortmund: Ende der Sperrstunde und Start für den Nachtbürgermeister?

Seit der "Musik und Maschine"-Konferenz" (kurz: MuMa) im November vergangenen Jahres wird das Thema Nachtleben in Dortmund wieder diskutiert. Einen großen Teil des Redebedarfs machte die Sperrstunde aus, die derzeit bei 6 Uhr morgens liegt und so manchem Clubbetreiber das Geschäft eindämmt. Dennoch ist um diese Uhrzeit Schluss mit lustig in den Clubs von Dortmund

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Besetzung eines "Night Mayors", also eines Nachtbürgermeisters, der die Vernetzung von Nachtkultur und Nachtökonomie unterstützt sowie jungen Clubunternehmern Impulse geben, aber auch Konfliktsituationen lösen könnte. Diese Forderung kommt immer häufiger von Akteuren aus Gastronomie, Hotellerie, Ausgehkultur und sonstiger Unterhaltungsindustrie.

In Mannheim wurde eine solche Stelle erst vor kurzem dauerhaft besetzt. Auch die Wirtschaftsförderung in Dortmund steht dem aufgeschlossen gegenüber, wie die Ruhr Nachrichten berichten.

Dortmund: "Altertümliche" Sperrstunde soll abgeschafft werden

Auch die ersten Parteien geben ihre Stimme für die auf der MuMa angeregten Punkte ab. "Das Thema ist längst überfällig", meint Thomas Zweier in einem Schreiben. Er ist Mitglied der Ratsfraktion aus Linke und Piraten und im Kulturausschuss sowie im zuständigen Ausschuss für öffentliche Ordnung. "Es ist eigentlich traurig, dass wir darüber diskutieren müssen", sagt er. Zuletzt hatte die Fraktion den Anbau von Cannabis in Dortmund gefordert

Die "altertümliche" Sperrstunde müsse abgeschafft werden, so Zweier. "Auch in Dortmund gibt es wieder ein Nachtleben, eine Clubkultur, die nicht mit dem früheren Tanzabend zu vergleichen ist, der kurz nach Mitternacht zu Ende ging." Eine Sperrstunde könne Probleme mit gewalttätigen oder störenden, alkoholisierten Personen ohnehin nicht lösen, sondern verlagere diese nur zeitlich.

Auch von der FDP in Dortmund kommt in Person von Oberbürgermeister-Kandidat Michael Kauch Unterstützung für die Abschaffung der Sperrstunde. "Lasst die Menschen tanzen und feiern, wie und wann sie wollen. Die Sperrstunde in Dortmund muss ein Ende haben!", fordert Kauch.

Dortmund: Die Fraktion Linke und Piraten sieht einen Nachtbürgermeister kritisch 

Eher kritisch sieht die Fraktion Linke und Piraten dagegen die Forderung nach einem Nachtbürgermeister als Konfliktvermittler in Dortmund. Für schwerwiegende Konflikte sei ihrer Meinung nach der Einsatz der Polizei nötig und bei Ruhestörungen der des Ordnungsamts. "Die Forderung nach einem Nachtbürgermeister verkleistert die Augen für die eigentlichen Probleme und verlagert sie auf die Schultern einer Einzelperson, die schnell an ihre Grenzen stoßen wird", so Zweier.

Die Wirtschaftsförderung, die vom aktuellen Dortmunder OB-Kandidaten Thomas Westphal (SPD) geführt wird, steht dem Posten eines Nachtbürgermeisters hingegen positiv gegenüber. Noch im Laufe dieses Jahres könne sich aus der Idee mehr entwickeln. Und auch die Sperrstunde könnte in Zukunft neu diskutiert werden. 

Zuletzt wurde diese 2011 von 5 Uhr morgens auf die aktuelle Uhrzeit, 6 Uhr, verschoben. Auch Techno-Pionier Dimitri Hegemann, seit neuestem auch Clubbetreiber in Dortmund, sagte gegenüber den Ruhr Nachrichten: "Das Verständnis von Nachtkultur muss sich grundlegend ändern."

Rubriklistenbild: © RUHR24

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